Zwischen Ökonomie und Ökologie1_HOF
Team der Bezirksstelle Emsland, i.V. Hermann Diekmann | am

Emsland: Vorsicht bei der Flächenpacht

Wenn für ertragsschwächere Flächen mehr Pacht gezahlt wurde als auf guten Ackerbaustandorten, ging das nur über die Quersubventionierung aus der Tierhaltung. Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert.

In Veredelungsregionen werden seit Jahren, trotz ertragsschwächeren Böden, höhere Pachtpreise gezahlt als auf den guten Ackerbaustandorten. Die Quersubventionierung aus der Tierhaltung hat es möglich gemacht. Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend geändert. Neben dem Anbau von Intensivkulturen wie Kartoffeln, dient die Flächenbewirtschaftung im Emsland und der Grafschaft Bentheim vornehmlich der Tierhaltung und Bioenergieerzeugung in Form der Futtergewinnung, der Dungverwertung sowie der Erhaltung der steuerlich vorteilhaften Umsatzsteuerpauschalierung.

Die Berechnungsgrundlage

Eine hohe Nachfrage bei knappem Angebot führt nahezu regelmäßig zu Höchstpreisen. Doch in jüngster Zeit stagniert das Niveau, denn es wird schwer, die hohen Pachten zu erwirtschaften. Zur Darstellung beschränkt sich die Berechnung auf eine einfache und für emsländische Betriebe typische Fruchtfolge von zwei Drittel Mais und einem Drittel Getreide, hier in Form von Winterweizen für die besseren, und Winterroggen für die schwächeren Standorte. 

Berechnungsgrundlage sind die in der Bezirksstelle Emsland langjährig erhobenen Daten der Betriebszweigauswertungen, Vollkostenrechnungen und zusätzliche Kalkulationen. Für den Pflanzenbau bilden die langjährigen BZA-Daten des Beratungsrings Aschendorf-Hasselbrock eine wesentliche Datenergänzung. Die Abschreibungen und Unterhaltungsaufwendungen in der Tierhaltung wurden auf Basis der durchschnittlichen Baukosten von vor zirka zehn Jahren kalkuliert, um einen vergleichbaren Maßstab zu haben.

Das sind die Ergebnisse:

Die Ausführungen zeigen, dass in wichtigen Ertrags- und Kostenbereichen einkommensbegrenzende Faktoren verstärkt zu berücksichtigen sind:

  • Die Naturalerträge stagnieren oder sinken im Mittel der Jahre, da aufgrund des Klimawandels künftig ausgeprägte Trocken- bzw. Hitzephasen oder Starkregenereignisse wahrscheinlicher werden. Auch die Einschränkungen im Düngerecht und der sukzessive Wegfall von Wirkstoffen im Pflanzenschutz wirken ertragsdämpfend. Die angesetzten Naturalerträge werden daher unterhalb des 10-Jahres-Schnitts angesetzt.
  • Die Erzeugerpreise im Ackerbau bleiben "gedeckelt", da auf kurzfristig auftretende Hochpreisphasen global mit Angebotsausweitungen reagiert wird. Der Schnitt der vergangenen zehn Jahre bildet die Basis der Berechnung.
  • Die Produktionskosten steigen etwa durch höhere Auflagen im Umwelt- und Naturschutz, aufwendigere Verfahren in der Produktion oder die geplante Wiedereinführung der verpflichtenden Flächenstilllegung von vier Prozent des Ackers ab 2023.
  • Die staatliche "Flächenprämie" wird ab 2023 erheblich schrumpfen, da 25 Prozent der Mittel an die Teilnahme an besondere „Öko-Regelungen“ gebunden sind. Diese sind bei hohen Pachtpreisen nur teuer umzusetzen und führen nicht zu zusätzlichem Einkommen. Werden nur die sogenannten „Grundanforderungen“ (entspricht in etwa den CC-Regeln und dem Greening inkl. anteiliger Flächenstilllegung) eingehalten, ist eine Basiszahlung in Höhe von ca. 155 Euro je Hektar (ha) zu erwarten. Dies entspricht einem Minus von ca. 100 Euro im Vergleich zum aktuellen Prämienniveau. Inwieweit anteilig die zukünftig bis zu 60 ha gezahlte Umverteilungsprämie eingeplant werden kann, ist betriebsindividuell zu kalkulieren und bleibt hier unberücksichtigt.
  • Die steigenden Anforderungen des Düngerechts führen zu einer verringerten Nährstoffverwertung auf der Fläche. Dadurch sinkt die Vorzüglichkeit der Flächenpacht gegenüber der Gülleabgabe.
  • Die Einführung der 600.000-Euro-Umsatzgrenze führt bereits über Betriebsteilungen zu steigenden betrieblichen Aufwendungen. Geplant ist zusätzlich die Reduzierung der Vorsteuerpauschale von 10,7 Prozent auf 9,6 Prozent in pauschalierenden Betrieben. Damit würden 1,1 Prozent des Nettoumsatzes ohne jeden Ausgleich verloren gehen und so die Vorzüglichkeit der Flächenpacht zur Erhaltung der Pauschalierung drücken.
  • Die Futtermittelpreise schwanken zunehmend. In Phasen des Preisanstiegs ist die Landwirtschaft aufgrund ihrer festen Produktionszyklen nur sehr zeitversetzt in der Lage, über eine Angebotsreduzierung eine Steigung ihrer Erlöse zu erreichen. Jede dieser Phasen führt somit zu Einkommenseinbußen. Gleiches gilt für die Einführung zusätzlicher kostenträchtiger Auflagen, die am Markt erst mühsam durchgesetzt werden müssen.
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Was ist zu tun?

Es ist Vorsicht geboten und Pachtangebote sind kritisch zu prüfen:

  • Es muss Klarheit darüber bestehen, wie viel Fläche für welchen Zweck benötigt wird.
  • Sinnvoll ist die Flächenpacht meist erst, wenn sie gleichzeitig in mehreren Bereichen (Grundfutter, Nährstoffverwertung, Umsatzsteuerpauschalierung) Nutzen bringt. Sonst sind separate Maßnahmen wie Grundfutterzukauf, Gülleabgabe oder ggf. Nutzung einer 51-a-Gesellschaft oft die besseren Varianten.
  • Es ist darauf zu achten, dass die potenziellen Pachtflächen gut zu den betrieblichen Bedürfnissen passen.
  • Zu prüfen ist auch die Abstockung der Tierbestände. Über die Initiative Tierwohl wird sie in der Schweinehaltung bereits gut genutzt. In der Milchviehhaltung ist zu überlegen, ob eine "mitlaufende Tierhaltung", wie die Mast der männlichen Kälber oder die Färsenaufzucht über den Bedarf hinaus, sinnvoll ist.
  • Dazu ist es gut zu wissen, wie sich die Vollkosten in den Betriebszweigen darstellen. In einer Grenzkostenbetrachtung werden dann dem schwächsten Betriebszweig die jeweils höchsten betrieblichen Kosten für Grundfutter, Gülleverwertung und den Faktor Arbeit gegenübergestellt, um die Wirtschaftlichkeit abzuschätzen.

Umgekehrt sollte Verpächtern bewusst sein, dass auch Pachthöchstpreise ihren Preis haben. Der Pächter muss versuchen, die Pachtzahlung aus dem Boden wieder herauszuholen. Die Verpachtung unterhalb eines Höchstgebotes an verantwortungsbewusste Nachbarn oder Kollegen könnte langfristig der bessere Weg sein.

Fazit:

  • Hohe Pachtpreise sind bei hohen Pachtanteilen ein wesentlicher und steigender Kostenblock.
  • Mangelnde Rentabilität und fehlende Perspektiven in den klassischen Schweine- und Rinderbetrieben, ohne Aussicht auf nachhaltige Besserung, drücken die Stimmung.
  • Ob der sich abzeichnende, gesellschaftlich gewollte "Umbau der Tierhaltung" zu verlässlichen neuen Entwicklungsmöglichkeiten führt, bleibt abzuwarten. Etliche Betriebe dürften die teuren und risikoreichen "neuen Wege" nicht mitgehen wollen oder können, was zu einer geringeren Tierhaltung im Beratungsgebiet der Bezirksstelle Emsland führen wird.
  • Landwirtschaft ist und bleibt auf Fläche angewiesen. Wenn sie auf diese Weise bezahlbarer wird, ergeben sich andererseits Chancen für diejenigen, die den Mut nicht aufgeben und nach vorne schauen.

Einen ausführlichen Beitrag zum Pachtpreis finden Sie in der LAND & FORST Ausgabe 31/21. 

Inhalte der Ausgabe

  • Die Zuckerrübenernte ist gestartet!
  • Vorstellung der Waldstrategie 2050
  • Kartoffelfeldtag in Dorstadt: Anbauverfahren und Pflanztechnik
  • Digitalisierung im Kuhstall

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