Kühe im Stall
Christel Grommel | am

Stubenreine Rinder? Forscher experimentieren

Können Kühe mit Hilfe von assoziativen Lernmethoden stallrein werden? Das untersuchen Wissenschaftler aus Dummerstorf, Celle und Auckland.

Rinder hinterlassen ihre Ausscheidungen da, wo sie gerade stehen. Laut Jan Langbein vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie habe das negative Folgen für die Umwelt und die Tiere selbst. 

Die Ausscheidungen von Urin und Kot seien klimarelevant und könnten bei Körperkontakt zu Krankheiten von Klauen und Eutern führen. Zudem stellten die Ausscheidungen einen erheblichen Reinigungsaufwand dar.

Nun möchte der Forscher zusammen mit anderen Wissenschaftlern herausfinden, ob mit Hilfe von assoziativen Lernmethoden ein "erfolgreiches Latrinentraining" möglich ist. Denn die Tiere verfügten über die Intelligenz und die neurophysiologischen Grundlagen, die ein solches Training ermöglichen.

"Wir halten es auch im Interesse der Milchviehhalter grundsätzlich für sinnvoll, die Forschung, wie Ammoniak im Stall reduziert werden kann, breit aufzustellen", sagt der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Erste positive Ergebnisse

Das erste Training gab es schon in Dummerstorf. In eigens für Kälber errichteten Latrinen gab es fünf Versuchsdurchgänge mit jeweils acht bis zehn Tieren. 

Diese Latrinen waren mit einem durchlässigen grünen Belag versehen, der gleichzeitig als Spritzschutz fungierte. Das System setzt auf Strafe und Belohnung: Schieden die Tiere außerhalb der Latrine ihren Urin aus, wurden sie mit einer kurzen Dusche bestraft. Gingen sie dagegen in die Latrine, wurden sie für das von den Forschern gewünschte Verhalten mit Futter belohnt.

Das Ergebnis sei positiv gewesen. Zuletzt fanden 76 Prozent aller Urinationen in der Latrine statt. Nun müsse die Praxistauglichkeit getestet werden. Sollte es gelingen, die Intelligenz der Tiere für eine Einrichtung von Kuhtoiletten in der Praxis zu nutzen, würden alle profitieren: "Die Kühe, die Tierhalter und die Umwelt".

BDM-Sprecher Foldenauer ist noch vorsichtig: Ob dies praktikabel umsetzbar sei, sei für die Milchviehhalter noch fraglich. Verhalten der Tiere bei kombinierter Stall- und Weidehaltung, Dauer des Lernprozesses und Personalaufwand seien Fragen, die aus Sicht der Praktiker gestellt werden müssten. 

Mit Material von dpa

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