Saugende-Ferkel

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Meinung | Enno Garbade, Vorsitzender des „Arbeitskreis Sauenhaltung“ beim Landvolk Niedersachsen | am

Tierwohl muss in Deutschland realisierbar sein

Es wird eng für Deutschlands Sauenhalterinnen und Sauenhalter! Für das Deckzentrum müssen sie schon spätestens in zwei Jahren Betriebs- und Umbaukonzepte vorlegen. Aber seit nun zwei Jahren versuchen sie, ihre massiven Verluste infolge Corona, Schweinepest und jüngst Ukraine-Krieg zu kompensieren. Ein Kommentar.

Vielen Sauenhaltern geht mittlerweile die Luft aus, sie fahren ihre Betriebe vor die Wand. Sauenhalter warten dringendst auf Perspektiven, die sie zum Weitermachen ermutigen. Wenn der Tierwohlgedanke wirklich obenan steht, kann eine weitere Verlagerung der Erzeugung ins Ausland nicht gewollt sein. Es kommen schon heute nur noch drei Viertel der Ferkel, die hier eingestallt werden, aus Deutschland.
Der neue Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat die Vorschläge des Kompetenznetzwerkes um Jochen Borchert wieder aufgegriffen. Das ist gut so! Seine Vorgängerin ist über Absichtsbekundungen zur Weiterentwicklung der Tierhaltung kaum hinausgekommen. Das sehr öffentlichkeitswirksam präsentierte 300-Mio.-Euro-Förderprogramm für die Sauenhaltung konnte zum Beispiel nur zu 10 % abgerufen werden! Und das lag nicht an mangelndem Interesse bei den Sauenhaltern, sondern an völlig realitätsfremden Förderbedingungen.    

 

Gefahr, dass ITW-Betriebe zum gesetzlichen Standard zurückkehren

Die neue Regierung ist dringendst gefordert, ein Gesamtpaket mit Haltungs- und Herkunftskennzeichnung, Finanzierung der Tierwohlmaßnahmen auf den Betrieben und Anpassung des Bau- und Immissionsschutzrechts vorzulegen. Das Gesamtpaket muss in der breiten Praxis realisiert werden können!
Ein zentraler Punkt dabei ist, dass bei der Haltungskennzeichnung eine Stufe „Stallhaltung plus“ ausgewiesen wird. Sie sollte ohne Außenklima durch genehmigungsfreie Umbauten im bestehenden Stall möglich sein, anerkannt und gefördert werden. Nur so würden die vielen Betriebe, die sich im Rahmen der Initiative Tierwohl (ITW) schon heute für Tierwohl engagieren, gewürdigt. Zudem könnten vorhandene Standorte und Ställe nachhaltig weitergenutzt werden. Das bedeutet Ressourcenschonung und keine weiteren Flächenversiegelungen, Aspekte, für die Özdemirs Partei sich ansonsten stark macht.
Bei Nichtausweisung von „Stallhaltung plus“ besteht die Gefahr, dass die ITW-Betriebe wieder zum gesetzlichen Standard zurückkehren. Mehr Tierwohl würde damit nicht erreicht.

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Herkunftskennzeichung für Fleischprodukte nötig

Neben der Haltungskennzeichnung muss auch die Herkunftskennzeichnung endlich verpflichtend für Fleisch- und für Verarbeitungsprodukte eingeführt werden. Sie muss eine 5 x D Kennzeichnung ermöglichen bzw. voraussetzen und damit die Sauenhaltung in Deutschland stützen.
Hilfsweise wären die drohenden Fristen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung anzupassen. Unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen sind größere Investitionen für die Sauenhalter nicht zu stemmen.

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