Kleines gebundenes Buch Kleiner Prinz
Margot Bischof : | am

Emsland: Bücher binden auf dem Bauernhof

Traditionelles Handwerk auf einem landwirtschaftlichen Betrieb: Heide Suhls Buchbinderei steht auf dem Milchviehbetrieb ihres Mannes im Hüven. Bücher binden mit Blick auf den Kuhstall.

Wenn Heide Suhl morgens das Haus verlässt, ist sie nach ein paar Schritten schon an ihrem Ziel, in ihrer Buchbinder-Werkstatt, angekommen. Ihr Mann Heiner Ostermann steht um diese Zeit schon im Stall, um die Kühe zu melken. Durch das Fenster können sie sich fast bei der Arbeit zuschauen. Denn Heide Suhls Buchbinderei steht mitten auf ihrem Bauernhof in Hüven im Emsland.

Buchbinderin Heide Suhl beim Buchrücken einbinden

Doch wie kommt man bitte zu einer Buchbinder-Werkstatt auf einem Bauernhof? Die Liebe hat Heide Suhl einst den Weg geebnet – die Liebe zu ihrem Mann, aber auch die Liebe zu ihrem Beruf. Als sie entschied Buchbinderin zu werden, zieht sie 1988 aus dem Emsland nach Hannover und macht dort in einer Buchbinderei eine dreijährige Ausbildung in dem traditionellen Handwerk. Sie wechselt nach Lübeck und darauf nach Harpstedt bei Bremen, wo sie ihre Meisterprüfung ablegt. „Aber dann konnte ich da nicht bleiben“, blickt Heide Suhl zurück. „Denn zu der Zeit kannte ich auch schon meinen Mann.“ Und der ist mit seinem Hof fest verbunden. „Die Kühe konnten wir ja nicht mitnehmen“, sagt sie schmunzelnd. Umgekehrt will auch sie ihren Beruf nicht aufgeben. So wird das kleine Holzhaus, indem sich ihre Werkstatt befindet, einfach auf den Hof gebaut.

Antiquarische Bücher werden restauriert

Wenn Heide Suhl Beispiele ihrer Arbeit aus den vergangenen Jahren zeigt erkennt man, wie viel Sorgfalt und Ideenreichtum in ihrem Handwerk stecken. Der Inhalt für den Buchblock wird meistens von den Kunden geliefert. „Ich brauche nur ein paar Blätter, dann gestalte ich das Drumherum“, sagt die Buchbinde-Meisterin. Und dabei entstehen wunderschöne Einzelstücke: Familien-Chroniken, Gäste- und Hochzeitsbücher. Restauriert werden auch alte Bücher, schon häufiger hat sie antiquarische Exemplare von der Kochbuchautorin Henriette Davidis bekommen, deren Kochbücher waren im späten 19. Jahrhundert in vielen Haushalten beliebt. 

Uniarbeiten bindet sie genauso wie Lederbücher

Steuerberater und Rechtsanwälte bringen ihre Fachzeitschriften und Studenten ihre Bachelor- und Masterarbeiten. Doch wer sich hier umschaut, entdeckt noch viele weitere Schätze. Da gibt es die drei Miniaturarbeiten, bestehend aus einer kleinen Schachtel mit Spieluhr, einer weiteren mit winzigen Whisky-Flaschen und dem Doppelbuch für Englisch und Deutsch. Das Büchlein „Der kleine Prinz“ wurde in echtes Leder eingebunden, die Figur von Hand als Lederauflage gefertigt. Schrift und bunte Sterne sind eine Prägung.

Wie wird eine Buch-Einband gefertigt?

Zurzeit ist sie dabei eine Sammlung von Tageszeitungen für eine Bücherei mit einem Einband zu versehen. Als erstes werden die Seiten in Reihe gebracht, dann gepresst und der Rücken aufgetrennt. Dann wird Kaltleim aufgetragen, dieser Vorgang ist typisch für die Arbeit von Hand, denn auf diese Weise wird jedes Blatt einzeln verklebt. „Das sind die Kleinigkeiten, die das Handwerk ausmachen“, sagt Heide Suhl. Danach ruht die Arbeit. „Es muss richtig trocken sein, dann mache ich den Einband.“ Dafür verwendet sie verschiedene Materialien. Papier gibt es in vielen Farben und Mustern, ein hohes Regal ist gefüllt mit aufgerolltem Gewebe, teils auch mit Kunststoffbeschichtung. Abschließend kann der Buchdeckel mit einem Schriftzug oder Wort geprägt werden.

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