Wölfe auf der Jagd
Meinung | Laura Schneider | am

Wolfsangriffe: Schafhaltung in Gefahr

Viele Schäfer geben auf: Aufgrund steigender Kosten wird die Schafhaltung zunehmend unwirtschaftlicher. Und dann ist da noch der Wolf, der für Angst und Schrecken sorgt. Zwei Schafhalter berichten von ihren Erfahrungen.

Für Wilfried Bartelt aus Bienenbüttel (Landkreis Uelzen) ist die Schafzucht Vergangenheit: 45 Mutterschafe der Rasse Merinofleischschaf hielt er im Nebenerwerb. Seit 1983 hat er sich eine Herde aufgebaut, war erfolgreicher Herdbuchzüchter und gewann Preise auf der Grünen Woche und anderen Veranstaltungen, unter anderem die Auszeichnung Mister Bismark.

Eigentlich hatte er geplant, seine Schafzucht als Hobby noch in der Rente fortzusetzen, solange es geht. Dann kam es im August 2016 zu zwei Wolfsangriffen in seiner Herde.

In zwei Nächten wurden erst 14 und dann noch einmal sechs Schafe gerissen. „Dann habe ich die Schafe, die noch übriggeblieben sind, reingeholt und sie dann auch verkauft“, sagt Bartelt rückblickend.

Geld ist nicht alles

Einen Antrag auf Entschädigung zu stellen, fand er albern. „Es ist ja keine einfache Fleischproduktion, wo man für jedes Schaf einen festen Betrag bekommt und damit ist gut. Es geht um den Zuchtgedanken, der dahintersteht.

Das Schlimme ist, dass da eine Blutlinie komplett verschwunden ist – alles, was man geleistet hat, was man sich aufgebaut hat“, erklärt Bartelt.

Konsequenz: Keine Schafzucht mehr

Wilfried Bartelt

Für ihn war die Aufgabe der Schafzucht alternativlos. Seine Weiden liegen vielfach am Waldrand und die Böden sind durchwurzelt, sodass er keine wolfsicheren Zäune bauen konnte. „Bei uns in der Region gibt es ja viele Wölfe, es gibt immer wieder Wolfsrisse. Weitermachen war für mich so komplett sinnlos. Ich kann die Schafe ja nicht nur einsperren“.

Bedrohung nimmt in der Küstenregion zu

Schafe am Deich

Obwohl sich Wölfe im Wesentlichen von Wildtieren ernähren, kommt es immer wieder zu Übergriffen. Für viele Schafhalter ist die Ausbreitung des Wolfes existenzbedrohend, trotz Entschädigungen. Die gerissenen Tiere fehlen, um die Deich- und Heideflächen zu pflegen, die Geburten bleiben aus und es fehlen vermarktungsfähige Lämmer. In betroffenen Herden gibt es auch Monate nach einem Übergriff Leistungseinbrüche (Fruchtbarkeit der Mutterschafe, Zunahmen der Lämmer usw.).

Schafe sogar auf dem Deich in Gefahr

Die Bedrohung durch den Wolf nimmt auch in der Küstenregion zu. Und sie macht vor Schafen auf den Deichen nicht Halt. Es kam vermehrt zu Wolfsrissen in den Kreisen Oldenburg und Wesermarsch. Menschen konnten sich dem Tier bis auf 10 m nähern. Die Kreislandvolkverbände haben nun von Minister Lies die Entnahme dieses Wolfs gefordert.

Dieter Voigt

Bei Dieter Voigt in Huntebrück, Kreis Wesermarsch, sind drei Schafe bei einem mutmaßlichen Wolfsangriff verletzt worden. Eines der Schafe musste eingeschläfert werden. Die beiden anderen wurden tierärztlich versorgt. Das Ergebnis der DNA-Proben liegt immer noch nicht vor.

Zäune hindern Wölfe nicht

Verletztes Schaf im Graben

Die Herde war nach dem Angriff ausgebrochen. Die verletzten Tiere waren versprengt, eines davon saß im Graben. Alle drei Schafe wiesen wolfstypische Kehlbissverletzungen auf. Aussicht auf Entschädigung hat Deichschäfer Dieter Voigt nicht. Seit zwei Jahren werden Wolfsrisse nur noch entschädigt, wenn die Schafe hinter wolfsabweisenden Zäunen gehalten wurden.

Dabei ist bekannt, dass Wölfe, die das Springen gelernt haben, alle Zaunhöhen überwinden – egal ob 90 cm, 120 cm oder 140 cm. Und in der Luft bekommen sie mangels Erdkontakt auch bei Zaunberührung keinen Stromschlag.

Einzäunen nicht immer möglich

Bei dem Übergriff befanden sich die Schafe auf der Winterweide. Dort müssen sich die Schafe das Futter auch noch mit Feldmäusen und Gänsen teilen. Daraus ergibt sich eine kurze Verweildauer auf den Flächen bzw. die Notwendigkeit, die Tiere häufig umzuweiden, auch um Trittschäden zu vermeiden. „Mit vertretbarem Aufwand ist es nicht möglich, die Winterweiden den Vorschriften entsprechend einzuzäunen“, so Dieter Voigt.

 

 

Mehr zur Schafhaltung lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 17/2020 und in der digitalen Ausgabe

Mit Material von Jan-Gerd Ahlers/Laura Schneider

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