Wolf auf Waldweg
Christel Grommel | am

Emsland: Lies verteidigt Wolf-Abschuss

Aus dem Rudel Herzlake im Emsland wurde in der Nacht zu Donnerstag ein Wolf entnommen. Hier wurden seit 2018 ca. 500 Schafe von Wölfen getötet. Für den Abschuss lag eine Genehmigung vor. Die Tötung war erforderlich, so Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies.

Der Wolf-Kadaver wurde in der vergangenen Woche vom NLWKN geborgen. Eine genetische Untersuchung zur Identifizierung des Wolfs wird eingeleitet. Der Vollzug wurde vor Ort von den zuständigen Kreisjägermeistern koordiniert. Für den Abschuss lag eine bis zum 15. April geltende Ausnahmegenehmigung vor.

"Es müssen einzelne Wölfe entnommen werden"

Niedersachsens Umweltminister, Olaf Lies, betonte am Mittwoch (17. Februar) im Landtag Hannover, dass die Tötung des Wolfes erforderlich war, da Wölfe aus dem Rudel Weidetiere in großer Zahl gerissen haben.

Nach Angaben von Lies sei vom Umweltministerium zuvor sorgfältig geprüft worden, ob Zäune überwunden wurden, wie groß der Schaden ist und ob dieser schwerer wiegt als der hohe Schutzstatus des Wolfes.

"Wenn wir mit dem Wolf leben wollen, dann gehört zu dieser neuen Normalität eben auch der Umstand, dass der Bestand reguliert und gelegentlich einzelne Tiere entnommen werden", so Lies nach Angaben des NDR.

500 Schafe von Wölfen getötet

Hintergrund: Aufgrund zahlreicher Risse wurde vom NLWKN am 20. März 2020 eine Ausnahmegenehmigung zur Tötung eines weiblichen Wolfs (Fähe) des Rudels Herzlake erteilt.

Seit Ende 2018 wurden im Territorium des Rudels Herzlake ca. 500 Schafe von Wölfen getötet. Mehrere Tiere des Rudels überwanderten mehrfach den Herdenschutz, der durch 120er Zäune und Herdenschutzhunde gegeben war. 

Zudem kam es nachweislich zu zahlreichen, weiteren Rissen in Deichnähe. Dabei entstand alleine bei einem Schäfer ein Schaden von bislang 50.000 Euro. Letzte Risse an Nutztieren fanden am 10. Oktober und 12. November 2020 statt.

Eine Ausnahmegenehmigung gibt es auch für den Rodewalder Rüden. Ob derzeit aktiv versucht wird, einen Wolf aus diesem Rudel zu entnehmen, ist unklar. Das Umweltministerium konnte dazu keine Angaben machen.

Kritik von Umweltverbänden und Grünen

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Martin Bäumer begrüßte die Entnahme: "Wir haben immer gefordert, dass auffällige Wölfe konsequent entnommen werden. Es ist gut, dass der Staat hier gezeigt hat, dass er handlungsfähig ist. Ein Leben mit dem Wolf ist möglich, funktioniert in unserer Kulturlandschaft aber nur mit konsequentem Handeln."

Kritik kam von den Umweltverbänden WWF und NABU. Sie kritisierten, dass niemand wisse, wie viele und welche Tiere auf den "geheimen Abschusslisten" der Landesregierung stünden. 

Informationen über sogenannte "Ausnahmegenehmigungen vom strengen Schutz" würden unvollständig herausgegeben und Auskunft über die betroffenen Landkreise und Wolfsindividuen werde verweigert. Auch sei der Herdenschutz nicht ausreichend. 

Der WWF kündigte darüber hinaus an, juristisch prüfen zu lassen, inwieweit das Land Niedersachsen zu mehr Transparenz gezwungen werden könne. Des weiteren habe der NABU bereits eine Beschwerde bei der EU eingereicht, in der auf die Mängel in der neuen Wolfsverordnung Niedersachsens hingewiesen wird. 

Auch die Grünen brachten Kritik an. Der Abschuss eines Wolfes sei "kein guter Tag für den Artenschutz in Niedersachsen", so Landtagsabgeordneter Christian Meyer. Durch die "Geheimniskrämerei" des Umweltministeriums habe man nicht überprüfen können, ob die strengen Voraussetzungen für die Tötung des Wolfs vorgelegen hätten.

Mit Material von MU, CDU, dpa, NABU, NDR
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