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Christa Diekmann-Lenartz | am

Tiertransporte: Im Zweifelsfall den Tierarzt anrufen

Sind meine Tiere transportfähig für die Reise zum Schlachthof? Kreisveterinär Dr. Karl-Wilhelm Paschertz sagt, was zu tun ist.

Herr Dr. Paschertz, im Jahrespressebericht Kreis Cloppenburg sind 138 Beanstandungen an Schlachthöfen genannt, mit Tieren in nicht transportfähigem Zustand.

Paschertz-Kreisveterinaer-Cloppenburg

So ist es. In 2018 wurden drei Rindertransporte und 135 Schweinetransporte an Schlachthöfen im Landkreis Cloppenburg beanstandet. 30 Fälle davon wurden als „schwerwiegende Tierschutzverstöße“ an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.

Hauptgründe in 2018 für eine Abgabe an die Staatsanwaltschaft waren hochgradige Lahmheiten, hochgradige Nabelbrüche, hochgradiges Kümmern, verbotene Amputationen sowie tierschutzwidrige Treibemethoden mit erheblichen Verletzungen der Tiere, durch die ihnen länger andauernde und erhebliche Schmerzen, Leiden und Schäden zugefügt wurden.

Mit welchen Folgen für die Verantwortlichen?

Je nach Sachverhalt wurden Anzeigen gegen Transporteur, Händler und/oder Landwirt erstattet. Die Bußgeldhöhe beläuft sich für diese Ordnungswidrigkeiten liegt je nach Schwere des Verstoßes sowie Art und Anzahl der betroffenen Tiere zwischen 80 und mehreren tausend Euro.

Was raten Sie Landwirten, damit sie „auf der sicheren Seite“ sind, was die Transportfähigkeit eines Tieres angeht?

In Zusammenarbeit mit dem Schweinegesundheitsdienst der LWK Niedersachsen und der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurde 2016 der „Leitfaden zur Bewertung der Transport- und Schlachtfähigkeit von Schlachtschweinen“ entwickelt. Er verdeutlicht anschaulich, wann ein Schwein nicht oder nicht mehr transportfähig ist. Über 16.000 Exemplare dieses Leitfadens wurden allein über den Schweinegesundheitsdienst herausgegeben.

Der Leitfaden steht auch auf der Internetseite des Landkreises Cloppenburg zum Download bereit. Jeder Schweinehalter kann sich also schulen, die Beurteilungen im Leitfaden können auf Rinder übertragen werden.

Wann sollten Landwirte einen Tierarzt heranziehen?

Sofern sich ein Landwirt bei der Beurteilung der Transportfähigkeit eines Tieres unsicher ist, sollte er diese durch seinen bestandsbetreuenden Tierarzt bewerten lassen. Wird das Tier vom Tierarzt als transportfähig beurteilt, ist es mit der Transportfähigkeitsbescheinigung zu transportieren. Diese wird vom Tierarzt ausgestellt.

Um späteren Konflikten vorzubeugen, ist das entsprechende Tier bei Ankunft am Schlachthof unverzüglich, auf jeden Fall aber vor Beginn der Abladung dem amtlichen Personal am Schlachthof zu melden und die Transportfähigkeitsbescheinigung ist auszuhändigen. Der Transport dieses Tieres sollte dabei einzeln, auf einen einem gut eingestreuten Hänger und zum nächstgelegenen Schlachthof erfolgen.

Wird durch den bestandsbetreuenden Tierarzt die Transportunfähigkeit festgestellt, kann das Tier nicht transportiert werden. Es muss tierärztlich versorgt oder  – sofern ein vernünftiger Grund vorliegt – notgetötet werden. Für frisch verletzte transportunfähige Tiere besteht zudem die Möglichkeit der Notschlachtung.

Die Tatsache, dass der Landkreis Cloppenburg mit mehr als 10 Mio. Schweineschlachtungen in Niedersachsen an Platz 1 liegt, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in keinster Weise akzeptabel ist, wenn nicht transportfähige Tiere am Schlachthof angeliefert werden. Dies schadet der gesamten Branche.

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