Tönnies Fabrikgebäude
Christel Grommel | am

Tönnies und Westfleisch wollen Werkverträge abschaffen

Bei Tönnies und Westfleisch will man bis Ende des Jahres Werkverträge abschaffen. Westfleisch legte dazu einen 10-Punkte-Plan vor.

Das Unternehmen Tönnies kündigte an, Werkverträge "in allen Kernbereichen der Fleischgewinnung" bis Ende 2020 abschaffen zu wollen. Die Mitarbeiter mit Werkverträgen sollen in der Tönnies-Unternehmensgruppe angestellt werden, teilte das Unternehmen mit. Zudem solle eine digitale Zeiterfassung an allen deutschen Standorten eingeführt werden.

Tönnies reagierte damit auf die scharfe Kritik an dem System mit Werkverträgen. Nach den massenhaften Corona-Infektionen in der Fleischfabrik in Gütersloh will Tönnies nach eigenen Angaben für ausreichenden und angemessenen Wohnraum für die Beschäftigten schaffen. 

"Wir wollen auch in Zukunft in Deutschland Fleisch produzieren. Dafür brauchen wir die gesellschaftliche Akzeptanz", sagt Clemens Tönnies als Mitinhaber. "Dies gilt über alle Ketten der Fleischproduktion und schließt ausdrücklich die Landwirtschaft mit ein."

Auch Westfleisch und Wiesenhof verzichten auf Werkverträge

Deutschlands zweitgrößter Schlachtbetrieb Westfleisch will ebenfalls bis Ende des Jahres Werkverträge abschaffen und alle Mitarbeiter selbst einstellen. "Das gilt unabhängig davon, was der Gesetzgeber in den kommenden Monaten in dieser Hinsicht beschließen wird", erklärte Vorstandsmitglied Johannes Steinhoff.

Anfang Mai hatte das Westfleisch-Werk in Coesfeld vorübergehend schließen müssen. Auch dort hatte sich eine große Zahl von Werksarbeitern infiziert. Außerdem wurden auch in einem Werk einer Westfleisch-Tochter in Dissen bei Osnabrück Arbeiter positiv getestet.

Westfleisch stellte dazu ein "10-Punkte-Zukunftsprogramm" vor. Im Fokus sollte laut Pressemitteilung "ein Mehr an Verantwortung für Tier, Mensch und Gesellschaft" stehen. Man wolle eine "elementare Wende" herbeiführen. Wichtige Punkte sind dabei die Abschaffung von Werkverträgen, flächendeckende Einführung der digitalen Zeiterfassung, angemessene Wohnsituationen für Mitarbeiter, ein überarbeitetes Hygienekonzept, Stärkung der regionalen Landwirtschaft sowie eine klare Nachhaltigkeitsstrategie.

Auch die PHW-Gruppe, bekannt durch die Marke Wiesenhof, wird ihre über Werkverträge beschäftigten Mitarbeiter in den für die Geflügelfleischerzeugung maßgeblichen Bereichen in ein festes Anstellungsverhältnis übernehmen. Rund 20 Prozent der Mitarbeiter sind über ein Werkvertragsunternehmen beschäftigt.

Mit Material von dpa und Pressestelle Westfleisch

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