Getreidelager

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Christel Grommel | am

Ukraine: Sorge um die Folgen

Der Russland-Ukraine-Konflikt ist in einen Krieg gemündet. Sorge um die Folgen gibt es bei den Bauern und in Niedersachsens Wirtschaft.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) gab eine Ad-hoc-Bewertung der Folgen auf die Agrarmärkte ab.

Landwirtschaftminister Cem Özdemir begann die Pressemitteilung emotional und mit deutlichen Worten: „Ich verurteile den russischen Angriff auf die Ukraine auf das Schärfste. Der Angriff ist in keiner Art und Weise gerechtfertigt, Putin tritt als der einzige Kriegstreiber auf und trägt für dieses völkerrechtliche Desaster die alleinige Verantwortung. Ich habe Angst um die Menschen in der Ukraine, die um ihre Freiheit und ihr Leben fürchten müssen. Mein Ministerium wird mit allen Möglichkeiten dort unterstützten, wo Hilfe gefragt und möglich ist.“

Versorgung mit Getreide sicher

Das BMEL beobachte und bewerte nun gemeinsam mit der EU die Entwicklung in der Region und die möglichen Auswirkungen auf Agrar- und Düngemittelmärkte. Die Ukraine und Russland seien bedeutende Exporteure auf dem internationalen Weizenmarkt, die EU habe jedoch einen hohen Eigenversorgungsanteil.

Für die Versorgung der Getreide- und Ölsaatenmärkte in Deutschland seien keine direkten Auswirkungen zu erwarten. Weitere Agrarmärkte oder Agrarprodukte dürften wegen eines geringen Handelsvolumens nicht betroffen sein. Weitere Unsicherheiten auf internationalen Märkten könne man nicht ausschließen, ebenso wie eine weitere Verteuerung von Lebensmitteln und Steigerung der Inflationsrate.

DBV: Sehr große Sorgen

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, geht davon aus, dass der Krieg in der Ukraine zu Turbulenzen an den Agrarmärkten führen werde. Man befinde sich derzeit in einem Blindflug, die Preisentwicklung bei Betriebsmitteln und Getreide sei nicht abzusehen. Die Situation beim Stickstoffdünger könne sich noch deutlich verschärfen. Auch Rukwied wies darauf hin, dass die Eigenversorgung mit Getreide gesichert sei.

Gasversorgung in Niedersachsen

Angesichts des Kriegs kommt nun auch das Thema Gasversorgung in Niedersachsen auf. In Niedersachsen befinden sich rund 50 Gasspeicher, aber über den konkreten Füllstand liegen dem Land keine Informationen vor. Wirtschaftsministerium und das Landesamt für Energie hätten darüber keine aktuelle Kenntnis, so die jeweiligen Sprecher. Der Füllstand des größten deutschen Speichers in Rehden im Landkreis Diepholz liegt dem Ministerium zufolge bei derzeit nur noch rund vier Prozent. Laut Wirtschaftsministerium besitze Deutschland absolut betrachtet das größte Speichervolumen in Europa. Der durchschnittliche Füllstand betrug Anfang September 2021 knapp 60 Prozent.
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Beunruhigung auch bei Grimme und Krone

Auch der Landmaschinenhersteller Grimme im Landkreis Vechta zeigte sich entsetzt über die Entwicklungen. Man müsse jetzt mit Sanktionen im Russland-Handel rechnen, was gravierend sei, weil dieser Handel bisher sehr erfolgreich gewesen sei. Möglicherweise stehe sogar ein Lieferstopp bevor. Bis auf weiteres werde man keine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Ukraine entsenden. Der Nutzfahrzeuge- und Landmaschinenhersteller Krone im Emsland hat in der Ukraine drei Vertriebsstandorte und seine Mitarbeiter bereits letzte Woche aus der Ukraine zurückgeholt.

Otte-Kinast: Niedersächsische Landwirtschaft vielfältig und robust

Im Hinblick auf die Importe aus Russland und der Ukraine machte das niedersächsische Agrarministerium (ML) jedoch auf den hohen Eigenversorgungsgrad in der Europäischen Union aufmerksam. 

Auch wenn die Eigenversorgung mit Weizen gut sei, müsse man die Märkte sehr aufmerksam beobachten, so Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast. Die Ministerin hat am heutigen Freitag ein kurzfristiges virtuelles Treffen aller Länderministerinnen und -minister unter Federführung des BMEL vorgeschlagen mit dem Ziel, sich hierzu auszutauschen und abzustimmen.

"Die Konsequenzen des Krieges werden sich weiter auf die Agrarmärkte auswirken – insbesondere bei Getreide und bei Düngemitteln, aber auch in anderen Bereichen. Der starke europäische Binnenmarkt und die Marktinstrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik wie zurzeit des russischen Handelsembargos in 2014 könnten hier gegensteuern", so Otte-Kinast. Sie machte darauf aufmerksam, dass der weit überwiegende Anteil niedersächsischer Produkte mit den unmittelbaren europäischen Nachbarn wie Frankreich und Niederlande gehandelt werde.

Mit Material von BMEL, ML, dpa, NDR

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