Mischwald im Herbst
Anne-Maria Revermann | am

Klimastabile und strukturreiche Mischwälder für Niedersachsen

Barbara Otte-Kinast hat zur gemeinsamen Pflanzaktion eingeladen, um auf die veheerenden Waldschäden aufmerksam zu machen.

Die niedersächsischen Waldbesitzer blicken auf zwei katastrophale Jahre in Folge zurück. Stürme, Hitze, Dürre und viele Millionen Borkenkäfer haben landesweit verheerende Waldschäden in nie gekanntem Ausmaß hinterlassen. Waren zunächst Fichtenwälder betroffen, verschlechtert sich der Zustand inzwischen verstärkt auch in den heimischen Kiefern-, Buchen und Eichenwäldern. Das fortdauernd sehr warme und vor allem trockene Wetter führte zu dieser katastrophalen Situation. Wie dramatisch die Lage ist, beweisen diese Zahlen: Allein in diesem Jahr sind auf diese Weise bereits weit über 3,5 Mio. m³ Schadholz und rund 10.000 Hektar baumloser Fläche in Niedersachsen entstanden. Betroffen sind Landeswälder und Privatwälder gleichermaßen, wobei noch mit weiteren Schadensmeldungen bis zum Jahresende zu rechnen ist.

Um auf die Situation aufmerksam zu machen und einen Beitrag zur Wiederaufforstung der Wälder zu leisten, hat Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutzverbänden zu einer gemeinsamen Pflanzaktion eingeladen.

Zusammen mit den rund 50 Gästen griff die Ministerin zum Spaten und pflanzte junge Stieleichen im Wald des Niedersächsischen Forstamtes Wolfenbüttel. Ministerin Otte-Kinast: „Trotz der katastrophalen Lage ist es wichtig, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Mit der Pflanzaktion will ich ein Zeichen für den Wiederaufbau unserer Wälder setzen."

Waldschäden auf Niveau von 1984

Wie verheerend die Schäden in den niedersächsischen Wäldern sind, zeigt auch der Waldzustandsbericht 2019, den die Ministerin gemeinsam mit Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten, vorgestellt hat. Ausführlich einzusehen ist der Waldzustandsbericht 2019 auch hier. Dieser belegt: Die Lage hat sich dramatisch zugespitzt. „Die starken Schäden und die Absterberate der Waldbäume sind 2019 auf das Niveau von 1984 geklettert und haben die damaligen hohen Werte teilweise noch übertroffen", so Otte-Kinast.

Das Problem: Das zweite Jahr in Folge war es deutlich zu warm und zu trocken. Es fielen nur 85 Prozent des langjährigen Niederschlagssolls. Das Niederschlagsdefizit hat landesweit seine Spuren hinterlassen. Die Schwerpunkte der Schäden lagen in Ostniedersachsen und im niedersächsischen Bergland.

Standortangepasster, klimastabiler und strukturreicher Mischwald

Das Ziel Niedersachsens ist ein standortsangepasster, klimastabiler und strukturreicher Mischwald. „Dazu will ich gemeinsam mit Waldbesitzenden und Forstleuten den Waldbau nachjustieren. Unsere Förderangebote unterstützen den Privat- und Kommunalwald bei dieser gesellschaftlichen wichtigen Aufgabe, und auch die Landesforsten brauchen unsere finanzielle Unterstützung", erläuterte Otte-Kinast.

Und Niedersachsen fängt hier nicht bei null an: Der Waldumbau nach dem Programm zur „Langfristigen Ökologischen Waldentwicklung" (LÖWE) wird bereits seit drei Jahrzehnten umgesetzt und nun weiter konkretisiert. So wird künftig das pflanzenverfügbare Wasser im Boden die entscheidende Rolle bei der Baumartenwahl spielen. Daher konzentriert sich die Standortkartierung im Privatwald derzeit auf Waldbestände mit künftigen Kulturflächen. Die neue Richtlinie für die klimaangepasste Baumartenwahl in den Niedersächsischen Landesforsten stellt die Weichen für die Entwicklung betriebssicherer Wälder und blickt mit Klimaprojektionen bis 2070 weit in die Zukunft.

Weißtannen, Japanlärchen, Buchen

Die Richtlinie ist auch Basis für die Förderrichtlinien im Privatwald. Reiner Fichtenwald wird in der künftigen Waldbauplanung keinen Platz mehr haben. Stattdessen stehen nun zusätzlich Weißtannen, Küstentannen und Japanlärchen, gemischt mit Buchen und weiteren Baumarten, aufgrund ihrer großen Klimaanpassungsfähigkeit neu im Katalog der so genannten Waldentwicklungstypen. Die Wiederbewaldung der Kahlflächen in Niedersachsen wird mehrere Jahre in Anspruch nehmen, der Waldumbau mehrere Jahrzehnte.

Ministerin Otte-Kinast: „Wenn wir weiter gemeinsam anpacken, werden wir die Leistung unserer Wälder für Forstwirtschaft, Natur und Erholung wiederherstellen, erhalten und verbessern!"

Mit Material von Nds. Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

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  • Betrieb: Bilanzen für das Wirtschaftsjahr 2018/19
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