Thumbnail
Werner Raupert | am

Kammerpräsident fordert faire Anrechnung

Beim Thema Klimawandel sieht der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Gerhard Schwetje, die Landwirtschaft doppelt gefordert: Sie muss sich an die Klimaänderung anpassen und gleichzeitig aktiven Klimaschutz betreiben.

Als Beispiele für die Anpassung nannte Schwetje auf der Erntepressekonferenz der Kammer eine Erhöhung des Humusanteils im Boden, vielfältigere Fruchtfolgen, die widerstandsfähiger gegen Klimarisiken sind, sowie wassersparende Anbauverfahren wie etwa die Mulchsaat, bei der auf das Pflügen verzichtet wird.
Treibhausgasemissionen könne die Landwirtschaft mindern bzw. vermeiden, in dem sie zum Beispiel Stickstoff immer effizienter einsetze, Erträge auf dem Acker und Leistungen im Stall mittels einer effizienten Produktion sichere oder alternative Energien, sei es aus nachwachsenden Rohstoffen, Sonne oder Wind, gewinne. „Kraftstoffe, Strom und Wärme werden daraus klimaschonender erzeugt, als aus den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl oder Erdgas“, erklärte Schwetje.

Ein ambitioniertes Ziel

Das im Klimaschutzprogramm vorgegebene Ziel für die Landwirtschaft, bis 2030 elf bis 14 Millionen Tonnen Treibhausgase einzusparen, nannte Schwetje „ambitioniert“. Um es erreichen zu können, forderte er eine gerechte Zuordnung der geminderten Treibhausgase. „Nur so kann die Landwirtschaft die Früchte ihrer Klimaschutzleistungen auch ernten“, sagte der Kammerpräsident. Wenn zum Beispiel über den Humusaufbau in Ackerböden jährlich bis zu vier Millionen Tonnen Treibhausgase dauerhaft gebunden würden, hätte nach derzeitigen Regeln der Landwirtschaftssektor nichts davon. „Deshalb gehört die Anrechnung der tatsächlich verminderten Treibhausgase auf den Prüfstand“, folgerte Schwetje.

Eine betriebsindividuelle und produktspezifische Klimabilanz

Die Kammer helfe den landwirtschaftlichen Betrieben bei der Klimaanpassung und beim Klimaschutz. Grundlage der Beratung sei eine betriebsindividuelle und produktspezifische Klimabilanz. Dazu habe die Kammer den Treibhaus-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft – kurz TEKLa – entwickelt. „Aus unseren bisherigen Untersuchungen mit TEKLa wissen wir, dass sich viele Klimaschutzmaßnahmen rechnen“, so Schwetje, der darin eine wichtige Antriebsfeder für die Umsetzung der ermittelten Maßnahmen sieht. Das durchschnittliche Vermeidungspotential bezifferte er mit durchschnittlich 50 Tonnen Treibhausgas je Betrieb und Jahr.

 

Mit Material von Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Mehr zu diesem Thema

Das könnte Sie auch interessieren