LNG-Terminal Rotterdam

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Christel Grommel | am

Keine Energie aus Russland - was sind die Alternativen?

Was, wenn keine Energie mehr aus Russland kommt? In Norddeutschland reagiert man auf drohende Lieferengpässe: Flüssiggas und Windenergie.

Der Ukraine-Krieg verdeutlicht die Abhängigkeit von russischer Energie. Angesichts drohender Lieferengpässe bewegt sich nun einiges, dabei sind Flüssiggasterminals und Windenergie im Spiel. In Niedersachsen könnte auch die Photovoltaik noch mehr leisten.

Bund unterstützt Flüssiggasterminal zu 50 %

Die Planungen für ein Flüssiggasterminal laufen schon seit Jahren, kamen aber wenig voran. Nun geht es aufgrund der russischen Invasion in der Ukraine schnell: An der ersten Betreibergesellschaft für ein deutsches Terminal zum Import von Flüssigerdgas (LNG) beteiligt sich der Bund mit 50 Prozent. Nach dpa-Informationen kostet der Anteil rund 500 Millionen Euro. Wirtschaftsminister Robert Habeck begründete: Es sei notwendig, die Abhängigkeit von russischen Importen schnellstens zu verringern; spätestens der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine mache dies zwingend.

Das Terminal ist im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel geplant. Die Vereinbarung der Projektpartner sieht vor, dass der Bund über die Förderbank KfW 50 Prozent hält, mit 40 Prozent beteiligt sich der niederländische Gasnetzbetreiber Gasunie, der dem niederländischen Staat gehört, die restlichen 10 Prozent hält der deutsche Energiekonzern RWE. Betreiberin wird Gasunie.

 

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Terminal ersetzt zwei Drittel der Erdgasimporte aus Russland

Zunächst sei geplant, in Brunsbüttel jährlich acht Milliarden Kubikmeter LNG zu regasifizieren. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatte kürzlich geschätzt: „Alles in allem wird man davon ausgehen können, dass LNG bis zu zwei Drittel der derzeitigen Erdgasimporte aus Russland ersetzen könnte.“ Kanzler Olaf Scholz hatte in der letzten Woche den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland angekündigt, Standorte sind Brunsbüttel und Wilhelmshaven. Einen konkreten Zeitrahmen für die Fertigstellung konnte das Bundesministerium noch nicht nennen, versprach aber, das Projekt „so zügig wie möglich“ umzusetzen.

Lies will Windkraft massiv ausbauen

Niedersachsens Energie- und Umweltminister Olaf Lies will nicht, wie von einigen Politikern gefordert, die Kernkraftwerke länger am Netz lassen. Das sei keine Option und die Debatte darum solle zügig beendet werden, sagte Lies. Dazu gebe es auch keine Möglichkeiten. „Es ist ja nicht so, dass man da ins Lager geht und mal eben einen neuen Brennstab holt.“ Auch eine Steigerung der Gasförderung in Deutschland schließt er aus, besonders auch in Niedersachsen.

Eher setzt der Minister auf die Nachbarn in Europa: „Wir werden uns vielmehr mit unseren europäischen Nachbarn, die Gas ja verstärkt in der Nordsee fördern, verständigen müssen, wie wir daran partizipieren können“. Die Pläne von Lies sehen einen massiven Ausbau der Windenergie vor, um unabhängiger von russischer Energie zu werden. Dabei hofft er auf eine Akzeptanzsteigerung in der Gesellschaft, gerade jetzt, wo der Ukraine-Krieg die Abhängigkeit vom Energieimport vor Augen führe. Lies sprach sich ebenfalls für Tempo bei der Realisierung der LNG-Terminals aus.

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Niedersachsen könnte mehr Solarparks bauen

Auch die Solarenergie könnte ihren Teil beitragen. Das Institut für Umweltplanung der Leibniz-Universität Hannover hat ein weit größeres Potenzial für Solarenergie in Niedersachsen ermittelt, als bisher genutzt wird. Mehr als 30 % des hiesigen Strombedarfs könnten gedeckt werden, so Ole Badelt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Projekts. Es sei nicht gewünscht, alle Flächen zu belegen, es gebe aber großen Spielraum.

Bei zusätzlichen Standorten brachte er auch die Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen ins Spiel sowie schwimmende Solaranlagen auf stehenden Gewässern. Badelt betont, dass hier jedoch nur Potenzial aufgezeigt wurde und das Fachwissen der Kommunen unbedingt mit einbezogen werden müsse. 15.000 Hektar Fläche werden benötigt, die Forscherinnen und Forscher haben 620.000 Hektar mit „geringem Raumwiderstand“, sprich weitgehend konfliktfrei, ausgemacht. Zudem haben sie eine grobe Abschätzung für Solaranlagen auf Dächern erstellt: Im Jahr 2050 könnten 19.500 Hektar Solarmodule auf Flachdächern im Lande installiert sein sowie rund 31.600 Hektar auf Schrägdächern.

Mit Material von dpa, HAZ
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