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Renate Bergmann | am

Direktvermarktung: Vom Land in die Stadt

Verbraucher finden immer mehr Gefallen daran, Fleisch direkt vom Erzeuger zu kaufen. Für Städter oft ein langer Weg zum nächsten Hof. Deswegen kommen „Wester & Vater“ mit ihrem Rindfleisch in die Stadt.

Die Wände in einem unaufdringlichen Anthrazit, Boden und Regale aus Holz – das kleine Feinkostgeschäft in der List in Hannover vermittelt schon beim ersten Schritt über die Türschwelle eine edlen Eindruck. Lässt man den Blick schweifen, merkt man: Hier hat sich jemand nicht nur viele Gedanken gemacht, sondern auch viel Herzblut reingesteckt.

Rindfleisch selbst vermarkten

Dieser „Jemand“ ist Dr. Jens Wester. „Ganz am Anfang stand nur die Idee: Wir wollen unser hochwertiges Rindfleisch selbst vermarkten, und zwar komplett, vom Kopf bis zum Schwanz. Jetzt ist aus der Idee unser Feinkostgeschäft "Wester & Vater" geworden, das super bei den Kunden ankommt“, sagt der promovierte Agraringenieur zu recht mit Stolz.

Transparenz ist für Kunden wichtig

Ohne Zwischenhändler und im direkten Kundenkontakt, gerade zur Zeit der Pandemie merkte man ein zunehmendes Interesse der Verbraucher an hochwertigem Fleisch. Für Qualität zahlen Kunden mehr Geld, aber sie wollen auch mehr wissen. Wo kommt das Fleisch her, wo und wie werden die Tiere gehalten, was bekommen sie zu fressen?

Diese Fragen sind für Wester ebenso wie für seine zwei Angestellten in dem kleinen Geschäft kein Problem. Im Gegenteil, sie freuen sich über das Interesse: „ Wir bieten Transparenz: Wir können dem Käufer Informationen über die Haltung und Herkunft jedes einzelnen Tieres geben. Das wird wertgeschätzt“.

Esterwegen-Wester-Hannover
on_Beef-Kings-Bötenberg-Rindfleisch-Gruppenfoto

Rinderzucht mit Herz

Das Fleisch stammt aus der eigenen Angus-Zucht. Die Mutterkuhherde steht etwa 200 km von Hannover entfernt im nördlichen Emsland und wird im Wesentlichen von Wester Senior betreut.

Ewald Wester war bis zu seiner Pensionierung vor ein paar Jahren im öffentlichen Dienst tätig, doch der Rinderzucht gehörte schon immer sein Herz. Angefangen hatte er in den 1990er Jahren mit einer Galloway Herde, sein ganzer Stolz.

Doch dann kam BSE, alle Tiere waren mit einem Schlag weg und mit der Zucht war Schluss. Doch die Rinder ließen ihn nicht los, ohne ging es einfach nicht. Bald schon baute sich Ewald Wester eine neue Herde auf, diesmal mit deutschen Angusrindern. Eine Rasse, die gut auf die moorigen und anmoorigen Standorte im nördlichen Emsland passt, getreu Westers Motto: Artgerecht ist gerecht. „Unsere Tiere können das ganze Jahr auf der Weide bleiben“, erklärt Ewald Wester, „sie bekommen Gras und je nach Jahreszeit werden sie mit Gras- oder Heusilage zugefüttert.“ 

Gut 30 ha stehen den Tieren zur Verfügung, rund 50 Prozent davon sind Naturschutzgebiet. Das bedeutet, dass die Flächen extensiv bewirtschaftet werden, ohne Pflanzenschutzmitteleinsatz und teilweise ohne zusätzlichen Mineral,- und/oder Wirtschaftsdünger.

Ganzjährig auf der Weide

Westers halten im Schnitt zehn bis fünfzehn Mutterkühe, plus Nachzucht, der Bulle läuft auf der Weide mit. Bis zur Schlachtung mit mindestens zweieinhalb Jahren bleiben die Jungtiere auf der Weide, dann geht es zu einem Schlachtbetrieb in der Nähe. Das Fleisch hängt dort gute drei Wochen ab, bis es portioniert und vakuumiert wird, um dann schockgefrostet nach Hannover gebracht zu werden.

Warum gefroren und nicht frisch? Eine Frage der Logistik. Das Fleisch muss zum einen aus dem Emsland nach Hannover gebracht werden. Zum anderen werden auch nicht alle Teile gleich schnell verkauft. Edelteile sind in der Regel schnell weg, andere Teile brauchen länger. Frisch ist das ganze Sortiment nicht so lange haltbar und es müsste Ware entsorgt werden, dass soll auf keinen Fall geschehen. Ein weiterer Vorteil für die Kunden: Sie können Ware vorbestellen, die dann, gefroren zum Paket zusammengestellt, auf sie wartet. Der Kunde kann dieses abholen, wie es seine Zeit erlaubt, nichts verdirbt bis dahin.

Direktvermarktung in Eigenregie

Und wie entstand nun die Geschäftsidee des Rindfleischverkaufs? „Da mein Vater eine Zuchtherde aufgebaut hatte und diese Tiere unter Züchtern sehr begehrt sind, wurde natürlich nur sehr selten mal eins geschlachtet“, erinnert sich Jens Wester. Aber wenn, dann war das Fleisch sehr begehrt. Natürlich auf Westers Familienfeiern, aber auch bei Grillfeten an der Bonner Uni, wo Jens Wester zu der Zeit noch arbeitete.

„Die Resonanz der Kollegen war super", so Wester, und so reifte langsam der Gedanke an eine Vermarktung. Aber nicht über den Handel; zu viele Zwischenhändler, die mitverdienen, zu viele Vorgaben, zu viel Abhängigkeit. Alles sollte in Eigenregie geschehen, von der Rinderhaltung im Emsland bis zum Verkauf des ganzen Tieres. Letzteres war den Westers enorm wichtig. Schließlich besteht ein Rind nicht nur aus Steaks.

Keine Massenware

Mittlerweile gibt es weitere Produkte im Laden: Wein einer kleinen Winzerei in Rheinland-Pfalz, Olivenöl einer Bekannten aus Kroatien, Nudeln aus Italien, Würzpasten aus dem Emsland, Soßen, Marinaden und mehr. Und immer bekommt der Kunde passende Informationen zu seiner Wahl. Welche Marinade zu welchem Stück passt oder wie es zubereitet werden sollte.

Das kleine Ladengeschäft wurde von Grund auf renoviert, bevor es losging, alles in Eigenleistung. „Alles, was man im Laden sieht, vom Boden über die Wände bis zu den Holzregalen und der Theke ist selbst konzipiert und gestaltet“, erläutert Jens Wester. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer ein gutes landwirtschaftliches Produkt und was Besonderes sucht, ist beim Erzeuger immer richtig, so wie bei „Wester & Vater“.

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