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Bernd Lührmann | am

Die Vorteile von Sensorsystemen im Milchviehstall nutzen

Sensorsysteme versorgen Milchviehhalter mit einer Vielzahl an Daten. Richtig genutzt kann sich die Investition schnell rechnen.

Sensorsysteme stellen voraussichtlich mittelfristig einen weiteren Schritt zur weitgehend autonomen Milcherzeugung dar. Schon heute kommt ihnen eine Schlüsselrolle zu – auch vor dem Hintergrund der Debatte um mehr Tierwohl und weniger Arzneimitteleinsatz.

Sie stellen Tierhaltern vielfältige tierindividuelle Parameter in Echtzeit zur Verfügung. Wenn man diese konsequent analysiert, erlauben sie verschiedenste Rückschlüsse zu Gesundheit und Wohlbefinden der Kühe sowie weiteren produktionstechnisch wichtigen Aspekten.

Anschaffungs- und Betriebskosten ermitteln

Um die Wirtschaftlichkeit eines Sensorsystems zu beurteilen, sind die Anschaffungs- und Betriebskosten zu ermitteln. Sie setzen sich aus zwei Komponenten zusammen:

  • Kaufpreis für die Grundausstattung
  • und jährliche Kosten für den Ersatz defekter oder verlorener Sensoren, Softwareupdates oder jährliche Nutzungsgebühren.

Betrachtet man die angebotenen Sensorsysteme in dieser Systematik, liegen die jährlichen Gesamtkosten in Betrieben mit mehr als 100 Tieren bei 24 bis 36 Euro je Kuh (Tabelle).

Tabelle

Jahreskosten eines Sensorsystems

Wirtschaftlicher Nutzen von Sensorsystemen

Der wirtschaftliche Nutzen eines Sensorsystems wird sich in jedem Betrieb auf zwei Ebenen realisieren lassen:

  • Kostenreduktionen: Die Tiergesundheit lässt sich verbessern, weil Tierhalter Krankheiten früher erkennen. Eine frühere Behandlung reduziert Medikamenteneinsatz und Krankheitskosten. Ortungssysteme verringern die Arbeitszeit, weil Tierhalter den Standort einer Kuh abrufen können und sie so nicht im gesamten Stall suchen müssen.
  • Ertragssteigerungen: Mit der früheren Behandlung von Krankheiten reduziert sich der Anfall von Sperrmilch oder entfällt sogar. Die Wahrscheinlichkeit einer kompletten und nachhaltigen Ausheilung ohne Milchleistungseinbußen steigt. Im Idealfall kann die betroffene Kuh ohne Nachteile für Gesundheit und Leistung im Bestand bleiben, was die Bestandsergänzungsrate reduziert.

Sensoren können Beobachtungen nicht ersetzen

Ein Sensorsystem kann, soll und wird die Beobachtungen des Milcherzeugers und seiner Mitarbeiter nicht vollständig ersetzen. Aber in Kombination mit den Beobachtungen ermöglichen es die Daten, Krankheitssymptome und Schwachstellen besser und sicherer zu interpretieren.

Ein Nebeneffekt kann die steigende Motivation der Mitarbeiter sein. Mit gesunden Kühen zu arbeiten ist wesentlich motivierender als klinisch auftretende Erkrankungen zu behandeln. Letzteres stört oft den betrieblichen Tagesablauf und provoziert Arbeitsspitzen.

Daneben kann die Sensortechnik zukünftig Dokumentationspflichten erleichtern – mittelfristig vielleicht sogar übernehmen.

Fehlende Schnittstellen

Ein Mangel ist bisher, dass die Hersteller von Technik der Innenwirtschaft wie Melktechnik, Fütterung oder Sensortechnik unterschiedliche Schnittstellendefinitionen zur Datenübertragung nutzen.

Kurzfristiges Ziel muss sein, alle anfallenden Daten in einem Programm zusammenzufassen und auszuwerten. Vorstellbar sind parameterübergreifende, automatisierte Algorithmen, die Daten analysieren und Hinweise auf Schwachstellen sowie Handlungsempfehlungen geben.

Die Mitarbeiter müssen jeden Hinweis kritisch prüfen, denn blindes Vertrauen in die Technik war noch nie zielführend. Aber es wäre ein hilfreicher Schritt, um den technischen Fortschritt vollumfänglich zu nutzen und die Arbeit der Milcherzeuger zu vereinfachen.

Fazit:

  • In vielen Betrieben rechnet sich die Investition in ein Sensorsystem auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten.
  • Bei intensiver und tierindividueller Nutzung der Technik ist es möglich, die Tiergesundheit zu verbessern sowie Medikamenteneinsatz und Krankheitskosten zu reduzieren.
  • Vergleichsweise kleine Verbesserungen können in den verschiedenen Bereichen der Milcherzeugung nicht nur die jährlichen Gesamtkosten der Sensoren kompensieren, sondern Rentabilität und Liquidität der Betriebe steigern.

Den vollständigen Beitrag mit Beispielen, welche Kostenreduktionen und Ertragssteigerungen nötig sind, um die Kosten eines Sensorsystems zu kompensieren, finden Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 13/2021 und in der digitalen Ausgabe

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