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ASP: Was passiert in anderen (Bundes)ländern?

Von Prävention auf Betrieben bis Schweinpestmonitoring: Niedersachsen rüstet sich gegen ASP. Was machen andere (Bundes)länder?

Niedersachsen ist auf den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest vorbereitet. Schweinehalter und –transporteure sind hinsichtlich der Hygienemaßnahmen sensibilisiert. Das Jagdgesetzt ist entsprechend novelliert, sehr große Wildschweinbestände werden ausgedünnt, das Schweinepestmonitoring wirkt als wichtiges Früherkennungssystem.

Wie sieht es eigentlich in anderen Ländern und Bundesländern aus? Nachfolgend ein paar Beispiele.

Tschechien wieder seuchenfrei

Tschechien gelang es, Infektionsherde hermetisch abzuriegeln und das ASP-Virus sogar wieder losgeworden. So erfolgreich war bisher kein anderes der in Europa vom aktuellen Seuchenzug betroffenen Länder.

Etwa ein Jahr nach einem Ausbruch im Jahr 2017 galt Tschechien jetzt als seuchenfrei.

Dänemark will seinen Schweinebestand mit einem etwa 70 Kilometer langen Zaun entlang der Grenze zu Deutschland schützen. Dieser ist in diesen Tagen fertiggestellt worden - nach zehn Monaten Bauzeit. Der Zaun ist 70 km land un verläuft von der Nord- bis zur Ostsee. Kostenpunkt: Fast elf Millionen Euro. Das Bauwerk verfügt über 20 permanente Öffnungen für Grenzübergänge und größere Wasserläufe.

Der Effekt des Zauns wird von Experten infrage gestellt: Sie halten vor allem die Übertragung durch das Zutun des Menschen für das Hauptproblem im Kampf gegen die ASP. Über weggeworfene Brote mit Wurst aus dem Fleisch infizierter Tiere sowie den Schlamm in Radkästen von Autos oder in Schuhprofilen kann das Virus in zuvor nicht betroffene Gegenden eingeschleppt werden.

Hund für Kadaversuche im Saarland

Mecklenburg-Vorpommern hat 50 Kilometer Elektrozaun angeschafft, um im Ernstfall, wie in Tschechien, den Seuchenherd abzuschirmen und alle Wildschweine in dem Gebiet zu erlegen.

Im Saarland wurden Hunde speziell für die Kadaversuche geschult, um an Schweinepest verendete Wildschweine im Gelände schnell finden zu können.

Binnen eines Jahres fast in ganz China

Deutschland blieb von der Seuche bisher verschont. Doch Fälle in Polen nahe der Grenze zu Brandenburg verstärken die Sorge vor einer Einschleppung gerade wieder. Die Angst ist berechtigt: Einmal im Land, lässt sich das Virus nur schwer wieder tilgen.

Binnen eines Jahres breitete sich der für Haus- und Wildschweine tödliche Erreger in großen Teilen Chinas und Vietnams aus. Auch Osteuropa, Russland, die Mongolei, weitere asiatische und viele afrikanische Staaten sind betroffen.

In China, dem weltweit größten Produzenten und Konsumenten von Schweinefleisch, schätzen Experten den direkten wirtschaftlichen Schaden durch ASP bereits auf umgerechnet rund 127 Milliarden Euro. Die Hälfte des chinesischen Schweinebestandes fiel der Seuche zum Opfer. Ende vergangenen Jahres war er noch auf 300 bis 350 Millionen Tiere geschätzt worden.

Kontinente Australien und Amerika ASP-frei

„Nur die Kontinente Australien und Amerika sind noch frei“, sagt der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) bei Greifswald, Thomas Mettenleiter. Die Erforschung der für Menschen ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest (ASP) sei in den vergangenen Jahren zu einem Schwerpunkt der Arbeit des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems geworden.

Während in Afrika blutsaugende Lederzecken für die Verbreitung des Erregers sorgen, sind es in Europa und anderswo Blut und Körperflüssigkeiten infizierter Tiere.

In Osteuropa zeigt sich eine Zweiteilung: In den baltischen Staaten, Polen und Ungarn seien überwiegend Wildschweine erkrankt, in Rumänien und Bulgarien überwiegend Hausschweine. Der FLI-Präsident führt die hohe Zahl an Ausbrüchen auf die vielen Klein- und Kleinsthaltungen mit geringerem Seuchenschutz zurück. Eine deutliche Zunahme der Fälle in Europa registrierte das Institut seit 2018 nicht.

Erreger durch Menschen weitergetragen

Dass die Afrikanische Schweinepest Deutschland noch nicht erreicht hat, ist nach Ansicht Mettenleiters „reines Glück“. Der Ausbruch 2018 in Belgien bei Wildschweinen hätte demnach auch hierzulande passieren können.

Der Fall weit weg von anderen Seuchengebieten gilt als ein weiterer Beleg dafür, dass der Erreger vor allem durch den Menschen weitergetragen wird. Wildschweingebunden würde sich die Seuche lediglich 15 bis 20 Kilometer pro Jahr ausbreiten.

Das Virus, das die Afrikanische Schweinepest auslöst, greift die Blutgefäße und Immunzellen an, es kommt zu Blutungen. Manchmal schon nach 48 Stunden, oft nach etwa einer Woche sind die Schweine tot.

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