Hilke Lehmann | am

Listerien: Was Sie wissen sollten

In diesem Jahr gab es drei Fällen von Fleischwaren-Rückrufe in Niedersachsen. Was Sie über Listerien wissen sollten.

Listerien-Funde in Fleischwaren beunruhigen die Verbraucher. Nach dem Skandal mit drei Todesfällen um den hessischen Wursthersteller Wilke im Oktober gab es im November bereits drei Fälle in Niedersachsen.

Die Firma Krone (Essen/Oldenburg), die Naturschlachterei Lay und am vorigen Wochenende die Fleischerei Eckhoff (beide im Landkreis Leer) riefen Produkte zurück.

Was genau sind Listerien?

  • kleine, stäbchenförmige Bakterien, die sich sehr leicht vermehren, da sie nur geringe Ansprüche an ihre Umgebung stellen.
  • echte Überlebenskünstler, die das Tiefgefrieren überleben, sich bei Kühlschranktemperaturen noch vermehren und für die selbst ein Sauerstoffmangel kein Problem darstellt.

Wo kommen Listerien vor?

  • überall in der Umwelt, insbesondere im Boden, auf Pflanzen, im Kompost, in Abwässern oder im Verdauungstrakt von Tieren.
  • Im landwirtschaftlichem Bereich können sie bereits bei der Lebensmittelgewinnung über das Melken oder Schlachten in und auf die Lebensmittel gelangen.
  • Sind Frischgemüse oder Blattsalate mit Erde oder tierischem Dünger verunreinigt, kommen diese ebenfalls als Überträger von Listerien in Frage.

Welche Lebensmittel können Listerien enthalten?

  • Gefährdet sind besonders rohe Lebensmittel, wie rohes Fleisch und daraus hergestellte Produkte (wie Hackfleisch) oder schnell gereifte Rohwurstsorten (wie Zwiebelmettwurst).
  • Hinzu kommen Rohmilch und daraus hergestellte Produkte, insbesondere Rohmilchweichkäse mit Rotschmierkultur (wie Romadur).
  • Roher Fisch und Fisch-Erzeugnisse, wie Räucherlachs oder Graved Lachs sind ebenfalls kritisch.
  • Bei pflanzlichen Lebensmitteln sind es Tiefkühlgemüse oder abgepackte, geschnittene Blattsalate, die betroffen sein können.
  • Für den Verbraucher ist nicht zu erkennen, ob ein Lebensmittel Listerien enthält, da sie weder das Aussehen, noch den Geruch oder Geschmack verändern.

Wie äußert sich eine Infektion mit Listerien?

  • Für gesunde Erwachsene stellt die Infektion in der Regel keine Gefahr dar. Meist verläuft sie ohne Symptome, manchmal treten Fieber und grippeähnliche Beschwerden sowie Erbrechen und Durchfall auf.
  • Bei einem leichten Verlauf klingt all das innerhalb weniger Tage von alleine ab.
  • Bei schweren Verläufen kann es zu einer Blutvergiftung sowie Gehirn- und Hirnhautentzündung kommen.

Man hat das Gefühl, Listerieninfektionen nehmen sprunghaft zu, stimmt das?

  • Die Listeriose gehört zu den Erkrankungen, die dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen.
  • Verglichen mit anderen Lebensmittelinfektionen ist die Zahl von Erkrankungen durch Listerien zwar relativ niedrig, dafür aber umso gefährlicher.
  • In Deutschland sind im vergangenen Jahr etwa 700 Fälle von schweren Listerien-Infektionen gemeldet worden. Zehn Jahre zuvor waren es ungefähr 300.
  • Besorgniserregend ist die hohe Zahl an Todesfällen, allein 2018 starben 32 Menschen an der Infektion.

Für wen die Keime besonders gefährlich sind und wie man eine Übertragung vermeidet, lesen Sie in der LAND & FORST 48/19.

Mit Material von Gudrun Göppert, LWK Niedersachsen
Das könnte Sie auch interessieren