Heckrinder im Naturpark Solling-Vogler
Anke Benstem | am

Waldpflege mit Hufen und Zähnen

Exmoorponys und Heckrinder stellen im Naturpark Solling-Vogler im Weserbergland die alte Landschaftsform Hutewald wieder her. Ein naturnahes Projekt, dass für eine deutlich größere Artenvielfalt sorgt.

Die vier dunkelbraunen Exmoorponys fressen neben einer großen Eiche Gräser und Sträucher, dann traben sie los und gesellen sich zu ihren Artgenossen am Bach. Im Herzen des Weserberglands sorgen die wilden Pferde mit einer Herde Heckrinder dafür, dass der Hutewald frei von dichtem Bewuchs bleibt und sich eine offene, parkähnliche Landschaft mit großen Eichen entwickelt. 

Einfluss von Weidetieren auf die Landschaft

Was im Jahr 2000 als Erprobungs- und Entwicklungsprojekt des Bundesamtes für Naturschutz  mit der Fachhochschule Lippe-Höxter und dem Naturpark Solling-Vogler begann und dann als Gemeinschaftsprojekt der Niedersächsischen Landesforsten, des Umweltministeriums Niedersachsen und des Naturparks Solling-Vogler fortgeführt wurde, zeigt heute in beeindruckender Weise den Einfluss von Weidetieren auf die Landschaft. Seit sechs Jahren schon betreiben die Niedersächsischen Landesforsten im Reiherbachtal eine kulturhistorische Waldwirtschaft, wie sie bis vor zwei Jahrhunderten an vielen Stellen Niedersachsens Tradition hatte: Einst trieb man die Rinder, Schweine und Schafe des Dorfes auf eine ortsnahe, gemeinschaftliche Weidefläche im lichten Wald, in dem einzelne Solitäreichen reichlich Futter abwarfen.

Einzigartiges Projekt in Deutschland

Exmoorponys im Hutewald im Naturpark Solling-Vogler

Im Reiherbachtal teilen sich die Pferde die Allmende im 220 Hektar großen Hutewald mit einer Muttertierherde aus rund 40 Heckrindern. Als "Waldpflege mit Hufen und Zähnen" könnte man die Arbeit der Niedersächsischen Landesforsten mit dem Naturpark Solling Vogler zusammenfassen, und das ist in dieser Form relativ einzigartig nicht nur in Niedersachsen, sondern in ganz Deutschland.

Vermarktung von Rindfleisch

Das Prinzip Hutewald ist einfach: Die Weidetiere fressen einen Großteil der aufkommenden Baumschösslinge, eine lichte Landschaft mit Solitärbäumen entsteht – der Verbiss verhindert also die natürliche Sukzession. Die Niedersächsischen Landesforsten erhalten und entwickeln den lichten Eichen-Hutewald in der südniedersächsischen Mittelgebirgsregion, der Naturpark Solling-Vogler kümmert sich um die Weidetiere und vermarktet im Herbst das Rindfleisch. Von der Kooperation profitiert in erster Linie die Natur: "Fast alles, was in Niedersachsen selten und schön ist, haben wir hier. Der positive Einfluss der Beweidung ist deutlich zu erkennen", sagt Tobias Kiens, Revierleiter der Försterei Steinhoff und damit zuständig für das Gebiet.

Größere Artenvielfalt

Durch die Auswahl der Weidetiere lässt sich die Artenzusammensetzung der Flora steuern: Die sogenannten Megaherbivoren sorgen für mehr Artenvielfalt in Waldweide und Offenlandgebieten. Im Hutewald kartiert man dauerhaft Pflanzengesellschaften und stellte fest: Sie sind in nur zwei Jahrzehnten artenreicher geworden. "Die Struktur der Landschaft wird vielfältiger und seltene Arten wie Deutscher Ginster, Stechginster und Harzer Labkräuter nehmen deutlich zu", sagt Kiens. "Mit den Weidetieren gehen zudem weitere Wechselwirkungen einher, etwa die Zunahme von Mistkäfern, die vom Dung der Tiere leben. In der Folge gibt es dann auch wieder mehr größere Tiere wie Fledermäuse, die diese Käfer fressen." 

Die ganze Reportage sowie Besucher-Infos mit Rundwegen im Naturpark lesen Sie in der digitalen Ausgabe der LAND & FORST 37/2020. 

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
  • Leben auf dem Land: Borreliose als Berufskrankheit

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