Zecken breiten sich in Deutschland in ganz neuen Regionen aus. Grund hierfür ist unter anderem der Klimawandel.

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Ellen Hartmann | am

Zecken breiten sich in Deutschland immer weiter aus

Zecken breiten sich in Deutschland immer weiter aus und dringen in ganz neue Regionen vor. Laut neuen Forschungsergebnissen der Universität Hohenheim in Stuttgart lieg das insbesondere am Klimawandel.

Mit der Ausbreitung der Zecken steigt auch die Gefahr an Hirnhautentzündungen wie FSME zu erkranken, so die Ergebnisse weiter. FSME steht dabei für Frühsommer-Meningoenzephalitis. So seien in Höhenlagen von 5500 bis 700 Metern vermehrt FSME-Fälle registriert worden. Das könne laut den Forscherinnen und Forscher daran liegen, dass es Zecken in tiefer gelegenen Gebieten zu warm ist. "In Tälern wird es Zecken zu ungemütlich", erklärt Biologe Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

Zecken bereits jetzt wieder sehr aktiv

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der bundesweit registrierten FSME-Erkrankungen von 712 auf 417 deutlich zurückgegangen, belegen aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts. Dennoch sei dies weiterhin ein vergleichsweise hoher Wert, weiß Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Die Infektionszahl schwanke jedoch von Jahr zu Jahr aufgrund der Witterung und des Freizeitverhaltens der Menschen deutlich. Nach Angaben der Parasitologin Ute Mackenstedt von der Uni Hohenheim seien die Zecken bereits jetzt wieder sehr aktiv. 

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Hohes FSME-Infektionsrisiko in Bayern und Baden-Württemberg

Zecken leben am liebsten in lichten Wäldern und Waldrändern sowie Gebieten mit hohem Gras und Büschen. Insbesondere in Südhessen, dem Südosten Thüringens, Baden-Württemberg und Bayer ist das Infektionsrisiko mit Hirnhautentzündungen sehr hoch, besagt die Untersuchung der Uni Hohenheim. Doch auch wenn hier die meisten Menschen an FSME erkranken, ist die Zahl der Infektionen in Bayern und Baden-Württemberg im vergangenen Jahr zurückgegangen. Laut Dobler breite sich FSME derzeit stark in Norddeutschland aus. Daher fordert der Experte, dass es mehr Forschung sowie eine Anpassung der Impfstrategie geben müsse. 

FSME breitet sich in Deutschland stark aus

Das Robert-Koch-Institut erklärt immer wieder bestimmte Regionen als FSME-Risikogebiete. Darunter zum Beispiel Gebiete in Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Mittlerweile gibt es 175 dieser Risikogebiete in Deutschland. Bundesweit sind 40 Prozent aller Kreise betroffen. Zusätzlich breiten sich in Deutschland immer mehr Zeckenarten aus, so die Parasitologin Mackenstedt. Sie untersuchte 8.000 eingesendete Zeckenfunde. Unter anderem fand Mackenstedt heraus, dass sich die sogenannte Auwaldzecke, die FSME übertragen kann, bundesweit ausbreitet. Diese Zeckenart sucht bereits bei Temperaturen um die vier Grad nach Wirten. Zusätzlich werden auch Tropenzecken der Gattung Hyalomma nach Deutschland eingeschleppt - durch Zugvögel. 

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Kein Impfstoff gegen Borreliose vorhanden

Nach Angaben der Forscher könnte diese Tropenzecke mit zunehmend trockeneren und wärmeren Sommern zu einem Stammgast hierzulande werden. Diese Zecken können auch gefährliche Krankheitserreger wie das Zecken-Fleckfieber übertragen. Eine FSME-Infektionen verläuft übrigens oftmals mild und äußert sich in der erste Phase mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Abgeschlagenheit sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Später kann dann eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks hinzukommen. Ist die Krankheit ausgebrochen, können lediglich die Symptome therapiert werden. Bei rund einem Prozent der Patienten endet die Krankheit tödlich. In Risikogebieten liegt die Wahrscheinlichkeit einer Infektion nach einem Zeckenstich bei 1 zu 50 bis 1 zu 100. Gegen FSME gibt es zwar eine Impfung, allerdings nicht gegen die ebenfalls von Zecken übertragene und bundesweit vorkommende Borreliose.

Mit Material von dpa

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