Dr. Holger Hennies und Karl-Friedrich Meyer.
Ellen Hartmann | am

Landvolk Niedersachsen erwartet Getreideernte im "oberen Drittel"

Zwar gab es in diesem Jahr viel Frost, Nässe und Starkregen, doch das Landvolk Niedersachsen erwartet dennoch eine gute Getreideernte. Grund dafür sind die hohen Niederschlagsmengen sowie ausreichend Sonne und Wärme. Zeit zum Jubeln ist aber nicht.

"Wir befinden uns mit der Ernteerwartung im oberen Drittel gemessen am langjährigen Durchschnitt", sagte Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies bei der offiziellen Schätzung auf Burg Warberg im Landkreis Helmstedt, an der auch Experten, Händler und Mitglieder des Landvolk-Ausschusses teilnahmen. Hennies bewertete vor Ort "das politische Risiko größer als das Wetterrisiko". Denn durch immer mehr Auflagen und Gesetze stünden die Landwirtinnen und Landwirte unter enormem Druck. 

Trotz guter Prognose, "wir jubeln nicht".

Auch wenn die Lage aufgrund steigender Preise in den Ackerbauregionen derzeit eher positiv sei, müssten gerade die Tierhalter mit hohen Futterpreise und niedrigen Fleischpreise umgehen. "Wir jubeln nicht, weil wir ganz klar mehr Wertschöpfung brauchen und die Landwirte auf der Kostenseite entlasten müssen", macht Hennies deutlich. Gerade die Folgen der Düngeverordnung machen Hennies und dem Pflanzenausschuss-Vorsitzenden Karl-Friedrich Meyer Sorgen. Der Proteingehalt im Weizen werde weiter sinken - was wiederum den Verkauf an die Mühlen erschweren werde, weil diese auf gewisse Qualitätsstandards angewiesen seien. Auch wenn Niedersachsen in den vergangenen Jahren die Stickstoffüberschüsse auf 30 Kilogramm Stickstoff je Hektar reduziert habe, gebe es weiterhin zu viele "rote Gebiete". 

"Klima- und Naturschutz muss mit der Landwirtschaft einhergehen"

"Klima- und Naturschutz muss mit der Landwirtschaft einhergehen", so der Landvolkpräsident. "Wir brauchen keine Extensivierung, sondern eine nachhaltige Intensivierung der Produktion, damit nicht anderswo auf der Welt die Flächen gerodet werden. Die heimische Landwirtschaft muss gestärkt werden, damit nicht noch mehr importiert werden muss." Das sieht auch Karl-Friedrich Meyer so: "Wir bauen an, was gebraucht wird. Aber wir müssen unsere guten Böden auch nutzen dürfen; die Rahmenbedingungen müssen stimmen." 

Händler und Getreideverarbeiter sind optimistisch

Bei dem Treffen auf Burg Warberg zeigten sich auch Händler und Getreideverarbeiter optimistisch für eine ordentliche bis sehr ordentliche Ernte 2021. In letzter Zeit seien auch wieder Weizenmengen auf den Markt gekommen, mit denen weder Mühlen noch Agrarhändler gerechnet hätten. Zusätzlich, als vor zwei Wochen der A-Weizen knapp war, können Landwirte nun wieder bessere Qualitäten an ihre Tiere verfüttern. Damit sei die Deckung mit Getreide bis zur Ernte in rund zwei Wochen gesichert. Allerdings würden die Preise momentan stark schwanken: Noch Mitte Juni lag die Futtergerste bei 270 Euro pro Tonne, nun bei 220 Euro. Für neuen Weizen zahlen die Verarbeiter jetzt 210 Euro je Tonne. 

So viel Getreide wird in Niedersachsen angebaut

In Niedersachsen beträgt die Anbaufläche von Getreide für die Ernte 2021, nach der Aussaat 2020, insgesamt 760.000 Hektar - Körnermais ausgenommen. Somit bleibt der Wert auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. Winterweizen wird bei uns auf rund 354.200 Hektar angebaut, im vergangenen Jahr waren das noch 340.600 Hektar. Die Fläche beim Sommerweizen ist von 5.600 auf 1.800 Hektar gesunken, die Sommergerste von 43.200 auf nur noch 28.700 Hektar. Allerdings sind der Anbau von Körnermais (plus acht Prozent) und Erbsen (plus 20 Prozent) gestiegen. Ebenfalls einen Zuwachs verzeichnet der Winterraps (plus acht Prozent). Schaut man auf ganz Deutschland zeigt sich ein ähnliches Bild, hier ist jedoch vor allem der Anbau von Hafer gestiegen. Grund für die regional unterschiedlichen Erntebedingungen sei die Niederschlagsmenge, heißt es vom Landvolk Niedersachsen. Diese sei bei uns aber ausgeglichen. Nur im Wendland sei der Boden bereits "knochentrocken und hart". 

Mit Material von LPD
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