Der dänische Schlachtkonzern will keine Schweine aus den drei von der ASP betroffenen Bundesländern schlachten. Kritik von der ISN
Ellen Hartmann | am

Update: Danish Crown äußert sich zu angeblicher Liefersperre

Das dänische Schlachtunternehmen Danish Crown möchte keine Schweine aus den drei von der Afrikanischen Schweinepest (ASP) betroffenen Bundesländern schlachten. Dieses Vorgehen macht die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V. (ISN) wütend.

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Von Danish Crown heißt es gegenüber der ISN nun, dass es doch keine pauschale Liefersperre für Schweinehalter aus den drei von ASP betroffenen Bundesländern geben werde. Vom dänischen Schlachtunternehmen heißt es weiter, dass es ein unternehmensinternes Kommunikationsproblem gegeben habe. Dies hätte zu Irritationen geführt. In einer E-Mail an die ISN stellt das Unternehmen den Sachverhalt wie folgt dar: 

"Basierend auf den Anforderungen einiger Drittländer, die einen Ausschluss von Mastschweinen (teilweise auch der Ferkelgeburt) aus Restriktionsgebieten und z.T. auch Pufferzonen fordern und ggfs. zukünftiger Regionalisierungs-Möglichkeiten wird bei Anmeldungen im Rahmen der Zusatzerklärung/ Lebensmittelketteninformationen die Herkunft der Tiere in Form von Bundesländern abgefragt (Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern bzw. die anderen 13 Bundesländer). Dies dient letztendlich nur als Abfrage, um bei späteren Regionalisierungs- und somit Ausfuhrmöglichkeiten bereits eine Datengrundlage für etwaige Exporte von Produktionschargen zu ermöglichen."

Die Richtigstellung von Danish Crown

Weiter heißt es von Danish Crown: "Basierend auf den Anforderungen einiger Drittländer müssen teilweise, wie beschrieben, auch Schweine aus Pufferzonen für den Export ausgeschlossen werden, obwohl diese in Deutschland keinen amtlichen Maßnahmen/ Restriktionen unterliegen. In den vergangenen Monaten gab es dahingehend keine negativen Rückmeldungen unserer Lieferanten. Mit Auftreten der ASP in MV wurde unser Lebendvieheinkauf jedoch hierzu kontaktiert, sodass mittlerweile hausintern entschieden wurde, dass auch Schlachtungen von Schweinen aus Pufferzonen im Rahmen betrieblicher Separier- und Rückverfolgbarkeitsverfahren ermöglicht werden und somit auch der Ferkelbezug unserer Lieferanten aus Pufferzonen möglich ist."

"Es ist gut, dass DC so schnell auf unsere Kritik reagiert und den Sachverhalt richtiggestellt hat!", heißt es von der ISN. "Und es ist erfreulich, dass das Schlachtunternehmen bzgl. der ursprünglichen Ankündigung nun doch nicht Schweinehalter aus ganzen Bundesländern für die Lieferung von Schlachtschweinen sperrt! Nun hat DC sogar angekündigt, auch wieder Schweine aus ASP-Pufferzonen anzunehmen."

Danish Crown will keine Schweine aus ASP-Bundesländern schlachten

"Diese pauschale Lieferantensperre für ganze Bundesländer ist eine Frechheit und fatales Signal", heißt es von der ISN. "Eine pauschale Diskriminierung auf Grund der bloßen Herkunft eines Betriebes muss sofort zurückgenommen werden – Dafür bekommt DC die rote Karte!" 

Danish Crown schlachtet keine Schweine aus ASP-Bundesländern

Am Dienstag (16. November) hatte Danish Crown in einem Schreiben seine Lieferantinnen und Lieferanten darüber informiert, ab sofort keine Schweine aus Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern mehr schlachten zu wollen. Das dänische Schlachtunternehmen hat in Niedersachsen in Essen/Oldenburg im Landkreis Oldenburg einen Standort. Weiter verweist der Konzern in seinem Schreiben auf die jüngsten Ausbrüche der ASP in Mecklenburg-Vorpommern. 

