Werksgelände Tönnies
Meinung | Maren Diersing-Espenhorst | am

Corona-Ausbruch bei Tönnies: Mehr als Nein! fällt mir nicht ein...

Was beim Schlachtunternehmen Tönnies passiert ist, macht fassungslos. Die Ursachen müssen lückenlos aufgeklärt werden.

Moin liebe Leserinnen und Leser, ich muss an dieser Stelle meine knapp zweijährige Nichte zitieren: „Nein!“ Das ist mit Abstand ihr Lieblingswort und sie setzt es bei jeder Gelegenheit gerne und oft ein. In diesem Fall möchte ich mich ihr anschließen: Nein. Was da bei dem Schlachtunternehmen Tönnies in Rheda-Wiedenbrück passiert ist, ist unbegreiflich und verdient nicht weniger als ein „Nein!“

Das ist kein Spaß!

Die Coronapandemie stellte und stellt uns alle vor unglaubliche Herausforderungen. Sei es nun, dass wir unsere Familienangehörigen und Freunde nicht mehr wie gewohnt sehen konnten, Kinder nicht mehr zur Schule oder in den Kindergarten durften oder – und das hat uns wohl alle am stärksten betroffen und wird uns noch lange Zeit beschäftigen – dass nahezu die gesamte Wirtschaft runtergefahren wurde. Das passierte nicht zum Spaß!

Es geht um Menschenleben

Es ging darum, Menschenleben zu schützen. Deshalb macht mich die Situation in Rheda-Wiedenbrück so fassungslos. Etwa 7.000 Menschen stehen im Kreis Gütersloh unter Quarantäne – das ist eine ganze Kleinstadt – und über 1.500 Mitarbeiter von Tönnies hatten sich, so der Stand Anfang dieser Woche, mit Covid-19 infiziert. Die Situation war so angespannt, dass die Bundeswehr um Hilfe bei den Reihentests gebeten wurde. Das Rote Kreuz und die Malteser, die bisher halfen, stießen an ihre Grenzen. Kein Wunder, mussten doch täglich 1.500 bis 2.000 Mitarbeiter auf das Virus getestet werden.

Schlachtungen gestoppt

Die Schlachtung wurde an dem Standort gestoppt und verursachte bei vielen Mästern Sorgenfalten. Denn schließlich schlachtet der Betrieb in Rheda täglich 20.000 Tiere. Die Befürchtung war, dass schlachtreife Schweine nicht abgeliefert werden könnten. Diese Angst ist nicht ganz unbegründet. Die Tiere sollen, so der Plan, vorübergehend an andere Standorte gehen, aber auch hier sind die Kapazitäten begrenzt. Mal sehen, wie gut diese Umverteilung laufen wird.

Wie konnte das passieren?

Es bleibt die Frage, die wir uns wahrscheinlich alle stellen: Wie konnte das passieren und vor allem so massiv? Hat das Unternehmen nicht alles unternommen, um seine Mitarbeiter zu schützen? Haben die Mitarbeiter sich nicht an die Handlungsanweisungen gehalten? Reichen die Regeln und Verordnungen schlicht nicht aus?

Wie geht es weiter?

Und: Was passiert, wenn zeitnah in anderen Schlachthöfe Corona ausbricht? Was ist, wenn der aktuell betroffene Tönnies-Schlachthof längere Zeit geschlossen bleiben muss? Und welche langfristigen Folgen hat dieser aktuelle Fall für die Fleischbranche und vor allem für die Mäster? Die Schweinefleischerzeugung ist ein exakt getaktetes System und daher störanfällig. Wenn ein paar Zahnräder ausfallen, kann das System zusammenbrechen.

Noch ungeklärte Fragen

Aber es geht hier um Lebewesen. Sind die Ställe voll, da Tiere nicht verkauft werden können, drohen Tierschutzprobleme. Es gibt so viele ungeklärte Fragen. Deshalb halte ich es für zwingend notwendig, dass die Ursachen dieses Ausbruchs lückenlos aufgeklärt werden, damit so etwas nie wieder passiert. Ein „Nein“ darf in diesem Fall nicht gelten!

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