Kühe auf einer Weide.

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Ellen Hartmann | am

Sind Weidekühe gut für den Klimawandel?

Was ist besser für unser Klima? Milch von weidenden Kühen oder von Kühen aus der Stallhaltung? Das haben sich Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel nun gefragt. Das Ergebnis: verblüffend.

Obwohl es weltweit die kostengünstigste Variante ist, um Kühe zu füttern, gibt es in Deutschland immer weniger Kühe, die auf Weiden stehen. Zusätzlich sind Grünlandflächen wichtige Speicher für Kohlenstoff und damit sehr wichtig für den Klimawandel.

Kühe produzieren Methan

Wenn Kühe verdauen, lassen sie Methan in die Luft ab, welches sich circa zehn Jahre in der Atmosphäre hält, bevor es wieder zu CO2 zerfällt. Dies sei bisher, so die Forscher, als negativer Aspekt der Weidetierhaltung ausgelegt worden, da das Methan erheblich zum Klimawandel beitrage. Weidetiere würden zudem niedrigere Milchleistungen erzielen als Tiere in Stallhaltung, die mit einem hohen Anteil an Kraftfutter und Mais gefüttert würden.

Das Projekt "SusCatt"

Um diese Aspekte genau zu untersuchen, haben die Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel während ihres einjährigen EU-Projekts "SusCatt" auf dem Versuchsgut Lindhof, die Milchleistung von weidenden Jersey-Kühen ermittelt sowie Methanemissionen gemessen.

Dabei weideten die Tiere in zwei Gruppen jeweils auf einer Grünlandmischung aus Weißklee und Weidelgras oder auf einer Mischung mit acht Wiesenkräutern und weiteren Leguminosen. Zusätzlich bekamen die Kühe täglich im Stall eine kleine Menge Kraftfutter von zwei Kilogramm – was 12 bis 15 Prozent der gesamten Trockenmasseaufnahme entspricht.

Das Ergebnis: überraschend!

Tatsächlich war die Milchleistung der Kühe nicht nur sehr hoch, sondern auch vergleichbar mit Jersey-Kühen aus einer anderen Studie. Diese Tiere erhielten bei gleichem Gewicht 61 Prozent Kraftfutter. Außerdem konnte die Milchleistung der Tiere aus der aktuellen Studie signifikant gesteigert werden: Sie lag in der "frühen Laktationskurve im Mittel bei bis zu 30 Kilogramm Standardmilch (ECM) pro Kuh und Tag", so die Experten.

Diese Leistung sei vor allem besonders, da Jersey-Kühe mit ihren 430 Kilogramm, im Vergleich zur Rasse Holstein-Friesian, sehr leicht seien. Zudem sei auch die Milchqualität mit Fettgehalten von durchschnittlich fünf bis sechs Prozent sehr gut gewesen. Auch heißt es von den Forschern: "Die Methanbildung war zwar auch mit circa zehn Prozent leicht gesteigert, doch blieben die Methanemissionen insgesamt mit ca. acht bis zehn Gramm Methan pro Kilogramm Standardmilch auf einem im Vergleich zur internationalen Literatur sehr niedrigen Niveau."

Forscher sind begeistert

"Wir kombinieren hier den Zuchtfortschritt der Futterpflanzenzüchtung der letzten 20 Jahre mit optimiertem Weidemanagement", so Dr. Carsten Malisch, wissenschaftlicher Koordinator der Studie. "Mit dieser Arbeit können wir zeigen, dass eine weidebasierte Milchproduktion sehr hohe Milchleistungen mit sehr niedrigen Methanemissionen verbinden und somit zum Klimaschutz beitragen kann – und gleichzeitig werden damit Zusatzleistungen für die Artenvielfalt bereitgestellt – ohne Importfuttermittel, denn das notwendige Protein im Futter liefert der Klee."

Mit Material von idw, Uni Kiel und AgE
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