Herdenschutzhund

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Christel Grommel | am

Wolfsmanagement muss praxistauglich sein

Zwei Vereine hatten mit einer Klage gegen Abschussgenehmigungen Erfolg. Jörn Ehlers sieht dabei fehlende Praxistauglichkeit.

Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers ist enttäuscht. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Oldenburg zu den beiden „voraussichtlich rechtswidrigen“ Wolfsabschüssen hält er nicht für richtig. Ehlers vermisst dabei „jeglichen Realitätsverlust“ seitens der Gerichte.

Ehlers ist Sprecher des Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement und hinterfragt den Sinn dabei, weiterhin nur bestimmte Wölfe zu entnehmen. „Fakt ist, dass Weidetiere in bestimmten Gegenden vermehrt gerissen werden. Welcher Wolf hier öfter zugeschlagen hat, ist mittels DNA-Proben bei den gerissenen Tieren im Nachhinein feststellbar, aber eben nicht vor dem Abschuss“, so Ehlers.

Der Wolf ist kein Schoßhund

Bei der Erlaubnis für die Abschüsse habe das Umweltministerium erstmals in Deutschland darauf verzichtet, ein klar definiertes Tier zum Abschuss freizugeben und Schäden klar einem bestimmten Rudel zuzuordnen. „Wölfe müssen wieder Angst vor dem Menschen bekommen. Das ist schließlich ein Raubtier und kein Schoßhund, wie Wolfsfreunde gerne weismachen wollen“, argumentiert Ehlers. Der Abschuss von Wölfen diene vor allem dazu, die anderen Tiere des Rudels zu vergrämen. 1.841 Nutztierschäden wurden mit Stand vom 14. März 2022 im Rahmen des niedersächsischen Wolfsmanagement und -monitoring dokumentiert.

Konkrete Zuordnung fernab der Praxistauglichkeit

„Wir sehen hier die Rechtsaufassung des NLWKN als einzig praxistauglich – und können die Landesregierung nur darin bestärken, gegen diesen Beschluss Beschwerde einzulegen“, zeigt Ehlers auf, dass eine konkrete Zuordnung fernab der praxisnahen Möglichkeiten liegt. Ein Trost für Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter sei zumindest, dass die Rissbegutachtung und -bearbeitung, die seit dem 1. Februar 2022 durch die Landwirtschaftskammer (LWK) erfolgt, gut funktioniere. Die Billigkeitsleistung im Schadensfall durch den Wolf erfolge nun innerhalb von zwei Wochen anstatt monatelang darauf zu warten. Trotzdem: „Viele Schäfer und Weidetierhalter geben auf. Sie sind es leid, zerrissene Tiere von der Weide zu holen, während sich andere über die Vermehrung des Wolfes freuen.“ Aktuell gibt es in Niedersachsen Stand März 38 Wolfsrudel, zwei Wolfspaare und vier residente Einzelwölfe – plus einen im Grenzterritorium zu Sachsen-Anhalt.

Herdenschutzhunde kosten viel

Nicole Benning aus Scheeßel schützt ihre insgesamt 2.500 Schafe mit 24 bis 30 Hirtenhunden der Rasse Kangal. Mit Erfolg, wie sie sagt. Das hat jedoch auch seinen Preis. Die Schafhaltung bedeute bei steigenden Wolfszahlen einen immer höheren Aufwand und steigende Kosten, beklagt Benning. „Die Probleme durch den Wolf führen die Schafhalter bis an ihre Belastungsgrenze“, bestätigt Mathias Brockob, Berater der LWK Niedersachsen. Neben den Kosten von 1.500 bis 2.000 Euro pro Jahr für einen Herdenschutzhund wendeten die Schafhalter 10 bis 20 Prozent der täglichen Arbeit für den Schutz des Wolfes auf – ohne Bezahlung. Die Anzahl der Schafhalter ist daher seit Jahren rückläufig. Aktuell halten noch 11.631 Betriebe circa 230.000 Schafe in Niedersachsen.

Mit Material von LPD
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