Schweinekotelett auf einem Teller - muss es nur Fleischverzicht für das Klima sein?

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Meinung | Christa Diekmann-Lenartz | am

Verzicht für das Klima: Es ist nicht nur der Fleischkonsum

Für den Klimaschutz muss mehr getan werden, das steht fest. Fragen kann man sich aber, was die richtigen Stellschrauben sind.

Um es vorweg zu sagen: Ich esse gerne ein Stück Fleisch und ich werde auch weiter mit Genuss ein Stück Fleisch essen. Obwohl ich es richtig finde, dass wir viel mehr gegen den Klimawandel tun müssen. Obwohl ich es richtig finde, dass wir viel mehr für den Umweltschutz tun müssen. Obwohl ich es richtig finde, dass jeder seinen persönlichen Beitrag zu Klima- und Umweltschutz leisten muss.

Die großen Stellschrauben angehen

Die notwendigen „großen“ Stellschrauben sind Aufgabe der Politik. Da geht es um Förderung der erneuerbaren Energien, des öffentlichen Nahverkehrs, der Elektromobilität, aber ebenso um CO₂-Bepreisung, Verbot von Einmal-Plastik usw. Die Auswirkungen der politischen Entscheidungen in Richtung Klima- und Umweltschutz merken Verbraucher in ihrem Geldbeutel. Das finde ich in Ordnung. Dass es für Personen mit wenig Einkommen Entlastungen geben muss, finde ich auch in Ordnung.

Klimaschutz: Nicht nur Fleischverzicht zählt

Nicht in Ordnung finde ich die aktuelle „Strömung“, dass dem Verbraucher vorgeschrieben wird, was auf seinem Einkaufszettel zu stehen hat, damit die Welt gerettet wird. Insbesondere soll da kein Fleisch mehr stehen. Warum steht da nicht der Verzicht auf den Drei-Tage-Trip nach Malle, auf ständig neue Klamotten „made in Bangladesh“, auf das neue Haus mit 200 qm Wohnfläche für drei Personen oder auf den 200-PS-Schlitten?

Fleischproduktion als Sündenbock

Auch für den neuen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir ist die Fleischproduktion ein Sündenbock. Dabei braucht er den Rückbau der Tierhaltung gar nicht mehr befeuern. Zumindest im Schweinebereich ist der schon in vollem Gange. Der Schweinefleischkonsum ist deutlich rückläufig. Im Januar und Februar 2022 kamen bundesweit mit 7,93 Mio. Schweinen fast 10 % weniger an die Haken als im Vorjahreszeitraum. Die Schweinefutterproduktion ist deutlich gesunken. Ställe stehen leer infolge der extremen Produktionskosten - aber auch wegen der nach wie vor bestehenden Planungsunsicherheiten.

Wenn Özdemir zum Beispiel bei seinen Vorstellungen für die geplante Haltungskennzeichnung bleibt, würde es keinen Unterschied geben zwischen konventionellen Ställen und Ställen, die den höheren Standards der Initiative Tierwohl (ITW) entsprechen. Das wäre längerfristig vermutlich das Aus für noch viel mehr Betriebe und ITW wäre „für die Katz“. Wenn das politisch gewollt ist, sollte man das einfach deutlich sagen.

Politik muss die Ideen zum Klimaschutz in der Tierhaltung umsetzen

Es gibt so viele Ideen, Neuerungen für mehr Tierwohl, aber eben auch in Sachen Emissionsminderung oder weniger Ressourcenverbrauch - gerade im Schweinebereich. Würden die „großen“ Stellschrauben in Berlin endlich festgezurrt, könnte jeder Betrieb entscheiden, ob er sich dem Markt und dem Verbraucher mit den hohen Anforderungen stellt. Das wäre Planungssicherheit für den Tierhalter und Wahlfreiheit für den Verbraucher. Dann kann der sich selbst aussuchen, ob er lieber auf Fleisch verzichtet, den Kurztrip nach Malle oder den schnellen Schlitten, um seinen Beitrag zu mehr Klima- und Umweltschutz zu leisten.

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