Kuhstall

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Anneke Struck | am

Strom sparen im Kuhstall: 6 realistische Tipps

Landwirtschaftliche Betriebe müssen Energie einsparen. Bei der Kostenexplosion von Strom, Gas und Diesel ist das nicht zu vermeiden.

Ein genauer Blick in den Milchviehstall hilft dabei, hier Geld einzusparen. Wichtig dabei: Viele kleine Schrauben sorgen für den großen Dreh.

Viele kleine Stellschrauben

Es gibt sechs realistische und hilfreiche Tipps, die sich auf folgende Bereiche beziehen:

  • Melken
  • Kühlung
  • Warmwasser
  • Beleuchtung
  • Lüftung
  • Diesel
Einsparpotenziale für Energie müssen betriebsspezifisch gesucht und umgesetzt werden.

Energie sparen beim Melken

Der Energieverbrauch im Melkstand kann durch den Einbau einer Frequenzsteuerung um 20 bis 70 Prozent verringert werden. Dieser Druckwächter misst die benötigte Vakuummenge und passt die Leistung der Pumpe an. Die Vakuumpumpe ruft so nur während des Spülvorgangs ihre maximale Leistung ab. Zum Melken reicht meist rund die Hälfte der Leistung aus. Zu beachten ist, dass eine Wasserringpumpe nicht, die Lamellenvakuumpumpe bedingt und die Rotationsvakuumpumpe sehr gut für eine zusätzliche Frequenzsteuerung geeignet ist.

Energie sparen bei der Kühlung

Die größte Einsparung im Bereich Milchkühlung bringt der Einbau eines Vorkühlers. Hier wird im Gegenstromprinzip Brunnen- oder Leitungswasser an der Milch vorbeigeführt und diese somit schon auf 17 °C heruntergekühlt. So kann rund 50 Prozent der Strommenge, die sonst in der Kühlung verbraucht wird, eingespart werden.

Sinnvoll ist es auch, den Milchtank an die tatsächliche Milchmenge anzupassen. Bei einem zu großen Tank wird der ungenutzte Raum unnötigerweise mit abgekühlt. Zudem sollte der Kompressor beziehungsweise das Kühlaggregat in einem gut durchlüfteten Raum stehen. Hier liegt ein großes Einsparpotenzial. Steigt im Raum zum Beispiel die Temperatur von 25 °C auf 32 °C, erhöht sich der Energiebedarf um 25 Prozent.

Energie sparen durch Wärmerückgewinnung

Mit einer Wärmerückgewinnung kann ebenfalls Energie sinnvoll umgelagert und eingespart werden. Wie viel Warmwasser gewonnen werden kann, hängt vor allem von der Milchmenge pro Melkzeit ab und ob ein Vorkühler eingesetzt wird. Mit 1 Liter Milch können ungefähr 0,6 l Wasser auf etwa 50 °C erwärmt werden. Setzt man einen Vorkühler ein, was auch fast immer sinnvoll ist, reduziert sich die mögliche Menge an warmem Wasser auf

0,3 l/l Milch. Bei einer Milchmenge von 750 l pro Melkzeit können so rund 450 l und beim Einsatz eines Vorkühlers etwa 225 l Warmwasser erzeugt werden. Damit sich der Einbau einer Wärmerückgewinnung rechnet, muss die erwärmte Wassermenge dem Wasserbedarf für Melkstand- und Kühltankreinigung, Kälbertränke oder Händewaschen entsprechen.

Lagerbelüftungstrocknung ist die energieeffizienteste Form der Getreidetrocknung.

Energie sparen durch andere Lampen

Auch im Bereich Beleuchtung gibt es ausreichend Potenzial, Energie einzusparen. Vor allem die Wahl des richtigen Lampentyps ist entscheidend. Welcher Lampentyp sinnvoll ist, hängt von der Aufhänghöhe ab. So sollten bis 3 m Höhe wegen ihres tiefen-breiten Abstrahlwinkels Leuchtstofflampen eingebaut werden. Ab etwa 4 m fällt die Wahl auf Natrium- und Quecksilber-Hochdruckdampflampen. Leuchtstofflampen mit konventionellen Vorschaltgeräten sollten gegen elektronische Vorschaltgeräte ausgetauscht werden. Damit können bis zu 25 Prozent Energie im Vergleich zu den konventionellen Geräten eingespart werden. Zudem halten sie viel länger.

Glühbirnen hingegen sind nicht mehr zeitgemäß. Sie sollten zügig gegen hochwertige Kompaktleuchtstofflampen ausgetauscht werden. In Durchgängen, in denen keine ständige Beleuchtung notwendig ist, lohnt es sich, Bewegungsmelder einzubauen. So brennen die Lampen nur so lange, wie sie benötigt werden.

Energie sparen durch Lüftungstechnik

Ein schlechtes Stallklima mit zu hohen Temperaturen sorgt in der Milchviehherde für Hitzestress. Eine gut angepasste Lüftungstechnik kann da vorbeugen und gleichzeitig die Energiekosten gering halten.

Bei der Wahl der Technik sollte nicht an der Luftleistung gespart werden, denn erst ab 800 bis 1200 m3 je Kuh wirkt sich die Lüftungstechnik positiv auf die Leistung der Tiere aus. Anbringungsort ist direkt über den Liegeboxen. Die Ventilatoren und die Schutzgitter müssen regelmäßig gereinigt werden. Ab einer Anbauhöhe von über 2,70 m, muss gar kein Schutzgitter mehr vorhanden sein.

Bei einem Stallneubau sollte in der Planung ein besonderes Augenmerk auf die Lüftung gelegt werden. Das kann dazu führen, dass Ventilatoren erst gar nicht eingebaut werden müssen.

Generell sollten Stromverbraucher wie Kühlung, Melktechnik, Ventilatoren usw. einmal öfter gewartet und gereinigt werden. Dabei wird ein zu hoher Energieverbrauch entdeckt und reduziert.

Diesel beim Füttern einsparen

Um ständiges Rangieren und Wenden und damit zusätzlichen Kraftstoffverbrauch zu vermeiden, ist es sinnvoll ausreichend Verkehrsfläche am Stall und an der Silofläche zu haben. Diese sollte in der Nähe des Milchviehstalls liegen, um keine weiten Wege fahren zu müssen. Auch die Wahl des Futtermischwagens hat Einfluss auf den Energieverbrauch. Achten Sie dabei auf den spezifischen Leistungsbedarf je Tonne. Darüber hinaus ist es wichtig, nicht länger zu mischen als notwendig. Ist die letzte Futterkomponente im Mischer, sollte er nur noch rund 3 Minuten (horizontaler und vertikal Mischer) laufen. Die Ausnahme sind die Freifallmischsysteme.

Thomas Korte testete schon im Sommer probeweise das Durchteilen des Stalles für die ersten 14 Tage der Mast, jetzt läuft der erste „echte“ Winterdurchgang, das System funktioniert.

Energiespartipps von Praktikern

Facebook-User haben ihre Tipps zum Energiesparen preisgegeben:

Cord Hartmann, Radbruch (Niedersachsen)

Frequenzsteuerung für Vakuumpumpe wurde kürzlich eingebaut. Alte abgeschriebene Pumpe als Reserve behalten, falls neues komplexeres System mal ausfällt. Außerdem melke ich seit Längerem im 16 Stunden-Takt. Sicherlich nicht jedermanns Sache (Rhythmus: früh, spät, mittags, früh, spät, ...). Spart eine Melkzeit pro zwei Tage (Arbeitszeit, Energie).Sozialer Aspekt: Man erzeugt sich so auch etwas Abwechslung im Alltag (theoretisch jeden zweiten Tag ausschlafen können, zumindest sofern Familie etc. das zulässt). Spannend: Zur Not ist es jederzeit umkehrbar, und null Invest dafür nötig.

Dirk Eckern, Meinerzhagen (Nordrhein-Westfalen)

LED-Beleuchtung, Vorkühler und Hoftrecker nie mit Vollgas fahren, das sind bei uns Einsparmöglichkeiten. Wir hatte kürzlich einen elektrischen Hoflader hier. Das wird vermutlich in einem elektrischen Hoftrecker münden. Der Antrieb war aber absolut überzeugend. Zudem ist eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach sinnvoll.

Stefan Braun, Mausheim (Bayern)

Kälbermilch ansäuern, dann genügt die Temperatur der Milch, wie sie aus dem M4use, der Milchseparationseinheit für Kälbermilch, kommt. Wir haben zudem einen Rohrkühler eingebaut.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Schweine faserreich füttern
  • Limousinrinderzucht in Ostfriesland
  • Northeimer Wertholzsubmission
  • Sortenleistungsvergleich Energierüben
  • Aus für Biokraftstoffe?

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen