Henning Stegeman und seine Familie betreiben einen Milchviehbetrieb in Emlichheim-Volzel in der Grafschaft Bentheim.

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Laura Schneider | am

Grafschaft Bentheim: Milchviehhaltung bei Familie Stegeman

Jedes einzelne Tier immer im Blick haben – sogar vom Schlepper aus. Das ermöglicht die Automatisierung auf dem Betrieb Stegeman.

Arbeitszeit ist im landwirtschaftlichen Betrieb immer ein knappes Gut. Besonders deutlich wird das, wenn ein Betrieb breit aufgestellt ist und mehrere Betriebszweige abdeckt, wie der von Familie Stegeman in der Grafschaft Bentheim. Neben der Milchviehhaltung mit 95 Kühen gehören hier auch noch 18.500 Masthähnchenplätze zum Betrieb sowie eine Biogasanlage und 125 Hektar Fläche, auf denen die Familie unter anderem Kartoffeln anbaut.

Umso mehr weiß Henning Stegeman es zu schätzen, dass er mittlerweile jede einzelne Kuh zu jeder Tageszeit und von überall aus überwachen kann. Das ist einer der Vorteile des automatischen Melkens, die der junge Landwirt nicht mehr missen möchte. „Gerade wenn im Ackerbau viel anstand, waren wir sonst nur morgens und abends zum Melken im Stall. Wenn es einem Tier nicht gutging, haben wir das dadurch manchmal erst gemerkt, als es schon zu spät war. Jetzt habe ich sogar auf dem Schlepper die volle Überwachung. Ist ein Tier auffällig, bekomme ich eine Nachricht aufs Handy und kann sofort nachschauen.“

Betrieb seit 1970 im Familienbesitz

Der Betrieb von Familie Stegeman liegt etwas außerhalb von Emlichheim in Volzel und ist seit 1970 im Besitz der Familie, die vorher im Ortskern lebte. Damals führte der Großvater des heutigen Betriebsleiters den Hof mit Ackerbau, acht Kühen und 50 Sauen.

Die Milchviehhaltung wuchs über die Jahre. 1978 entstand der erste Boxenlaufstall. Hier sind seit dem Bau des neuen Milchviehstalls 2006 Jungvieh und Trockensteher untergebracht. Die Sauenhaltung gab die Familie 1989 auf und stieg stattdessen in die Hähnchenmast ein.

Neben Milchviehhaltung und Hähnchenmast gehören zum Betrieb heute eine Biogasanlage und 125 Hektar Fläche, davon 31 Hektar Kartoffeln, 75 Hektar Mais und 19 Hektar Grünland.

Melkroboter zur Arbeitsentlastung

Henning Stegeman beschäftigt einen Auszubildenden und zwei 450 Euro-Kräfte. Außerdem unterstützen ihn seine Eltern Fenna und Gerrit-Jan Stegeman nach wie vor im Betrieb. Doch mit dem Rentenbeginn seiner Eltern und der Herausforderung, gut ausgebildetes Fachpersonal für die Stallarbeit zu finden, reifte nach und nach die Idee mit den Melkrobotern, erzählt der Landwirt.

Der Umbau begann im September vergangenen Jahres. Der erste Roboter wurde im Stall eingebaut und im Oktober in Betrieb genommen. Die Familie begann mit 60 Tieren am Roboter – sportlich, wie Henning Stegeman im Nachhinein zugibt, aber die Umstellung sollte möglichst schnell gelingen. Denn mit der Inbetriebnahme des ersten Roboters begannen im bisherigen Doppel-Zehner-Swingovermelkstand die Umbauarbeiten und es konnte nur noch einseitig gemolken werden. Davon musste die Familie so nur zwei Wochen lang Gebrauch machen, bis der zweite Melkroboter einsatzbereit war und die verbleibenden 35 Tiere dort eingemolken werden konnten.

Mittlerweile ist der alte Melkstand komplett verschwunden und an dessen Stelle ein Umkleideraum entstanden, ein Raum mit Toilette und Dusche sowie ein Nassraum zur Zubereitung der Kälbertränke und Platz für den Arzneimittelschrank und Besucherstiefel.

Damit die Umstellung auf einen neuen Melkroboter für Mensch und Tier stressfrei über die Bühne geht, ist eine gute Planung nötig.Eine Stärke der Roboter: Sie können rund um die Uhr ihre Arbeit verrichten - verlässlich, kontinuierlich und immer gleich.

Daten erleichtern die Tierkontrolle

Neben der Arbeitsersparnis sieht Henning Stegeman die Vorteile der Automatisierung vor allem in der Tierkontrolle. Diese werde durch die erhobenen Daten und die Fernüberwachung per Smartphoneapp bedeutend erleichtert.

Neben den Milchleitwerten hat er auch die Fress- und Aktivitätsdaten seiner Herde im Blick. Seiner Erfahrung nach geben diese Daten einen guten Überblick und weisen frühzeitig auf Probleme hin.

„Es wurden schon mehrmals Tiere gemeldet, denen man noch nichts angesehen hat. So konnten wir sie gezielt kontrollieren und früh reagieren. Auch bei der Klauengesundheit sind wir jetzt bei Problemen früher dran“, berichtet Henning Stegeman.

Frisches Futter auch für die Färsen

Automatisiert hat die Familie auch das Futteranschieben. „Früher haben wir das Futter dreimal am Tag angeschoben. Morgens nach dem Füttern war das Fressgitter voll besetzt und gerade die Rinder wurden oft von den älteren Kühen verdrängt“, erzählt Henning Stegeman. „Der Roboter schiebt nun stündlich Futter nach. Dadurch haben auch die Rinder eine Chance auf frisches Futter.“

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