Tote Kohlmeise vor einem Fenster

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Christine Mall | am

Vögel fliegen gegen Fenster – was tun?

Wie vermeidet man, dass Vögel gegen Fensterscheiben fliegen? Hier unsere Tipps.

Nach einer aktuellen Schätzung von Fachleuten sterben allein in Deutschland jedes Jahr 100 Millionen Vögel durch Kollision mit Glas. Betroffen sind alle Arten, ob Dompfaff, Meisen, Amseln und sogar Greifvögel und Störche. Die Ursachen dafür sind menschengemacht und wären mit einer umsichtigen Planung und Gestaltung bereits im Vorfeld vermeidbar. Für vorhandene problematische Glasscheiben gibt es zahlreiche dekorative und dezente Muster, die bei richtiger Anwendung von Vögeln gut wahrgenommen werden.

Warum fliegen Vögel gegen Glas?

Aus diesen Gründen werden Glasscheiben zur Gefahr für Vögel:

  1. Durchsicht: Beim Problem der Durchsicht wird ein scheinbar freier Flugweg durch eine Glasscheibe blockiert. Die Scheiben sind ein unsichtbares Hindernis, da es kein UV-Licht reflektiert. Besonders gefährlich sind frisch geputzte Scheiben. Staub und Schmutz dagegen nehmen dem Glas die Transparenz.
  2. Spiegelung: Gerade in einer naturnahen Umgebung werden Bäume und Sträucher in den Scheiben gespiegelt und gaukeln eine nicht vorhandene Natur vor, die zur tödlichen Falle wird.
  3. Beleuchtung: Nachts ziehende Vögel fliegen in verglaste Fronten von hohen Gebäuden, die von innen beleuchtet werden.

Beim Vogelschlag am Glas fliegen Vögel mit hoher Geschwindigkeit gegen die unsichtbaren Widerstände und ziehen sich bei dem Aufprall meist innere Verletzungen zu. Oft fliegen sie zunächst weiter oder flattern herum und verstecken sich. Letztendlich verenden die meisten infolge von Genickbruch oder einer Gehirnblutung.

Das sind die Gefahrenzonen für Vögel

  • Große Fensterscheiben
  • Getönte Scheiben
  • Eine Verglasung über Eck
  • Balkongeländer aus Glas
  • Lärm- und Windschutzwände aus Glas
  • Verglaste Wartehäuschen
  • Wintergärten
  • Gewächshäuser
  • Brückengeländer aus Glas
  • Verglaste Bürogebäude, Schulen, Hochhäuser
  • Spiegelnde Fassaden

Je attraktiver ein Ort ist, desto größer ist die Kollisionsgefahr für Vögel. Deshalb sollten ungeschützte Glasflächen in einer Umgebung mit Bäumen und Büschen dringend vermieden werden. Eine große Gefahr stellt auch ein üppiger Pflanzenwuchs hinter den Glasfronten von Wintergärten dar.

Saatgut-Blumen-Wildblumen-Hand-Garten.jpg

Greifvogel-Aufkleber sind wirkungslos

Greifvogel- Silhouetten an den Scheiben schrecken die Vögel nicht ab, denn sie nehmen sie nicht als Feinde wahr, sondern allenfalls als schwarze Flecken, an denen sie versuchen, vorbeizufliegen. Davon zeugen zahlreiche Aufprallspuren, unmittelbar neben den Aufklebern. Versuche zeigten, dass die Vögel erst reagieren, wenn sich die Silhouette bewegt. Doch es gibt Wege, Glasscheiben vogelsicher zu machen.

Das ist der beste Schutz gegen Vogelschlag

Sichtbare Markierungen und Muster auf den Glasscheiben, die per Siebdruck oder Folie angebracht werden, sind der beste Schutz gegen Vogelschlag am Fenster. Damit die Spiegelung gebrochen wird, müssen sie von außen angebracht werden. Zu diesem Ergebnis kommen Experten der Wiener Umweltanwaltschaft, die auf diesem Gebiet bereits seit über 20 Jahren forschen. Danach erweisen sich kontrastreiche Punkt- und Gittermuster sowie Streifen als wirkungsvoll. Die Streifen können horizontal oder vertikal angebracht werden. Unter den Farben wird Orange besonders gut wahrgenommen.

Bewährte Muster für Vogelschutz an Fensterscheiben

Bird Tape, Folien und Aufkleber

Eine kostengünstige Möglichkeit besteht darin, Klebestreifen an den Glasscheiben anzubringen. Mit Hilfe einer Holzlatte können diese gleichmäßig abgerollt werden. Es ist wichtig, Streifen und Folien außen auf der Anflugseite zu montieren, damit die Spiegelung gebrochen wird.

Im Handel gibt es ein vielfältiges Angebot von Klebestreifen sowie attraktiven Sichtschutzfolien, zum Beispiel Bird Tape. 

Weitere Möglichkeiten, um Vögel zu schützen

  • Alternativen zu Glas: Verwenden Sie geripptes, mattiertes oder bedrucktes Glas, zum Beispiel Milchglas.
  • Innen: Gardinen, Innenrollos und Bilder am Fenster verhindern und vermindern die Transparenz der Scheiben, aber leider nicht die Spiegelung!
  • Außen: Spiegelungen können Sie vermeiden mit außen angebrachten Rollos, Jalousien aus Metall- oder Holzlamellen.
  • Bewährt haben sich auch Fliegengitter, Windspiele und Nylon-Schnüre.
  • Streifen und andere Motive selber aufmalen mit Fensterfarben oder Dekorspray.
  • Auf Fensterputzen öfter mal verzichten! 

Gefahrenzonen entschärfen

  • Lärmschutzwände aus Glas stellen ein großes Gefahrenpotial dar und sollen unbedingt von beiden Seiten markiert und gesichert werden.
  • Begrünung: Bäume und Sträucher in der Nähe von Glas- und Fensterfronten vermeiden, da diese sich spiegeln und hier die meisten Kollisionen stattfinden. Durch eine unmittelbare Bepflanzung dagegen können Gefahrenzonen entschärft werden:
  • Glasscheiben abschotten: Hoch gewachsene Sträucher, Topfgewäche oder kleine Bäume unmittelbar gesetzt, z.B. vor einem Wintergarten bilden eine natürliche Barriere.
  • Nistkästen und Futterhäuser sollen wegen der Gefahr der Spiegelung mit einem ausreichenden Abstand zu ungesicherten Fenster- und Glasscheiben aufgehängt werden.
  • Getöntes Glas sollte man dringend vermeiden, das sich darin die Umgebung besonders gut spiegelt.

Wer ein Haus baut, kann die Problematik bereits in der Planungsphase berücksichtigen und sich Rat, u.a. bei Naturschutzverbänden (LBV, NABU) holen. Es gibt heutzutage sehr schicke Konstruktionen z.B. für Windfänge und Windschutz mit mattierten oder geriffelten Scheiben, die unproblematisch sind.

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