Windpark mit Stromtrasse
Christel Grommel | am

Energiewende: Das Konzept ist verbesserungswürdig

Das Bundeswirtschaftsministerium hat sich dazu entschieden, eine rein elektrische Energieversorgung aus erneuerbaren Energien umzusetzen. An diesem Vorhaben gibt es Kritik.

Die Energiewende ist ein Mammutprojekt der Bundesregierung. Jeder Haushalt, jedes Unternehmen ist davon betroffen. Die Neukonzeption der Energieversorgung ist mit großen Investitionen verbunden und muss daher sorgfältig geplant und umgesetzt werden. Seit Oktober 2013 liegt die Federführung für das Projekt beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi).

Rein elektrische Energieversorgung

Die deutsche Energieversorgung soll fast vollständig aus erneuerbaren Energien (EE) wie Windkraft oder Photovoltaik stammen. Das BMWi entschloss sich zum Aufbau einer rein elektrischen Energieversorgung. Das bedeutet eine Elektrifizierung auch des Verkehrs und der Wärmeversorgung. 95 Prozent der erforderlichen Energie sollen aus EE gewonnen werden, zusätzlich sollen Solarthermie, Geothermie und Biomasse in der Wärmeversorgung weiterhin zum Einsatz kommen.

Energie via Stromautobahn

Stromtrasse vor Abendhimmel

Bis 2050 sollen mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus EE stammen, der größte Teil dabei aus Offshore-Windstrom. Der Transport dieses „Windstroms“ soll über „Stromautobahnen“ erfolgen, die unabhängig vom derzeitigen Strom-Übertragungsnetz sind. Per Gleichstrom sollen sie den Strom quer durch Deutschland leiten. Der Bau dieser Stromtrassen ist jedoch gesellschaftspolitisch hoch umstritten.  

Die Einbindung der deutschen Gasinfrastruktur ist weitestgehend nicht vorgesehen. Die Gasinfrastruktur soll nur die volatile Stromerzeugung aus EE auffangen oder dezentrale erdgasbetriebene Strom- und Wärmeerzeugungsanlagen versorgen. Die restliche Gasinfrastruktur soll zurückgebaut werden.

Andere alternative Energieträger wie synthetische Kraftstoffe sind aufgrund des hohen Energiebedarfs ihrer Herstellung nicht Bestandteil des Energiewendekonzepts.

Kritik an der Umsetzung der Pläne

Der Bundesrechnungshof begleitet die Umsetzung der Energiewende und bemängelt eine unkoordinierte und redundante Umsetzung. In einem Sonderbericht aus dem Jahr 2018 stellt er „erhebliche Defizite“ fest. Auch eine gemeinsame Studie energiewirtschaftlicher Institute hält eine rein auf Strom gestützte Energiewende für „unrealistisch und prohibitiv“.

Die fehlenden bzw. geringen Speichermöglichkeiten für Strom gefährden die Gewährleistung der Versorgungssicherheit. Nötig wären Stromspeicher mit großer Kapazität. Bisher verfügbare Batteriespeicher bieten diese nicht ansatzweise.

Gasnetz als Speicher

Eine denkbare Lösung wäre die Nutzung der Gasinfrastruktur als Speicher und/oder Transportnetz für Strom. Mittels power-to-gas-Anlage wird der Strom aus EE per Elektrolyse in grünes Gas umgewandelt. Gas lässt sich in großen Mengen speichern, aktuell umfasst die deutsche Gasinfrastruktur eine Speicherkapazität für grünes Gas vom umgerechnet über 260 TWh. Das entspricht dem bundesdeutschen Strombedarf von fast einem Jahr.

Der große Energiebedarf für die Elektrolyse könnte aus dem Überschussstrom aus den Offshore-Windparks kommen. Dies wird bereits bei der power-to-gas-Anlage eines Automobilherstellers im Emsland praktiziert. Leistungsspitzen von Windrädern, die bei Sturm nicht wie bisher abgeschaltet werden, könnten zur Herstellung von Wasserstoff genutzt werden. Grundlastfähige Biogasanlagen könnten ergänzend zur Stabilität in den Stromverteilnetzen beitragen.

Eine solche Nutzung der Gasnetze könnte 40 Prozent des Ausbaus von Übertragungsnetzen ersparen – jährlich rund zwölf Milliarden Euro. Für dieses Konzept sprechen die ersten Umsetzungsprojekte der Energiewirtschaft.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der LAND & FORST Ausgabe 06/2020.

 

Mit Material von Prof. Heim, Hochschule Weserbergland

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
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