Tierwohl: Schweine im Stall
Christa Diekmann-Lenartz | am

Umsetzung und Förderung bei der Nutztierhaltungsverordnung

Die Ausführungshinweise zur Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung bedeuten viel Anpassungsbedarf in den Sauenbetrieben. Wir sprachen mit zwei Beratern der LWK Niedersachsen über Umsetzung und Förderung.

Über die Ausführungshinweise ist im Vorfeld viel diskutiert und spekuliert worden. Gab es für Sie noch Überraschungen?

Ja, auf jeden Fall! Da ist zum einen die enorme Größe der Ferkelnester, die gefordert wird. Die Formel besagt etwa bei 14 Ferkeln und 7,5 kg Absetzgewicht 1,75 m² Nest! Zum anderen ist es die Pflicht zu Nestbaumaterial, für bestehende Ställe reichen Jutesäcke. Nach Um- und Neubauten muss es "geeignetes Material" sein, sprich Stroh oder Heu. Da ist das Güllesystem dann ganz anders zu planen.

Sind noch Fragen offen in den Ausführungshinweisen?

Ja! Zum Beispiel ist bei den großen Ferkelnestern eine Wärmedämmung für den gesamten Bereich gefordert. Aber ältere Ferkel müssen auch die Möglichkeit haben, sich abzukühlen, Wärme abzuleiten. Wie soll das gehen? Uns fehlen zudem Hinweise zum Arbeitsschutz. Wie ist der bei rauschenden Sauen zu gewährleisten? Wie sollen die Ferkelerzeuger und Ferkelerzeugerinnen umgehen mit bissigen Sauen? Gelten diese auch als "gruppenuntaugliche" Sauen, für die Extraplatz einzurichten ist?

Am ersten Förderprogramm des Bundes zum Umbau der Tierhaltung, für das bis zum 15. März eine Baugenehmigung vorzulegen war, gab es viel Kritik, wie beurteilen Sie es?

Die Vergabekriterien für das Förderprogramm erfordern enorme Investitionen, das ist Tatsache. Aber die Kriterien sind nicht das Problem – wenn man sie rechtzeitig kennt. Es kann nicht sein, dass noch kurz vor Ablauf der Frist einige neue Kriterien in FAQ´s und einer Checkliste veröffentlicht werden, von denen vorher niemand wusste. Sie können nicht nachträglich in einem bereits gestellten Bauantrag noch wieder Sachen ändern. Das Problem bei dem Förderprogramm ist auch generell die kurze Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung der Richtlinie im Bundesanzeiger im Herbst 2020 und Abgabetermin des Antrags zum 15. März 2021.

Sie haben noch für sieben Ihrer Betriebe diese Baugenehmigungen bekommen, die Förderung ist beantragt. Wie lief das ab?

Das war alles sehr knapp! Am Montag, den 15. März 2021 haben wir mittags tatsächlich noch zwei Baugenehmigungen bekommen und die Förderanträge konnten gestellt werden. Hier gab es ein hervorragendes Zusammenspiel zwischen allen Beteiligten einschließlich des Landkreises Osnabrück. Das war sehr positiv, auch wenn die Zusage der Förderung noch nicht da ist. Wir hoffen aber natürlich, dass die sieben Betriebe auch einen positiven Förderbescheid bekommen.

Geholfen hat uns sicher bei den Verfahren, dass wir viel Erfahrung in Sachen Bau- und Förderanträge haben. Es muss zu jedem Antrag auch ein Investitionskonzept erstellt werden. Wirtschaftlich ist alles sehr eng gestrickt. Man braucht Ferkelgrundpreise von mindestens 50 €, damit sich das Ganze überhaupt rechnet. Von einer Top-Wirtschaftlichkeit ist man da noch weit entfernt.

Es soll noch eine neue Förderperiode geben, wird sie mehr genutzt werden?

Das bleibt abzuwarten. Wir sehen verschiedene Gruppen von Sauenhaltern. Die eine Gruppe macht schon jetzt Pläne und stellt Bauanträge, unabhängig davon, ob es in ein paar Jahren noch wieder weitere neue Anforderungen geben wird. Dann gibt es die Sauenhalter, die erst einmal abwarten, wie es mit dem staatlichen Tierwohllabel, der Umsetzung der Borchert-Vorschläge etc. weitergeht. Diese Betriebe überlegen ggf. zumindest ein Konzept für den Deckbereich. Aber es gibt auch viele Betriebe, die die Sauenhaltung werden auslaufen lassen, die nur so lange weitermachen, bis die ersten Fristen kommen.

Es bleibt abzuwarten, wie viele Betriebe noch umbauen wollen mit einer Förderung. Die Zeitschiene ist entscheidend. Eine Veröffentlichung im Bundesanzeiger zu den neuen Abgabefristen und der Fertigstellung des neuen Stalles muss dann passen. Denn auch eine Verzögerung der Bauzeit, etwa durch lange Lieferzeiten und hohe Kosten bei den Baustoffen führt dazu, dass die die Betriebe keinen Antrag stellen.

Wie nehmen Sie die Stimmung bei den Sauenhaltern wahr?

Die Nerven bei den Sauenhaltern liegen immer noch blank, die Stimmung ist schlecht wegen der extrem niedrigen Preise der letzten Monate. Die Bereitschaft, umzubauen, ist da, aber noch gering. Grund ist, dass die Ferkelerzeuger immer noch nicht wissen, was in Zukunft zusätzlich kommen wird, Stichwort Borchert-Kommission/staatliches Tierwohl-Label. Was auch die sieben Bauvorhaben, die wir jetzt in Arbeit hatten, gezeigt haben, ist, dass man die Umbauten nicht ohne Förderung stemmen kann. Das rechnet sich nicht.

Die Entscheidung, aufzuhören oder weiterzumachen, bleibt letztlich das unternehmerische Risiko.

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