Beregnung eines Ackers
Edith Kahnt-Ralle | am

Emsland: Nachhaltiges Wassermanagement gefragt

Der Klimawandel fordert seinen Tribut. Alle Wassernutzer müssen sich Gedanken über ein nachhaltiges Wassermanagement machen. Das können sie am besten gemeinsam tun. Fazit vom 20. Forum der Emsländischen Landwirte in Meppen.

Wasser und Klimaschutz, zwei Themen, von denen die Landwirtschaft zum einen mehr oder weniger stark betroffen sind oder sein werden, für die zum anderen die landwirtschaftlichen Betriebe aber auch mit verantwortlich sind, standen im Mittelpunkt des 20. Forum Emsländischer Landwirte in Meppen.

„Bisher mussten wir im Emsland dafür sorgen, das Wasser aus der Region abzuleiten, spätestens seit den Trockenjahren 2018/19 müssen wir uns darum kümmern, Wasser hier in der Region zu halten“, umschrieb Hermann Hermeling, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), eingangs die Situation.

Hitze- und Wasserstress

Seit 1881 ist laut Anke Paulsen (Landwirtschaft und Klimaschutz) die mittlere Temperatur um 1,5 °C angestiegen und die Niederschläge, vornehmlich im Winter, um 15 %. Als weiteren Indikator des Klimawandels wird auch der Beginn der Haselblüte herangezogen. Dieser habe sich um 16 Tage nach vorne verschoben. Ohne das vereinbarte Klimaschutz-Szenario wird die Temperatur bis 2050 um weitere 1,4 °C steigen, mit Klimaschutzmaßnahmen um 0,9 °C lauten die Prognosen. Bis 2100 muss trotz Klimaschutzmaßnahmen mit einer um 1 °C höheren Jahres Mitteltemperatur gerechnet werden, ohne Maßnahmen mit 3,5 °C.

Für unsere Nutztiere bedeutet das Hitzestress und einen höheren Energieverbrauch zur Temperaturregulierung. Die Latte der Auswirkungen auf den Pflanzenbau ist sehr lang und reicht von Wasserstress bzw. Überangebot von Wasser bis hin zu neuen Schädlingen und Unkräutern sowie einer veränderten Wirkung der Pflanzenschutzmittel.

Einzelmaßnahmen mittlerweile effektlos

Die Latte der Klimaschutzmaßnahmen, die Anke Paulsen vorstellte, liest sich dann ebenfalls sehr lang. Mit Einzelmaßnahmen ist hier nichts mehr zu gewinnen, es muss ein ganzes Paket her, um den Klimawandel zu bremsen:

  • Stickstoffüberschüsse senken und damit das gefährliche Lachgas vermeiden,
  • energetische Nutzung von Wirtschaftsdüngern, aber auch die Energieeffizienz erhöhen,
  • Emissionen senken,
  • Schutz von Moorböden und Dauergrünland als CO2-Speicher,
  • auf Ökolandbau umstellen, oder viel besser Erkenntnisse aus dem Ökolandbau nutzen,
  • Wälder nachhaltige bewirtschaften und Holz als Bauholz, nicht als Brennholz nutzen,  
  • mit dem Luxusdenken aufhören und Lebensmittelabfälle vermeiden.

Wie so oft, ist der Mittelweg laut Paulsen der richtige und Klimaschutz ohne die Landwirtschaft als größtem Bodennutzer sei überhaupt nicht möglich, gleichwohl ist eine Landwirtschaft ohne Klimagasausstoß auch nicht möglich.

Landwirtschaft mit Klimacheck

Es ist die Hauptaufgabe der Landwirtschaft, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu erzeugen. Das sollte allerdings nicht mehr ohne einen Klimacheck auf dem eigenen Betrieb passieren.

Als Tool bietet die LWK den Klimacheck Tekla an. Hier werden Daten erfasst, die auf dem Betrieb sowieso da sind. Betriebe, die den Check bereits gemacht haben, stellen fest, dass er dem Betrieb auch Ansätze zur Verbesserung der Produktion gibt.

