Tönnies- Schließung in Rheda-Wiedenbrück, Corona
Christa Diekmann-Lenartz | am

Tönnies-Schließung: Was bedeutet das für den Schweinemarkt?

Marktexperte Dr. Albert Hortmann-Scholten schätzt ein, welche Auswirkungen die vorübergehende Schließung des Schlachthofs Tönnies auf den Schweinemarkt haben könnte.

Nachdem an Deutschlands größtem Schlachthof der Fa. Tönnies in Rheda-Wiedenbrück knapp 800 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden waren, wurde eine vorübergehende Schließung beschlossen. Sukzessive sollen auch weitere Bereiche am Standort heruntergefahren werden. Wie lange der Produktionsbereich geschlossen bleibt, entscheiden die Behörden „lageorientiert“. Insider gehen jedoch von mindestens 10 bis 14 Tagen aus.

Wir sprachen mit Dr. Albert Hortmann-Scholten, Marktexperte der LWK Niedersachsen, über die Auswirkungen der jetzigen Schließung in Rheda-Wiedenbrück. Laut Information von Dr. Hortmann-Scholten liegt die aktuelle Schlachtkapazität bei 20.000 Schweinen am Tag. Diese müssen nun umdisponiert werden.

Kaum "Überhänge" vorhanden

Zur Tönnies-Gruppe gehören auch die beiden Schlachthöfe in Sögel (Weidemark), Landkreis Emsland, und Weißenfels, Sachsen-Anhalt. Innerhalb des Unternehmens ist laut Dr. Hortmann-Scholten eine Verschiebung von 6.000 bis 7.000 Schweinen/Tag nach Weißenfels und die gleiche Menge noch einmal nach Sögel angedacht. Für den Schlachthof Weidemark in Sögel sei bereits ein Antrag auf eine vorübergehende Kapazitätserhöhung gestellt worden.

In dieser Situation müsse man sagen „zum Glück“, so Hortmann-Scholten, habe sich in den vergangenen Tagen eine Entspannung der Angebotssituation ergeben. Die Schlachtgewichte sind europaweit gesunken. Überhänge auch in den Nachbarländern, die feiertagsbedingt entstanden waren, sind abgebaut worden. Mit Blick auf die nächsten Wochen ist mit einem unterdurchschnittlichen Schlachtschweineangebot zu rechnen.

Keine panikartigen Verkäufe von Schweinen

Aktuell können die zur Schlachtung in Rheda-Wiedenbrück angedachten Tiere durch den Viehhandel und die Genossenschaften umdisponiert werden. Der Marktexperte riet Schweinemästern dringend, jetzt nicht in den angespannten Markt zusätzlich panikartig Schweine zu verkaufen.

Ein wünschenswertes Signal in diese Richtung könnte sein, dass die Maskengrenzen nach oben geöffnet würden, sprich, Mäster auch schwerere Schweine ohne Einbußen abliefern könnten.

Schlachtsauenmarkt indirekt betroffen

Neben den eventuell knapp werdenden Schlachtkapazitäten sieht Dr. Hortmann-Scholten auch das Problem in den fehlenden Schlacht- und Zerlegekolonnen. Sie werden eine Ausdehnung der Schlachtmengen an anderen Standorten nur begrenzt möglich machen. Indirekt ist nach seiner Einschätzung auch der Schlachtsauenmarkt betroffen, da auch Schlachtsauen momentan nur eingeschränkt vermarktbar sind.

Nicht nur er hofft, dass die Branche von weiteren Schlachthof-Schließungen verschont bleibt. Träfe es einen weiteren der großen Schlachtbetriebe, könnte es mit der Vermarktung hierzulande eng werden.

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