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Laura Schneider | am

Wärmerückgewinnung aus Gülle: Einsparpotenzial bei Stallneubauten

Über Wärmerückgewinnung aus Gülle lassen sich Energiekosten sparen. Das zeigt das Beispiel einer Schweinezuchtanlage in Sachsen.

Das Thema Wärmerückgewinnung wird vor dem Hintergrund steigender Energiekosten zunehmend interessant, vor allem für Betriebszweige mit einem hohen Wärmebedarf.

In einer umgebauten Schweinezuchtanlage in Sachsen wird mit einer Güllekühlung Prozesswärme aus Gülle gewonnen. Es handelt sich um Rinderställe, die zu einem Zuchtsauenstall mit 800 Plätzen umgebaut wurden.

6,5 km Kühlleitung in Beton gegossen

Einen wesentlichen Bestandteil bilden etwa 6,5 km Kühlleitung, die in allen Abteilen großflächig in Beton gegossen wurden. Darauf wurden die Sammelbehälter und Kanäle für die Gülle aufgebaut. Die Wannen sind 40 cm tief.

Zwei Wärmepumpen entziehen der Gülle Wärme und geben diese an einen Warmwasserspeicher ab. Sie wurden so bemessen, dass sie die Stallabteile über Heizrohre und die Ferkelnester per Fußbodenheizung ausreichend versorgen können.

Der Wärmebedarf des Stalles kann auch durch eine zusätzliche Gastherme gedeckt werden.

Beurteilung der Wirtschaftlichkeit

Für Tierhalter stellt sich natürlich die Frage, ob eine derartige Investition wirtschaftlich ist. Um das zu beurteilen, wurden verschiedene Daten und Kosten protokolliert und ausgewertet.

Der täglichen Wärmeertrag sank mit zunehmenden Außentemperaturen. Während im Winter bis zu 2.400 kWh täglich gewonnen wurden, ging die Wärmeerzeugung im Sommer auf nahe Null zurück.

Über ein gesamtes Jahr stehen 369.803 kWh gewonnener Wärme 115.184 kWh aufgewendeter Elektroenergie gegenüber. Das ergibt eine Leistungszahl COP (Coefficient of Performance) von 3,21 im Jahresschnitt.

CO2-Einsparung durch Ersatz von Flüssiggas

Die Leistungszahl COP stellt das Verhältnis von gewonnener zu eingesetzter Energie dar. Der Hersteller gibt für seine Wärmepumpen unter standardisierten Bedingungen eine Leistungszahl von 4,31 an. Mit 1 kWh Strom können also 4,31 kWh Wärme gewonnen werden.

Da in der Praxis keine Prüfstandbedingungen vorliegen, war im umgebauten Stall ein niedrigerer COP zu erwarten. Der Ersatz von 3,21 kWh Wärme aus Flüssiggas durch eine kWh Strom für den Betrieb der Wärmepumpen ergibt bei den Energiepreisen des Betriebs einen Überschuss von 7.515 Euro.

Dieser Betrag steht für die Deckung der Unterhaltungsaufwendungen und die Amortisation der Investition zur Verfügung. Der Ersatz von Flüssiggas ist zudem mit einer rechnerischen Einsparung von circa 32 Tonnen CO2 verbunden. So ergab sich insgesamt ein finanzieller Vorteil für die Agrargenossenschaft.

Wirtschaftlichkeit abhängig von Strom- und Brennstoffpreisen

Die Wirtschaftlichkeit der Wärmerückgewinnung wird maßgeblich durch die Preise für Strom und Brennstoffe bestimmt. Je günstiger der Strom im Verhältnis zum Flüssiggas ist, desto besser schneidet die Wärmerückgewinnung ab.

Für Neubauten ist der Einbau einer Wärmerückgewinnung aus Gülle zu empfehlen. Ein nachträglicher Einbau von Kühlleitungen in den Betonboden bestehender Ställe wird in der Regel nicht mit vertretbarem Aufwand möglich sein. Es empfiehlt sich jedoch immer eine Einzelfallprüfung.

Sollte die Güllekühlung perspektivisch auch als emissionsminderte Maßnahme anerkannt werden, könnte sie auch deshalb künftig interessanter werden.

Den vollständigen Artikel mit einer ausführlichen Kostenkalkulation lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 32/2020 und in der digitalen Ausgabe.

Mit Material von René Pommer, Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
  • Leben auf dem Land: Borreliose als Berufskrankheit

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