Interview-Vegan-Rubach-B1_CDL
Barbara Schindler | am

„Eine vegane Welt ist völlig abwegig“

Vegane Ernährung ist „in“. Zumindest sagen das die öffentliche Diskussion oder viele Marketing-Offensiven der Unternehmen. Der Ernährungsexperte Dr. Malte Rubach sieht diesen „Trend“ eher kritisch. Warum?

Herr Rubach, bei Ihnen kommen die vegane Ernährung und der „Veganjuary“ nicht so gut weg?

Ich habe gar nichts gegen den „Veganuary“, der ja besagt, dass man sich einen Monat lang vegan ernähren soll. Anfangs ging es dabei vor allem um den Gesundheitsaspekt. Inzwischen rücken aber die Umweltfolgen unserer Ernährung immer stärker in den Mittelpunkt. Damit lässt sich die Zielgruppe aus Sicht von Unternehmen, Aktivisten und digitalen Influencern offenbar noch besser mobilisieren. Dabei geht es um das gute Gewissen beim Essen. Der „Veganuary“ suggeriert: „Wenn ich noch nicht einmal diese 30 Tage ohne tierische Lebensmittel schaffe, bin ich ein schlechter Mensch“.

Welche positiven Folgen gibt es für Gesundheit und Klima, wenn mehr pflanzlich gegessen wird?

Jedes Produkt und jeder Prozess benötigt Energie, um erzeugt zu werden. Diese Energie verursacht insgesamt mehr als 80 % der weltweiten CO2-Emissionen. Die Landwirtschaft hat daran einen Anteil von etwa 12 %. Mehr pflanzliche Lebensmittel würden diesen Anteil tatsächlich senken, da ihre Produktion weniger Energie benötigt. Man darf aber nicht nur auf die Klimawirkung des einzelnen Lebensmittels schauen. Beim Frischwasserverbrauch sieht es nämlich schon wieder anders aus.

Der WWF hat für Deutschland errechnet, dass die vegane Ernährung 50 % mehr Frischwasser verbraucht als unsere aktuellen Verzehrgewohnheiten mit verhältnismäßig viel Fleisch. Das Frischwasser würde in Ländern verbraucht, in denen Wasser ohnehin eher knapp ist. Wir importieren nämlich sehr viele pflanzliche Produkte, da wir hier gar nicht genügend Anbauflächen haben. Für die Produktion tierischer Lebensmittel reichen unsere Ressourcen hingegen – inklusive Futtermittel.Die Auswirkungen unserer Ernährung auf den Planeten dürfen nicht global betrachtet werden. Jede Region in der Welt ernährt sich anders und hat andere Bedingungen zur Erzeugung von Lebensmitteln.

Wenn gesagt wird, die Landwirtschaft sei verantwortlich für 70 % des weltweiten Frischwasserverbrauchs, dann wird manchmal das Wort „weltweit“ weggelassen. Hier in Deutschland steht genug Wasser zur Verfügung, der Anteil der Landwirtschaft am Frischwasserverbrauch beträgt laut Umweltbundesamt nur 1 %. Die Fleischproduktion fällt hier kaum ins Gewicht. Das funktioniert aber nur, wenn auch die Futtermittelerzeugung schonend mit der Ressource Wasser umgeht. Das ist so, da 94 % der Futtermittel von hier kommen.

Sie argumentieren, dass man bei Vergleichen der Klimawirkung mit dem Nährstoffgehalt von Lebensmitteln rechnen muss?

Ja, oft werden Produkte aus unterschiedlichen Kategorien in eine Schublade geworfen. Statt Tiermilch mit Haferdrink zu vergleichen, müsste man die Bilanzen von Kuhmilch und Schafmilch oder Haferdrink und Sojadrink gegenüberstellen.

Auf den ersten Blick sind die pflanzlichen Drinks natürlich klimaschonender. Berücksichtigt man jedoch ihren Nährstoffgehalt, ergibt sich ein anderes Bild. Da müsste man schon sehr viel Haferdrink trinken, um auf denselben Nährstoffgehalt wie bei Kuhmilch zu kommen – und es würden immer noch Nährstoffe fehlen, die der pflanzliche Drink eben nicht liefert. Dann wäre die Klimawirkung von Haferdrink zehnmal so hoch wie die von Kuhmilch.

Ihnen gefällt diese Kurzzusammenfassung aus der digitalen Ausgabe der LAND & FORST?

Lesen Sie im ausführlichen Fachartikel, warum eine vegane Welt laut dem Experten nicht möglich ist und wie eine ideale Ernährung aussieht. Testen Sie jetzt unverbindlich die digitale Ausgabe!

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Ziegenmast als Nische
  • Gestiegene Betriebskosten abfedern
  • Wir findet man Mitarbeiter?
  • Kettensägenlehrgänge für Frauen
  • Grunddüngung im Herbst

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen