zwei Männer neben einem Forstmulcher
Carl Hesebeck | am

Grafschaft Bentheim: "Firewall" gegen Borkenkäfer

Die Wälder der Grafschaft Bentheim wurden wie vielerorts in den vergangenen beiden Jahren von einer Borkenkäferplage heimgesucht. Waldbesitzer aus Lohne sind jetzt wachsam und aktiv, denn sie wissen: Die Invasion wiederholt sich.

Wenn Waldbesitzer Christoph Partmann wissen will, wie es um den Borkenkäferflug in Südlohne bestellt ist, muss er lediglich seine zwei Schlitzfallen an seinem Hoftor kontrollieren. „Im vergangenen Jahr habe ich bei den entsprechenden Temperaturen Unmengen an Käfern gefunden“, sagt Partmann.

Das dürfte nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr nicht anders sein. Schlitzfallen dienen dazu, den Zeitpunkt des Borkenkäferausflugs im Frühjahr zu ermitteln. Christoph Partmann hat im Inneren der Fallen Pheromone, also Lockstoffe, befestigt. Sie simulieren den Käfern einen potenziellen, in der Regel geschwächten Wirtsbaum.

Sobald Temperaturen von mindestens 16,5° Grad erreicht werden, beginnen die Käfer zu schwärmen und befallen neue Bäume. Im vergangenen Jahr war das in den Wäldern rund um Lohne, Wietmarschen und Elbergen ein großes Problem.

Fallen sollen Überwinterungskäfer abfangen

Um dem Befall durch Borkenkäfer entgegenzuwirken, hat Christoph Partmann im vergangenen Jahr gemeinsam mit seinem Nachbarn Hermann Bruns zum ersten Mal sogenannte Trinet P-Borkenkäferfallen aufgestellt. Sie sollen die Überwinterungskäfer möglichst zahlreich abfangen.

Die dreibeinigen, mit einem begifteten Netz überspannten Gestelle funktionieren ähnlich wie die Schlitzfallen am Hoftor in Südlohne. In ihrem Inneren werden Pheromone aufgehängt, die die Borkenkäfer anlocken, in diesem Fall aber ihre Landung auf dem begifteten Netz bewirken.

„Dadurch wollen wir verhindern, dass noch mehr Fichten und Lärchen befallen werden“, sagt Hermann Bruns. Im Frühjahr ist das besonders effektiv, denn ein einzelnes Borkenkäferweibchen kann in einer Saison für bis zu 100.000 Nachkommen sorgen.

Genau wie Partmann ist Bruns Waldbesitzer und Mitglied in der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Lohne-Elbergen, in der die Waldbesitzer zwischen Lohne, Elbergen, Lingen und Wietmarschen organisiert sind. Weil Hermann Bruns Landwirt ist und über einen Pflanzenschutzmittel-Anwenderschein und damit über die nötige Sachkunde verfügt, können er und Partmann die Netze an geeigneten Stellen gemeinsam aufstellen.

Engagement und Niederschlag sind notwendig

"Je mehr wir die Borkenkäferpopulation reduzieren können, desto besser“, sagt FBG-Vorsitzender Merschel. Gleichwohl komme es nun vor allem auf ausreichenden und vor allem kontinuierlichen Niederschlag in den kommenden Monaten an, um den Wald zu stärken und gleichzeitig die Entwicklung der Borkenkäfer zu bremsen.

Hinter den Wäldern lägen zwei schwierige Jahre, einige Flächen seien völlig abgestorben oder nur wenige Bäume übrig geblieben. Gleichzeitig gebe es für das Holz nur wenig Geld, das jedoch später für die Aufforstung dringend benötigt werde. 

Umso wichtiger sei es nun, vor allem die junge Generation Waldbesitzer für ihren Wald zu begeistern und zu motivieren. 

Bruns und Partmann werden ihre Fallen in der nächsten Zeit kontrollieren und frisch befallenes Holz möglichst schnell aus dem Bestand bringen. Einzelne Bäume fällen sie selbst, in der Regel organisiert der zuständige Förster jedoch den Lohnunternehmer. 

Nach der Fällung kommt der Forstmulcher zum Einsatz, der kleine Holzreste in wenigen Sekunden zerkleinert und so den Borkenkäfern das Brutmaterial entzieht. 

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