Wildgaense

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Janina Schuster | am

Entschädigung für Landwirte: Land zahlt Fraßschäden durch Wildgänse

Des einen Freud, des anderen Leid – Wildgänse die auf den Äckern und Feldern Niedersachsens überwintern und dort an den frisch eingesäten Winterweizen oder Winterraps gehen. Die Landwirte kommt das teuer zu stehen. Nun reagiert das Land mit Entschädigungszahlungen.

Traditionell ist Niedersachsen Überwinterungsland für Wildgänse. Jährlich richten die Wildvogelscharen große Schäden auf landwirtschaftlichen Flächen an und fressen Winterraps und Winterweizen. Nun reagiert das Land und entschädigt die betroffenen Landwirte. Dafür stellt Niedersachsen mehr als acht Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Die Summe stammt auch aus Töpfen der Europäischen Union, so ein Sprecher des Umweltministeriums in Hannover. Zur Zeit werden Ausgleichszahlungen für rund 28.000 Hektar Acker- und Grünlandflächen angewiesen, die in EU-Vogelschutzgebieten liegen. Mit 16 dieser Schutzgebiete auf einer Fläche von 125.000 Hektar hat Niedersachsen eines der größeren Vorkommen von Wildgänsen. Noch hinzu kommt der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Zwei gute Gründe für Ausgleichszahlungen

Laut Ministerium haben die Bestände an rastenden Wildgänsen in den vergangenen Jahren zugenommen. Zudem führten Änderungen im Zugverhalten der Nonnengans dazu, dass die Schäden der letzten Jahre größer ausfielen. Aus diesem Grunde bietet das Land mit Unterstützung der EU in den Hauptgebieten der Gänserast in EU-Vogelschutzgebieten einen finanziellen Ausgleich für Landwirte an. So sollen die Verluste und der Mehraufwand bei der Flächenbearbeitung kompensiert werden. Ein weiterer Grund für die finanzielle Unterstützung: das Land erhofft sich davon, dass die Wildvögel auch weiter ungestört auf den Äckern äsen können und sichert sich damit die Akzeptanz des Feldbestellers. Diese wird vor allen Dingen zwischen Anfang November und Ende März auf die Probe gestellt.

Ausgleichsprämien und „Rastspitzenmodell“

Neben den Ausgleichszahlungen stellt das Umweltministerium noch weitere Mittel bei Großschadensereignissen zur Verfügung. Diese sind durch die Ausgleichsprämien nicht abgedeckt. Um an die Fördermittel zu kommen, müssen die Schäden nach Abzug der Gänse durch die Landwirtschaftskammer begutachtet werden. Die Art dieser Schadensregulierung nennt man „Rastspitzenmodell“. „Die Ausgleichszahlungen reichen bei weitem nicht aus“, sagt Landvolk-Vizepräsident Manfred Tannen. Bislang würden nur Schäden ersetzt, die innerhalb der Schutzgebiete entstehen. Doch viele Landwirte wünschen sich eine passgenaue Form der Abrechnung, sodass der einzelne Landwirt den tatsächlichen Schaden ausgeglichen bekomme.

Landwirtschaftskammer fordert Ausweitung der Gebiete

Auch Tannen stellt fest, dass die Zahl der Fraßschäden in den letzten Jahren spürbar zugenommen hat. Die Bindung der Zahlungen an bestimmte Gebiete deckt sich nicht mehr mit der Realität. „Die Gänse fressen überall, nicht nur begrenzt auf bestimmte Gebietskulissen“, sagt er. Er fordert mehr Geld, um das Modell auszuweiten und erwähnt die Schutzgebiete an der Küste. Viele Landwirte sehen den Bedarf jedoch auch in der Ausweitung des Schadensersatzes auf Flächen außerhalb der Vogelschutzgebiete, so Tannen. Immerhin: das Rastspitzenmodell gelte inzwischen nicht nur für Ackerland, sondern auch für Grünland. Das sei positiv zu bewerten.

Mit Material von dpa
Schafherde auf Weide

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