Schweine mit Seil im Stall, Tierwohl
Laura Schneider | am

Tierwohl: Landwirte müssen zeigen, was sie tun

Tierwohl steigern ist eine weit verbreitete Forderung. Doch die Bereitschaft, dafür auch mehr zu zahlen, fehlt oft. Bei einer Veranstaltung der EuroTier diskutierten Experten darüber, wie sich mehr Tierwohl finanzieren lässt.

Laut Dr. Albert Hortmann-Scholten von der LWK Niedersachsen haben Verbraucher und Praktiker oft unterschiedliche Vorstellungen von Tierwohl, was Konflikte verursache. Oft seien Verbraucherwünsche nicht im Sinne des Verbraucherschutzes. So erhöhe der beliebte Außenklimazugang das Tierseuchenrisiko. "Hier ist es an uns Fachleuten, zu kommunizieren, warum wir etwas tun, zum Beispiel Ställe einzäunen", so der Experte bei einer Veranstaltung des Netzwerk Fokus Tierwohl im Februar bei der EuroTier.

Tierwohl kommunizieren

Generell sieht Hortmann-Scholten in der Kommunikation eine Chance: "Wir brauchen Lösungen, bei denen der Landwirt sein Handeln den Konsumenten erklären kann." Nicht zuletzt der Solidaritätszuschlag, den Lidl kürzlich wieder gestrichen hat, verdeutliche die Schwierigkeiten dabei, Tierwohl-Qualität an der Theke umzusetzen.

"Tierwohlfleisch schmeckt nicht anders oder besser. Man muss dem Metzger vertrauen und glauben, dass er die höhere Prozessqualität einhält. Das ist nicht objektiv nachweisbar, sondern muss glaubwürdig kommuniziert werden. Und der glaubwürdigste Kommunikator dafür, dass es Tieren gut geht, ist der Landwirt."

Handel und Landwirte müssen an einen Tisch

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Harm Böckmann von der Firma Brand Qualitätsfleisch in Lohne (Oldenburg) glaubt inzwischen weniger an eine große politische Lösung als an viele kleine Schritte, mit denen die Landwirte Vertrauen schaffen. Sie würden bereits viele Themen nach außen transportieren, zum Beispiel über soziale Medien. Seinen Erfahrungen nach sei vielen Landwirten nicht bewusst, wie groß das Unwissen bei Verbrauchern, aber auch manchen Vermarktern ist. "Wenn man Vermarkter, Landwirte und Verbraucher gemeinsam an einen Tisch setzt, kann man schnell Vertrauen schaffen", ist er überzeugt.

Klare Kennzeichnung

Frank Waskow, Referent bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, sieht die Politik in der Pflicht. Für ihn führt kein Weg an einer transparenten Kennzeichnung vorbei. Der Markt sei groß mit einer Vielzahl an Produkten. Nachvollziehbarkeit und Vertrauen würden fehlen. "Es kann nicht sein, dass Verbraucher wissenschaftliche Expertise brauchen, um sich für ein Produkt zu entscheiden."

Transparenz schaffen

Wie genau mehr Tierwohl in Zukunft honoriert wird, bleibt offen. Ein klares Ergebnis der Diskussion war aber die Bestätigung der Landwirte darin, zu zeigen, was sie tun und wie, um Transparenz zu schaffen und Vorbehalte abzubauen.

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