Igel in einem Garten
Anne Voß | am

Der Igel: So helfen Sie ihm im Winter wirklich

Wohl kaum ein anderes Wildtier genießt eine so große Beliebtheit wie der Igel. Doch zu viel "Tierliebe" kann ihm schaden. Hier kommen Tipps für den Umgang.

Wenn mitunter übertriebene Tierliebe in Vermenschlichung umschlägt, schadet das den Tieren. Dass Igelschutz am besten durch Lebensraumschutz bewirkt werden kann, zeigt der Nabu Niedersachsen auf. Der Verband appelliert an Gartenbesitzer, die Weichen zu stellen, damit dem Igel nachhaltig und mit Sachverstand geholfen werden kann.

"Igel sind Wildtiere, das darf nie vergessen werden. Und sie stehen unter gesetzlichem Schutz", sagt Rüdiger Wohlers vom Nabu. Er hat erlebt, dass der Igel oft missverstanden und sogar zum "Haustier" erklärt wird – oftmals das Todesurteil für das Tier.

Das Einsammeln schadet dem Igel

"Es gibt leider immer noch eine gewisse Einsammelmentalität, gerade im Herbst", berichtet Wohlers.

Doch der reinen Einsammelei muss Einhalt geboten werden – übrigens auch, weil sie gegen Naturschutzrecht verstößt und in Tierquälerei übergehen kann. "Immer wieder erhielten wir Anrufe von gut meinenden Tierfreunden, die vermeintlich hilfsbedürftige Igel einsammelten oder dieses wollten, weil sie Angst hatten, die Tiere könnten den Winter nicht überstehen. Dies ist aber nur bei stark geschwächten oder stark untergewichtigen Tieren der Fall. Auf jeden Fall sollte dann immer ein Tierarzt das letzte Wort haben. Und es sollte eine anerkannte Igelstation einbezogen werden", mahnt Wohlers.

Naturnahe Gärten helfen Igeln

Igel haben ein Nahrungsspektrum, das sich so gut wie ausschließlich aus tierischem Eiweiß erschließt: Auf ihrem Speiseplan stehen Schnecken in großer Zahl, Regenwürmer, Käfer, Raupen, Ameisen, anderes Kleingetier, aber auch schon mal ein Ei einer bodenbrütenden Vogelart oder Aas, da sind sie nicht wählerisch.

Das bedeutet auch, dass nur ein naturnaher Garten ein echter "Igelgarten" sein kann. Ein bürstenkurzer Rasen, viele versiegelte Flächen und immergrüne Exoten ohne ökologischen Wert als Hauptbestandteile des Gartens nutzen Igeln gar nichts.

Im Garten sollte Vielfalt angesagt sein: Dazu gehören heimische Sträucher, deren Laub auch im Herbst und Winter liegen bleiben darf, sodass sich darunter Insekten und andere Lebewesen aufhalten können, und das der Igel im Winter für sein Schlafnest nutzen kann.

Auch Stauden, vielleicht eine "wilde Ecke" aus Holz, Ästen und Laub, eine kleine Wasserstelle und auch eine Blühwiese sind nützlich – Hauptsache, es werden heimische Pflanzen eingebracht und auch die Nahrungstiere des Igels finden einen Lebensraum, der dann automatisch auch vielen anderen Tieren eine kleine "Arche Noah" bietet, also beispielsweise Vögeln, Insekten und weiteren Kleinsäugern.

So hilft man dem Igel über den Winter

Um dem Igel über den Winter zu helfen – der Igel ist ein Säugetier, das in Winterschlaf verfällt, und zwar meist bis in den März oder April, in sehr kalten Frühjahren auch mitunter bis in den Mai hinein –, kann ihm leicht geholfen werden.

Sehr gut bewährt hat sich der Bau einer so genannten "Igelburg", die mit etwas Geschick aus Holz gebaut werden kann und dann mit Geäst und Laub überdeckt wird. Darin kann das Igelweibchen im Sommer auch ihre Jungtiere zur Welt bringen. Dafür einen trockenen, nicht ganz frei liegenden Standort wählen, an dem sich kein Regenwasser auf dem Boden sammelt. 

Gut geeignete Igelburgen gibt es für alle, die diese nicht selbst basteln wollen, im Fachhandel.

Wer spät geborene Igel füttern möchte, sollte keinesfalls Milch geben! Das kann für den laktoseunverträglichen Igel tödlich sein.

Vorsicht bei Teichen

Nicht nur der Straßenverkehr ist eine Todesgefahr für den Igel. Auch Gefahrenquellen am Haus und im Garten können tödlich enden: Steilkantige Teiche, offene Lüftungs- oder Kellerschächte, die offene Baugrube oder der Gullyschacht. Zu engmaschige Zäune können Igeln den Zugang zu einem rettenden Garten verwehren.

Mit Material von Nabu Niedersachsen

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