Dr. Jürgen Güntherschütze, Christine Bremer und Barbara Otte-Kinast
Laura Schneider | am

Zurück in die Zukunft mit der Robustpute

Eine kleine Pute mit guter Mastleistung, die fit genug ist für die Freilandhaltung – das ist das Ziel des Projektes „Robustpute“.

Die heutigen Putenhybriden wurden auf Hochleistung und für die Stallhaltung gezüchtet. Für das Freiland sind sie zu empfindlich – sie sind anspruchsvoll, stressanfällig und werden schnell krank.

Diese Probleme veranlassten Öko-Landwirtin Christine Bremer aus Suhlendorf im Landkreis Uelzen, das Projekt „Robustpute“ ins Leben zu rufen. Das Ziel: Eine kleine Pute mit guter Mastleistung, die fit genug für die Freilandhaltung ist und sich auch für die Ganzkörpervermarktung eignet.

Die EU und das Land Niedersachsen fördern das Projekt. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast war vergangene Woche zu Gast auf Bremers Hof und ließ sich das Projekt bei einem Hofrundgang erläutern. Die LAND & FORST war dabei.

Hochleistungstiere mit alten Rassen kreuzen

Carolin Grieshop, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Niedersachsen (KÖN), beschreibt den Weg zur Robustpute mit den Worten „zurück in die Zukunft“: Kleinwüchsige Hochleistungstiere sollen mit Tieren alter Rassen wie Cröllwitzer oder Ronquiéres Puten gekreuzt werden.

Wie sich diese alten Rassen von den heutigen Hybriden unterscheiden, erklärte und demonstrierte Bremer der Ministerin gemeinsam mit Zoologe Dr. Jürgen Güntherschütze auf der Weide. In zwei Herden stehen hier alte Rassen und Kelly Bronze-Puten.

Die alten Rassen sind robust und anspruchslos, wachsen aber nur langsam und setzen deutlich weniger Brustmuskelfleisch an als die Hybridputen. Das Ziel der Kreuzung sind Puten mit dem guten Fleischansatz und hohen Brustfleischanteil der Mastputen, die zugleich die Robustheit und Vitalität der alten Rassen mitbringen.

Ammenhaltung als mögliche Alternative zur Handaufzucht

Die nächsten Station des Betriebsrundganges war der Aufzuchtstall. Hier zeigt sich eine weitere Besonderheit des Projektes, denn die Küken werden in verschiedenen Versuchsgruppen aufgezogen: Neben der üblichen Handaufzucht gibt es von Ammen geführte Gruppen.

Christine Bremer ist begeistert von der Ammenaufzucht: „Ich habe immer gedacht: Putenaufzucht – das kann ich richtig gut. Aber die Ammen machen mir da etwas vor. Das klappt viel besser“.

Wissenschaftler untersuchen Verhalten der Puten

Verhaltensbeobachtung via Videoaufnahmen

Alica Krasny und Dr. Jenny Stracke von der Tierärztlichen Hochschule Hannover untersuchen das Verhalten der Puten. Sie wollen herausfinden, ob die Ammenaufzucht Vorteile gegenüber der schwierigen Handaufzucht hat.

Ihre Hypothese: Die Küken aus der Ammenaufzucht zeigen eine höhere Vitalität und sind später robuster und stressresistenter. Ob das zutrifft, prüfen sie mit Videobeobachtungen und verschiedenen Verhaltenstests.

Eine Bereicherung für die niedersächsische Landwirtschaft

Ministerin Otte-Kinast zeigte sich beeindruckt davon, mit wie viel Spaß und spürbarer Begeisterung sich die Programmpartner für das Thema einsetzen. Ihr Fazit: Das Projekt kann sich zu einer Bereicherung für die niedersächsische Landwirtschaft entwickeln und eine Chance für einen neuen Betriebszweig und die regionale Vermarktung sein.

Den gesamten Artikel lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 26/2020 und in der digitalen Ausgabe.

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