Eine Zwischendesinfektion durch Eintauchen der Stiefel in die Desinfektionswanne senkt den Erregerdruck im Bestand.
Laura Schneider | am

Zehn Tipps für die Stiefelhygiene

Hygiene fängt beim Schuhwerk an. Wir geben Ihnen Tipps zu Schuhwechsel und Stiefelreinigung.

Dem Schuhwerk wird beim Hygienemanagement oft zu wenig Beachtung geschenkt. Kontaminierte Schuhe können ein erhebliches Risiko für die Ein- und Verschleppung von Krankheits- und Seuchenerregern darstellen – auch im Hinblick auf das Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP).

Um den Bestand im Allgemeinen und vor der ASP zu schützen, lohnt es sich, die Grundsätze einer wirksamen Stiefelhygiene aufzufrischen.

1. Schuhe beim Betreten des Stalles wechseln

on_Bank-Abtrennung-Schwarz-Weiß-Bereich

Wechseln Sie die Schuhe

  • bei jedem Betreten des Stalles (vom Schwarz- in den Weißbereich),
  • und beim Wechsel von Produktionsbereichen (nach dem Kadaverlager, zwischen Mast und Ferkelaufzucht, Wartestall und Abferkelbereich, zwischen Stallgebäuden).

Eine Barriere wie eine Bank oder ein Brett im Vorraum trennt Schwarz- und Weißbereich für jeden ersichtlich und mit einfachsten Mitteln.

2. Stiefel reinigen und desinfizieren

on_Gummistiefel-Nassreinigung-Wasserschlauch

Im Stall getragene Stiefel sollten Sie regelmäßig reinigen und desinfizieren. In jedem Betrieb muss es eine Möglichkeit zum Nassreinigen und Desinfizieren der Stiefel geben.

3. Dreck kann man nicht desinfizieren

Desinfektionsmatten oder flache Wannen vor dem Stalleingang symbolisieren Hygienebewusstsein, schützen aber nicht vor einem Erregereintrag:

  • Die schmutzige Schuhsohle wird nur flüchtig benetzt.
  • Es gibt keine Einwirkzeit (Merke: Dreck kann man nicht desinfizieren).
  • Die Desinfektionslösung ist nach einmaliger Nutzung verschmutzt, das Desinfektionsmittel wirkt meist kaum noch.

4. Der richtige Ort für tiefe Desinfektionswannen

Die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) empfiehlt zur Stiefeldesinfektion eine ausreichend tiefe Wanne wie einen eckigen Maurerbottich und eine Einwirkzeit von mindestens 30 Minuten. Geeignete Standorte sind:

  • zur Grunddesinfektion am Stalleingang (Beginn Weißbereich): Benutzte und gereinigte Stiefel können Sie nach der Einwirkzeit aus der Wanne nehmen und trocknen, am besten kopfüber aufgehängt.
  • innerhalb des Weißbereichs zwischen Abteilen und Produktionsbereichen: Hier verringert eine Zwischendesinfektion durch kurzes Eintauchen der Stiefel den Erregerdruck im Bestand.

5. Verwendung von Desinfektionsmatten oder flachen Wannen

Innerhalb des Bestands sind auch Desinfektionsmatten oder flache Wannen sinnvoll. Sie gehören nicht an den Stalleingang, aber bei relativ sauberer Sohle und innerhalb des Weißbereichs bewirken sie eine gewisse Erregerreduktion. Besser ist ein Stiefelwechsel.

6. Stiefel auch zwischen Stallbereichen wechseln oder desinfizieren

Stiefel haben mit der Sohlenfläche ständig großflächigen Kontakt zu Ausscheidungen, Staub oder Erde. Eine schnelle Zwischendesinfektion zwischen den Produktionsbereichen desinfiziert sie nicht vollständig und bekämpft keine Erreger. Aber sie verhindert, dass sich allgegenwärtige und teils krankmachende Erreger ausbreiten.

7. Das richtige Desinfektionsmittel für die Stiefeldesinfektion

Verwenden Sie nur die nachweislich wirksamen Mittel der DVG-Liste mit der entsprechenden Konzentration und Einwirkzeit. Welche Mittel sich am besten eignen, hängt von der Jahreszeit und den Erregern ab.

8. Die Desinfektionslösung wechseln

Wie häufig das Desinfektionsmittel in der Desinfektionswanne ausgetauscht wird, hängt von Personenverkehr und Verschmutzung ab.

In größeren Einheiten sollten Sie die Lösung täglich austauschen, in Familienbetrieben unter Umständen nur wöchentlich – abhängig von Personenverkehr und Verschmutzung der Lösung.

9. Stiefelhygiene zum Schutz vor der ASP

Die wichtigste Maßnahme bei der ASP-Vorbeugung ist der Stiefelwechsel. Desinfizieren reicht nicht aus. Grund dafür ist die lange Überlebensfähigkeit des ASP-Erregers in tierischen Ausscheidungen und Erde.

Selbst bei einem gut gegen Schwarzwild gesicherten, eingefriedetem Betriebsgelände können Erreger in Bestandsnähe verschleppt werden.

10. Biosicherheit im Betriebsalltag leben

Alle Mitarbeiter müssen Biosicherheit im Betriebsalltag leben. Fast jeder Betrieb hat individuelle Eintragsrisiken und Anfälligkeiten. Die Desinfektion ist Teil der Vorsorge oder Bekämpfungsstrategie. Stimmen Sie daher Ihr betriebsindividuelles Hygienemanagement mit dem Tierarzt ab.

Den vollständigen Beitrag und eine Checkliste zur Stiefelhygiene finden Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 12/2021 und in der digitalen Ausgabe.

Mit Material von Dr. Maria Gellermann
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