Schweine_Futter

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Meinung | Leonie Jost | am

Eine Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland bringt nichts

Eine mögliche Verlagerung ins Ausland ist das stärkste Argument, das für den Erhalt der Tierhaltung in Deutschland spricht.

Liebe Landwirtinnen und Landwirte, es gibt sie: Gründe für eine Reduktion der Tierzahlen in Deutschland und dafür, weniger Eier, Milch und Fleisch zu konsumieren. Dazu gehören unter anderem der Klima- und Umweltschutz sowie das Tierwohl. Auch die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in puncto Fleischkonsum werden in Deutschland – trotz sinkender Tendenz – noch immer überschritten. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat also zunächst starke Argumente hinter sich, falls er tatsächlich vorhat, die Anzahl der hier gehaltenen Tiere zu reduzieren.

Borchert-Kommission kritisiert Özdemirs Pläne

Doch es gibt viele Stimmen, die das anders sehen. Darunter auch die Borchert-Kommission, die in einer Stellungnahme Özdemirs Pläne zum Umbau der Nutztierhaltung deutlich kritisiert und vor einer Verlagerung ins Ausland warnt.

Und genau dieser Punkt ist meines Erachtens das stärkste Argument, das dringend für den Erhalt der Tierhaltung in Deutschland spricht. Denn jenseits aller Wünsche, den Konsum tierischer Produkte deutlich zu reduzieren, hat jeder Mensch in Deutschland im Jahr 2021 rechnerisch 55 kg Fleisch gegessen und knapp 48 kg Milchprodukte und 238 Eier verzehrt.

Aber selbst wenn wir die Anzahl der hierzulande gehaltenen Kühe, Schweine und Hühner deutlich reduzieren würden, wären Fleisch, Milch und Eier weiterhin verfügbar – in Form von Importware.

Cem Özdemir im Bundestag

Verlagerung vergrößert den Klimafußabdruck nur

Die negativen Folgen der intensiven Tierhaltung nun ins Ausland zu verlagern, wäre aber heuchlerisch und würde den vielbesprochenen Klimafußabdruck von Fleisch, Milch und Eiern aller Voraussicht nach vergrößern. Wegen der langen Transportwege und durch die in vielen Ländern geringere landwirtschaftliche Effizienz. Doch nicht nur das. Vor allem der erhofften Verbesserung des Tierwohls würden wir damit einen Bärendienst erweisen – liegen doch die Haltungsbedingungen im Ausland, auch in vielen EU-Ländern, meist deutlich unter denen deutscher Standards.

Im Entwurf der jüngst veröffentlichten Borchert-Empfehlungen stand ein Satz, der leider aus der finalen Fassung entfernt wurde: „Die landwirtschaftliche Tierhaltung in Deutschland sollte ungefähr im Gleichschritt mit der Verbrauchsentwicklung zurückgehen.“

Nicht weniger produzieren, als wir verbrauchen

Das klingt nach einem soliden Plan: Wir koppeln die Produktion an den Verbrauch. Ob wir mehr produzieren sollten, als wir verbrauchen, darüber lässt sich sicherlich streiten – unter anderem im Hinblick auf die gesellschaftliche Akzeptanz. Aber weniger? Auf keinen Fall. Es sollte keine politische Partei sein, die bestimmt, wie viele Tiere auf landwirtschaftlichen Betrieben gehalten werden, sondern stattdessen die knapp 97 Prozent der Menschen in Deutschland, die tierische Produkte nachfragen und konsumieren. Genau daran sollten wir uns orientieren – an der Realität.

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