Ezhou - Hochhaus für Schweine

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Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Wolkenkratzer für Schweine

In China will man die Erzeugung von Schweinefleisch steigern - die Art und Weise kann man dabei durchaus hinterfragen. Vor allem, wenn man mit den Vorgaben hierzulande vergleicht.

Moin liebe Leserinnen und Leser,

etwa 8.300 km trennen uns von der chinesischen Stadt Ezhou. Die Stadt mit über einer Million Einwohner liegt unweit von Wuhan entfernt – und diese Metropole kennen wir seit Anfang 2020 alle als Ursprung des Corona-Virus.

Warum schreibe ich über eine Stadt, die keiner von uns kennt? Antwort: Am südlichen Stadtrand von Ezouh steht ein gigantisches Hochhaus. Es wirkt auf den ersten Blick wie ein Wohnhaus. Weit gefehlt! Auf den 26 Etagen befindet sich der größte Schweinestall der Welt. Im Oktober wurden die ersten 3.700 Sauen eingestallt. Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass dort jährlich 1,2 Mio. Schweine zur Schlachtreife gemästet werden können.

650.000 Schweine in zwei Hochhäusern

Hinter der Farm steht das Unternehmen Hubei Zhongxin Kaiwei Modern Farming, das keinerlei Erfahrung in der Schweinehaltung, sondern mit Zement hat. Dieser Sektor brach zusammen mit der Baubranche in China ein. Und das Unternehmen entschied in Schweine zu investieren. Die Farm besteht aus zwei Hochhäusern – das zweite ist nahezu fertiggestellt. Ist es vollendet, hat die Farm 800.000 m2 und soll 650.000 Tieren Platz bieten.

Der Schweinefleischhunger Chinas ist enorm: Das Land verbraucht etwa der Hälfte des weltweit erzeugten Schweinefleisches. Nachdem China zwischen 2018 und 2020 über 100 Mio. Schweine aufgrund der Afrikanischen Schweinepest verlor, versucht die Volksrepublik nun die Erzeugung zu steigern.

Sorgt die Besatzdichte der Riesenfarm für Ausbreitung von Krankheiten?

Um den Erregereintrag zu vermeiden, müssen die Arbeiter der Riesenfarm mehrere Desinfektions- und Testrunden durchlaufen, bevor sie das Gelände betreten dürfen. Zudem gebe es Berichte, dass sie bis zu ihrer nächsten Pause die Farm nicht verlassen dürfen – dies sei ihnen einmal pro Woche erlaubt. Trotz dieser Maßnahmen besteht aufgrund der hohen Besatzdichte die nicht unberechtigte Sorge, dass sich Krankheitserreger ausbreiten und gar mutieren könnten.

Tierwohl bleibt auf der Strecke

Fragen nach Tier- oder Menschenwohl, Klima- und Umweltschutz sind dabei nicht gestellt worden – und werden es in der Volksrepublik wohl auch gar nicht erst. Hierzulande aber sehr wohl. Bei uns kämpfen die schweinehaltenden Betriebe ums Überleben und versuchen gleichzeitig den Ansprüchen von Politik und Gesellschaft nach mehr Tierwohl gerecht zu werden.

Gerade befürwortete der Bundesrat einen Gesetzentwurf zur Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der Haltungsform der Tiere, von denen sie gewonnen wurden. Begonnen werden soll bei der Kennzeichnung mit unverarbeitetem Schweinefleisch. Dabei wurde anscheinend nicht berücksichtigt, dass den Landwirten beim Neu- oder Umbau von Ställen – an die unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen gar nicht zu denken ist – nach wie vor durch die Genehmigungsverfahren Felsbrocken in den Weg gelegt werden. Und zeitgleich werden am anderen Ende der Erde gigantische Hochhäuser für die Fleischerzeugung errichtet…

Laura Schneider

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