Milchkühe auf der Weide stellen besondere Ansprüche an die Fütterung.
Laura Schneider | am

Weidehaltung: Ration und Kraftfutter anpassen

Milchkühe auf der Weide bedarfsgerecht zu versorgen ist nicht ganz einfach – vor allem bei hohen Leistungen. Worauf Sie achten sollten.

Weidehaltung kann Tierwohl aus verschiedenen Gründen positiv beeinflussen. Allerdings ist es nicht ganz leicht, die bedarfsgerechte und gleichmäßige Versorgung der Kühe mit Energie, Nähr- und Mineralstoffen sicherzustellen. Das gilt vor allem bei hohen Milchleistungen.

Der Bedarf an nutzbarem Rohprotein (nXP) und Energie steigt mit der Milchleistung. Um diesen Bedarf decken zu können, ist es nötig, die Gehalte in der Ration anzupassen und die Futteraufnahme der Kühe zu erhöhen.

Grasaufnahme und Nährstoffgehalte schwanken

Die Weidegrasaufnahme lässt sich nur schwer ermitteln. Verschiedene Studien zeigen aber, dass die Trockenmasse (TM)-Aufnahme an Gras bei Kühen in Vollweide ohne Kraftfutterzufütterung bei 18 bis 20 kg pro Kuh und Tag liegen kann.

Viele Faktoren beeinflussen die tägliche Grasaufnahme – darunter

  • Witterung,
  • Haftwasser am Gras,
  • Zufütterung von Kraftfutter
  • oder quantitatives und qualitatives Grasangebot. Dieses hängt wiederum maßgeblich von Bestandszusammensetzung, Pflegezustand, Düngung, Nutzungszeitpunkt, Standort und Wasserverfügbarkeit ab.

Energie- und andere Nährstoffgehalte von Weidegras können je nach Alter des Grases und im Verlauf der Vegetationsperiode deutlich schwanken. Zudem lässt sich der zusätzliche Energiebedarf der Kühe für das Grasen und die erhöhte Bewegungsaktivität schwer abschätzen und bleibt bei Kalkulationen unberücksichtigt.

Harnstoffgehalt der Milch

Frischgras von intensiv geführten Weiden hat einen hohen Gehalt an Rohprotein (XP) und eine hohe ruminale Stickstoffbilanz (RNB). Das führt bei hoher Grasaufnahme zu einem Stickstoffüberschuss im Pansen. Kann der Stickstoff dort nicht zu Mikrobenprotein und damit zu nXP umgewandelt werden, muss er in der Leber entgiftet und in Form von Harnstoff mit den Körperflüssigkeiten ausgeschieden werden.

Einer der Faktoren, die Aufschluss über die Versorgungslage des Pansens mit Stickstoff und Energie geben, ist der Harnstoffgehalt der Milch. Grundsätzlich gilt: je höher der Frischgrasanteil in der Ration, desto höher sind die Milchharnstoffgehalte.

Je mehr und je gezielter Rinderhalter im Stall zufüttern, desto besser können sie die Ration gezielt ergänzen und die Futteraufnahme kontrollieren.

Fett- und Eiweißgehalte der Milch

Weitere Indikatoren, um Fütterung und Stoffwechselgesundheit zu prüfen, sind die Fett- und Eiweißgehalte der Milch sowie der Fett-Eiweiß-Quotient. Je mehr junges Frischgras die Kühe aufnehmen, desto niedriger ist der Milchfettgehalt.

Das ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Gras verhältnismäßig hohe Gehalte an mehrfach ungesättigten Fettsäuren enthält. Diese verringern den Transport von Fettbausteinen in das Eutergewebe, wodurch der Milchfettgehalt sinkt.

Milchleistungsfutter zufüttern

Höhere Milchleistungen bedingen auch in einem Grünlandbetrieb die gezielte Zufütterung von Milchleistungsfutter und Silagen oder Heu in der Weidezeit.

Grundsätzliche Anforderungen an Milchleistungsfutter für die Weideergänzung sind

  • ein möglichst geringer XP-Gehalt,
  • eine deutlich negative ruminale Stickstoffbilanz,
  • ein möglichst hoher nXP-Gehalt
  • und ein bestimmter Anteil pansenbeständiger Stärke, um den Glukosehaushalt von frischmelkenden Kühen zu unterstützen. 

Um den nXP-Bedarf bei höheren Leistungen abdecken zu können, sollten die Kraftfutter sowohl Einzelfuttermittel mit einem hohen Energiegehalt als auch solche mit einem hohen Anteil an pansenbeständigem Protein (UDP) enthalten. 

Fazit

  • Die tägliche Grasaufnahme der Kühe sowie die Gehalte an Energie und Nährstoffen im Gras können stark schwanken.
  • Der hohe Proteingehalt von Gras führt bei hoher Grasaufnahme zu einem Stickstoffüberschuss im Pansen. Die Folge ist ein hoher Harnstoffgehalt in der Milch.
  • Je mehr junges Frischgras Kühe aufnehmen, desto niedriger ist der Milchfettgehalt.
  • Je mehr und je gezielter Rinderhalter im Stall zufüttern, desto besser können sie die Ration gezielt ergänzen und die Futteraufnahme kontrollieren.
  • Höhere Milchleistungen bedingen die Zufütterung von Milchleistungsfutter und Silagen oder Heu in der Weidezeit.
Mit Material von Dirk Albers, LWK Niedersachsen
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