Eine regelmäßige Klauenpflege ist die Voraussetzung für gesunde Klauen bei Milchkühen.
Laura Schneider | am

Zehn Tipps für gesunde Klauen

Klauenpflege ist ein zentraler Bestandteil des Managements im Milchviehbetrieb. Die folgenden Punkte sollten Sie dabei beachten.

Wenn Kühe lahmen, bedeutet das für sie Schmerzen und Einschränkungen des Tierwohls. Außerdem sinkt oft die Milchleistung. Daher sind gesunde Klauen, und damit auch die Klauenpflege, eine Voraussetzung für langlebige und leistungsstarke Kühe.

Klauenpflege ist dabei sowohl Therapie als auch Prophylaxe. Hubert Reßler, Geschäftsführer und tierärztlicher Leiter der Höchstädter Klauenpflege GmbH gab bei einer Pressekonferenz der Firma Bayer Tipps für eine gute Klauengesundheit.

1. Rechtzeitig mit der Klauenpflege beginnen

„Was man beim Jungrind versäumt, tritt bei der Kuh doppelt zu Tage“, erklärte Reßler. Deshalb empfiehlt er, mit der Klauenpflege bei Rindern spätestens zwei Monate vor der ersten Kalbung zu beginnen, besser noch im Erstbesamungsalter.

„Die Kuh muss lahmheitsfrei durch die Aufzuchtphase kommen: Geht eine Kuh bereits in dieser Phase lahm, steigt das Risiko um ein Vielfaches, dass sie in der ersten Laktation erneut lahmt.“

2. Klauenpflege regelmäßig wiederholen

Eine Klauenpflege halte nur vier Monate an. Daher legt Reßler Milchviehhaltern nahe, dreimal jährlich eine prophylaktische Klauenpflege einzuplanen.

Das beobachte er allerdings nur bei knapp 11 Prozent der knapp 2.000 Betriebe, die seine Praxis betreut. Die anderen würden weniger als drei Klauenpflegetermine pro Jahr wahrnehmen, weshalb sie hier lediglich therapeutische Wirkung habe.

3. Der richtige Zeitpunkt

„Im Optimalfall orientiert man sich bei der Klauenpflege am Lebenszyklus der Kuh: Sie kommt dann zur Klauenpflege, wenn sie es braucht“, betonte Reßler.

Besonders wichtig sei die Klauenpflege zum Zeitpunkt des Trockenstellens und zwei Monate nach dem Abkalben. Darüber hinaus müssten in einem gut geführten Betrieb 90 Prozent der Tiere lahmfrei sein. Ist das nicht der Fall, sei sofort eine funktionelle Klauenpflege zur Entlastung und Behandlung von Erkrankungen nötig.

4. Klauenkrankheiten behandeln: Je eher, desto besser

Sollte es zu einer Klauenkrankheit kommen, beeinflusse der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns entscheidend den Verlauf der Erkrankung. Je eher die Behandlung beginne, desto besser.

Daher fordert Reßler: „Bei Lahmheitsanzeichen, sofort in den Klauenpflegestand, auch wenn gerade kein Klauenpflegetermin angedacht ist.“

5. Klauenpflegestand

Für eine exakte klinische Diagnose und, um die Tiere fachgerecht zu behandeln, sei ein Klauenpflegestand nötig. Er sollte so positioniert sein, dass eine Person allein eine Kuh hineinbringen und behandeln kann. Nur wenn der Stand so in den Betrieb integriert ist, werde er auch genutzt.

6. Klauen fachgerecht behandeln

Grundsätze für eine fachgerechte Klauenbehandlung sind laut Reßler:

  • Klauenhorn- und Hauterkrankungen korrekt entlasten und behandeln
  • Immer zusätzlich die andere Hinterextremität pflegen, um sicherzustellen, dass diese gesund ist, während die andere ausheilt
  • Tiere mit Klauenerkrankungen auf Stroh stellen
  • Bei Mortellaro stets einen Verband anlegen
  • Immer nachbehandeln bis Läsionen vollständig abgeheilt sind

7. Lahmheiten nie ohne Schmerztherapie behandeln

Klauenerkrankungen und -behandlungen würden allgemein als sehr schmerzhaft eingestuft. „Grundsätzlich sollten Sie bei jeder Lahmheit Schmerzmittel verabreichen“, stellte Reßler klar. Neben der Schmerzausschaltung erhöhe das die Heilungsrate.

8. Klauenpflege dokumentieren

Er empfiehlt, Klauenpflege und -behandlungen elektronisch zu dokumentieren. Das erleichtere die Abstimmung zwischen Landwirt, Tierarzt und Klauenpfleger. Diese sei nicht nur sinnvoll, sondern unbedingt nötig.

„Klauenkrankheiten sind Aufgabe des Tierarztes, nicht des Landwirts oder Klauenpflegers. Betroffene Tiere müssen ihm rechtzeitig vorgestellt werden“, hob er hervor.

9. Richtig füttern

Horn ist ein Folgeprodukt des Stoffwechsels, daher wies Reßler darauf hin, dass auch die richtige Fütterung einer der Grundpfeiler einer guten Klauengesundheit ist.

10. Nicht an der Klauenpflege sparen

Die Kosten dürften kein Grund sein, auf eine regelmäßige Klauenpflege zu verzichten. „Klauenpflege kostet kein Geld, sie bringt Geld“, unterstrich der Tierarzt. Denn die regelmäßige und prophylaktische Klauenpflege reduziere nicht nur die Behandlungskosten, sondern erspare den Tieren auch das Leiden und mache sie langlebiger und leistungsstärker.

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