Kritik von der ISN

Derzeit sind vor allem Sachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern von der Tierseuche betroffen, die vor allem bei Wildschweinen auftritt. "Obwohl in diesen Bundesländern begrenzte Restriktionsgebiete eingerichtet sind, in denen es entsprechend strenge Auflagen für den Tierverkehr gibt, die einzuhalten sind und kontrolliert werden, sperrt DC pauschal alle Schweinehalter des Landes als Lieferanten", kritisiert die ISN. "Dabei bleibt durch DC (Anmerk. d. Red.: Danish Crown) scheinbar völlig unbeachtet, dass in den weit überwiegenden Landesteilen keinerlei Vermarktungseinschränkungen vorgegeben sind." 

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Andere Schlachtbetriebe setzen nicht auf Lieferbeschränkungen

Laut der ISN habe man bei den Top-3-Schlachtbetrieben nachgefragt, wie diese mit der Situation umgehen würden. Dabei habe man, nach eigener Aussage, festgestellt, dass diese anders als Danish Crown "im Sinne der Schweinehalter" um Lösungen bemüht seien und "eben nicht auf pauschale Lieferbeschränkungen setzen" würden. Auch das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern teilte gestern (17. November) mit, dass die Betriebe Vion in Perleberg (Brandenburg) und von Tönnies in Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Kellinghusen (Schleswig-Holstein) zugesagt hätten, Schweine aus Mecklenburg-Vorpommern auch ohne Abzüge anzunehmen. Die Tiere dürfen jedoch nicht aus den Beständen der eingerichteten Sperrzone kommen. Auch Westfleisch habe der ISN gegenüber ausgesagt, dass es keine pauschalen Lieferantensperren geben werde. 

ISN sprachlos über Vorgehen von Danish Crown

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter zeigt sich sprachlos aufgrund des Vorgehens des Schlachtkonzerns. "Auch wenn so oder so vielleicht nicht allzu viele Schweine aus den drei Bundesländern am DC-Standort in Essen/Oldenburg geschlachtet werden, so ist gerade deshalb diese pauschale Abnahmeverweigerung ein fatales Signal und ein Faustschlag in das Gesicht aller Schweinehalter", erklärt ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. "DC stellt damit auch seine eigenen hoch gesteckten Nachhaltigkeitsziele aufs Abstellgleis. Für das Vorgehen von DC gibt es keine fachliche Rechtfertigung." Weiter schimpft Staack: "Im Gegenteil, diese Frechheit darf nicht durchkommen und erst recht nicht Schule machen. So werden die Schweinehalter aus ganzen Bundesländern pauschal ausgeblutet, obwohl ihre Schweine vollkommen in Ordnung sind und in weiten Gebieten von keinen ASP-Restriktionen betroffen sind. Genau vor so einer Stigmatisierung haben wir gewarnt. Im Klartext: Danish Crown diskriminiert schweinehaltende Betriebe aufgrund ihrer bloßen Herkunft!"

"Danish Crown diskriminiert schweinehaltende Betriebe"

 

"Danish Crown muss diese pauschale Lieferantensperre zurückzunehmen und ihr diskriminierendes Verhalten unverzüglich einstellen", fordert der ISN-Geschäftsführer. "Wir fordern aber insbesondere auch die Lebensmitteleinzelhändler wie Aldi, Lidl, Edeka, Rewe usw. sowie die weiteren Fleischabnehmer auf, nun die oft gepriesene partnerschaftliche Zusammenarbeit in der Kette zu beweisen und dem Schlachtunternehmen DC für sein verantwortungsloses Handeln die rote Karte zu zeigen. Und auch die Politik und jeder einzelne Schweinehalter ist nun gefragt, dem Unternehmen Danish Crown ordentlich den Marsch zu blasen. So geht es nicht!"

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