Otterstein im Weserbergland
Janina Schuster | am

Holzminden: Grundstücke zu verschenken

Der Gemeindedirektor von Ottenstein möchte der Landflucht etwas entgegensetzen und hat eine ungewöhnliche Aktion gestartet. Ottenstein hat Bauland an junge Familien verschenkt.

"Wir brauchen junge Leute", sagt Manfred Weiner, Gemeindedirektor und ehemaliger Bürgermeister von Ottenstein. Doch in Zeiten von Landflucht und Dorfsterben ist dies ein nicht ganz so einfaches Unterfangen. Ottenstein hat 1.200 Einwohner. Bestenfalls soll das so bleiben. Um die Einwohnerstruktur zu verjüngen und die bedrohte Grundschule des Ortes zu erhalten, schlug Weiner eine ungewöhnliche Lösung vor. Ottenstein sollte Bauland verschenken. An junge Familien, die bleiben wollen. Zehn Grundstücke sollten es werden. Fünf Jahre ist das nun her und die jungen Leute kommen.

Der Landflucht wurde vorerst Einhalt geboten

Von den zehn Grundstücken sind fünf bereits bebaut, für zwei liegen Bauanträge vor, drei Bauherren möchten im kommenden Jahr bauen. "Für die Gemeinde ein voller Erfolg", sagt Weiner. Bis 2030 solle seine Gemeinde auf 650 Einwohner schrumpfen, so lauteten die Prognosen.

70 Kilometer in die nächste Stadt

Eine "Stadtflucht" ist aus der Idee dennoch nicht geworden. Keine der beschenkten Familien stammt aus einer entfernten Stadt, alle waren bereits vorher in umliegenden Dörfern beheimatet. "Wer keinen Bezug zu der Gegend hat, der macht es nicht", sagt Jan Hinrichs. Der 41-jährige Familienvater stammt sogar direkt aus Ottenstein und war auf der Suche nach einem Haus. Hinrichs ist heimatverbunden und weiß um die Vorteile des Dorflebens. Doch auch um die negativen Aspekte. "Man muss Wege in Kauf nehmen", erklärt er und meint damit die Entfernung zu größeren Städten wie Hannover oder auch die Anbindung an eine Autobahn. "Aber wer in Hannover lebt und arbeitet, ist auch eine halbe Stunde unterwegs", ergänzt er.

Geschenk mit Bedingungen

Mit den Familien gab es einen Einwohnerzuwachs, doch auch anderweitig profitierte Ottenstein. Die zehn Baugrundstücke, die vorher Ackerland waren, bringen der Gemeinde nun 750 Euro Grundsteuer und 15 Prozent Einkommensteuer im Jahr. Als Ackerland waren es lediglich 140 Euro. Ein Verkauf hätte der Gemeinde nur wenig geholfen. Der Quadratmeterpreis lag bei gerade einmal 80 Cent. 

Das Geschenk war jedoch an Bedingungen geknüpft. Die Bewerber sollten nicht über 40 Jahre alt sein, sie müssen binnen zwei Jahren bauen und dürfen für zehn Jahre nicht verkaufen. Das zog diverse Interessenten an. Etwa 1.000 Anfragen brachte das Angebot, die zum Teil einem Übersetzungsfehler geschuldet waren. So fragten auch Menschen aus Australien, Russland und Peru an. In einem Bericht war fälschlicherweise von 10.000 Begrüßungsgeld die Rede.

Ottenstein konnte sich vorerst retten

Ottenstein hat es zunächst geholfen. Die Grundschule blieb erhalten. Ebenso ist das Dorf eines der wenigen im Umland mit einem Arzt, einer Apotheke und einer Betreuung für die unter Dreijährigen. Damit ist Ottenstein auch Anziehungspunkt für die umliegenden Dörfer. 

Als Reaktion auf den fortschreitenden demografischen Wandel baut die Gemeinde nun jedoch erstmal ein Seniorenheim für altersgerechtes Wohnen. Ob die Aktion wiederholt wird, wisse man derzeit also noch nicht. 

Mit Material von dpa
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