So eine Datensammlung liefert auch wertvolle Daten für Politik und Medien. Paulsen: „Jeder Betrieb hat seinen Klimarucksack zu tragen und kann diesen erleichtern“.

Bodenwasservorräte stark beansprucht

Mit dem Klimawandel geht auch eine stärkere Beanspruchung der Bodenwasservorräte einher. Wie man darauf reagieren muss und kann zeigte Elisabeth Schulz von der LWK in Uelzen anhand von Erkenntnissen aus dem Projekt DAS Netzwerk Wasser auf.

Mehr Verdunstung, weniger Infiltration in den Boden nach Starkniederschlägen sowie ein erhöhter Beregnungsbedarf markieren die Herausforderungen einer zukünftigen Wasserbewirtschaftung.

Nicht nur der Klimawandel steigert den Wasserbedarf, auch zunehmender Wasserverbrauch durch Anstieg der Bevölkerung, Wirtschaftswachstum (auch Tierhaltung) und Tourismus zeichnet die Situation in Westniedersachsen aus. Hinzu kommt ein gesetzlich verankerter stärkerer Schutz von Grundwasser abhängigen Biotopen, zählte Schulz die Verbräuche auf.

Extreme Wetterphasen

Die Grundwasservorräte werden sich durch extreme Wetterphasen in Zukunft unregelmäßiger erneuern. Die Beregnungsbedürftigkeit von Standorten wird zunehmen, das zeigen Modellberechnungen für einzelne Kulturen, so Schulz weiter.

Für den Landkreis Emsland bedeutet das, die benötigten Wassermengen werden von 80 mm (Mittel der Jahre 1971 bis 2000) auf 95 mm im Mittel der Jahre 2071 bis 2100 steigen, mit starken Schwankungsbreiten je nach Region und Kultur. Bei landwirtschaftlichen Kulturen kann von einem Richtwert von 4 mm potenziellem Wasserverbrauch pro Tag während der Hauptvegetationszeit ausgegangen werden.

Die Konsequenzen für den Ackerbau sind:

  • Wasserverluste minimieren (Speicherraum vergrößern, Durchwurzelung fördern, Verdichtungen beseitigen, Bodenbearbeitung minimieren, unproduktive Pflanzen beseitigen)
  • Effizient mit Wasser umgehen (Arten- und Sortenwahl, Düngung, Pflanzenschutz, Beregnung)

Ackerbaumaßnahmen allein nicht ausreichend

Aber Ackerbaumaßnahmen alleine reichen nicht. Gemeinsames Handeln ist erforderlich, um großräumig sparsame Wasserbewirtschaftung zu betreiben. Hierzu gehören:

  • der Umbau von Nadelwald zu Laubwald,
  • der Rückbau von Graben- und Flussbegradigungen,
  • die Anlage von Wasserrückhaltebecken oder
  • ein Umdenken bei der Entwässerung.

Die Wiedervernässung von Mooren ist unter dem Aspekt der Wasserverdunstung kritisch zu sehen. Grundsätzlich ist die Wasserbewirtschaftung großflächig zu sehen und nur gemeinsam durch Wasser- und Bodenverbände bzw. die Wasserwirtschaft zu bewerkstelligen. Jetzt müssen die Akteure gemeinsam an den Tisch, um großräumige Konzepte zu erarbeiten.

Stand früher die schnelle Entwässerung des Emslandes auf dem Plan (Emslandplan), gilt es heute, sich auch in dieser Region Gedanken über die Rückhaltung von Wasser zu machen.

 

Thema der Woche

  • Thema der Woche: Klimaschutz - ein Milchviehbetrieb mit Klimabilanz
  • Agrarpolitik: Einreiseverbot für Saisonarbeitskräfte
  • Geld und Recht: Corona - Soforthilfen beantragen
  • Tierhaltung: Tierwohl in der Hähnchenmast
  • Pflanzenbau: Auf Fehlersuche bei der Düngung
  • Leben auf dem Land: Beef Kings - Rindfleisch aus Bötenberg

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