Weil-Schlachthof-Goldschmaus
Christa Diekmann-Lenartz | am

Weil: Mensch und Tierwohl im Blick behalten

Das Image der Schlachthofbranche hat jüngst wieder stark gelitten. Ministerpräsident Stephan Weil will dort neben Tierwohl auch mehr „Menschenwohl“.

Nach den jüngsten Tierschutzverstößen an niedersächsischen Schlachthöfen plant das Land, am 15. Februar diesen Jahres eine Initiative zur Kameraüberwachung in den Bundesrat einzubringen. Beim gestrigen Besuch von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil am Schlachthof der Böseler Goldschmaus in Garrel, Landkreis Cloppenburg, ging es mehr am Rande um Tierwohl.

Weil: Auch Menschenwohl ist brisantes Thema

Im Mittelpunkt stand das zweite brisante Thema der Branche: das „Menschenwohl“ der dort tätigen Arbeiter, wie Weil es benannte. Dass der von ihm besuchte Schlachthof in Garrel dabei für ihn Vorbild ist, stellte er gleich klar. Die Böseler Goldschmaus hat in den vergangenen Jahren nach und nach ihre Werkverträge mit osteuropäischen Arbeitnehmern in feste Anstellungen umgewandelt. 600 waren es, wie Unternehmenssprecher Dr. Gerald Otto informierte.

Garreler Schlachthof ist Vorbild

Nicht nur vom Ministerpräsidenten gab es Lob für diese Unterstützung von Integration. Auch Matthias Brümmer, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG (Nahrung, Genuss, Gaststätten)-Region Oldenburg-Ostfriesland, und Prälat Peter Kossen, bezeichneten das Garreler Modell als nachahmenswert.

Kossen, der bis vor zwei Jahren in der katholischen Kirche in Südoldenburg tätig war, forderte einen solchen Systemwechsel auch von anderen Schlachthöfen, für ihn liegt hier noch sehr viel im Argen.

Tierschutz und gute Arbeitsverhältnisse

Diesen Nachholbedarf sahen auch Weil und Brümmer. Kossen nahm jedoch ebenso Verbraucher in der Pflicht, bei ihrem Fleischeinkauf nicht nur auf Tierwohl, sondern auch auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Mitarbeitern im Verarbeitungsprozess zu achten: „Menschenwohl sollte auch gelabelt werden“, sagte er.

Gewerkschaftsvertreter Brümmer bezifferte die Mehrkosten für „gute Arbeitsverhältnisse“ mit 6 Cent/kg Fleisch. Weil kündigte Gespräche mit anderen Schlachthöfen an, auch, um zu überprüfen, ob gesetzliche Nachschärfungen beim Thema Werksverträge nötig seien.

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