Mastschweine in einer Bucht
Christa Diekmann-Lenartz | am

Tierhaltung: Niedersachsen zieht an einem Strang mit EU-Regionen

Die intensive Tierhaltung Niedersachsens steht vor enormen Herausforderungen. In anderen EU-Regionen ist es genauso. Man will an einem Strang ziehen.

Nicht nur in Niedersachsen müssen sich Landwirte mit den Themen Nährstoffüberschüsse, Emissionsreduzierung, Nachhaltigkeit und Tierwohl befassen. Nicht nur in Niedersachsen steht besonders ihre Art der Tierhaltung im Mittelpunkt öffentlicher Kritik. Nicht nur in Niedersachsen fragen sich insbesondere die jungen Landwirte und Hofnachfolger, ob und wie sie ihre Betriebe weiterführen können. Die vielen großen Demonstrationen mit ihren Treckersternfahrten Anfang Oktober haben deutlich gemacht, wie viel Frust und Verunsicherung es im Berufsstand gibt.  

Beides gibt es genauso und aus den gleichen Gründen bei den Berufskollegen in den Niederlanden, im belgischen Flandern, in der Bretagne oder im spanischen Katalonien. Das sind alles Regionen mit ebenfalls hohen Viehdichten, in erster Linie mit intensiver Schweineproduktion. Was liegt also näher, als gemeinsam Ansätze für eine Weiterentwicklung der Tierhaltung mit den nötigen Anpassungen zu suchen.

Austausch über die aktuelle Situation der intensiven Tierhaltung

Die Initiative dazu hat jetzt das niedersächsische Landwirtschaftsministerium zusammen mit dem „Verbund Transformationsforschung agrar Niedersachsen“ ergriffen. Ministerin Barbara Otte-Kinast und Dr. Barbara Grabkowski, Geschäftsführerin des an der Hochschule Vechta angesiedelten Verbundes, hatten diese Woche nach Brüssel eingeladen. In der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der EU trafen sich Wissenschaftler, Berater, Verbands- und Wirtschaftsvertreter aus Niedersachsen, aus den Niederlanden, aus Belgien, Frankreich und Spanien, um sich über die aktuelle Situation in ihren Regionen mit intensiver Tierhaltung auszutauschen.  

10 Milliarden Euro Forschungsgelder für den Bereich Landwirtschaft, Ernährung und Bioökonomie

Sehr wichtiger Punkt des Treffens war, Möglichkeiten für gemeinsame, länderübergreifende Forschungsprojekte zu den genannten Themen auszuloten. Wie Ministerin Otte-Kinast informierte, steht die neue EU-Förderperiode 2021 bis 2017 derzeit in der Abstimmung. Erfreulich ist, dass die EU das Forschungsbudget für diese Förderperiode deutlich aufgestockt hat auf insgesamt 100 Mrd. Euro. 10 % davon, also 10 Mrd. Euro, sollen auf den Bereich Landwirtschaft, Ernährung und Bioökonomie entfallen. Die Teilnehmer des Brüsseler Treffens sehen für sie die Chance, jetzt gemeinsam Impulse für die Ausgestaltung der Förderung zu setzen.  

Regionen mit intensiver Tierhaltung brauchen tragfähige Zukunft

Einigkeit gab es bei den Teilnehmern des Brüsseler Treffens darüber, dass es eine Weiterentwicklung der derzeitigen Produktionssysteme geben muss, damit die Regionen mit intensiver Tierhaltung eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft haben. Die künftige Tierproduktion muss demnach ein ausreichendes Einkommen für die Betriebe sicherstellen, sie muss aber auch gesellschaftlich akzeptiert und nachhaltig sein. Dafür werden unter anderem neue Techniken, Technologien, Werkzeuge zur Effizienzsteigerung zum Einsatz kommen.

Zu den Partnern des „Verbundes Transformationsforschung agrar“ gehören unter anderem die Hochschulen Vechta und Osnabrück, die Uni Göttingen, die Tierärztliche Hochschule Hannover, die LWK, das Agrar- und Ernährungsforum Oldenburger Münsterland (AEF) sowie WWF und BUND.

Thema der Woche

  • Was ist los - auf der Agritechnica 2019?
  • Agrarpolitik: Junglandwirte - Kommunikation ist der Schlüssel
  • Pflanzenbau: Kritik an den Roten Gebieten
  • Tierhaltung: Zukunft der Intensivtierhaltung
  • Leben auf dem Land: Flechtwerk aus Wildeshausen

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