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Birgit Greuner | am

LWK Niedersachsen: Auch Wirtschaftsjahr 2018/19 im Zeichen der Dürre

Die Dürre 2018 hat Niedersachsens Landwirte finanziell schwer getroffen. Die LWK gab heute die Wirtschaftsergebnisse bekannt.

Auf der Kammerversammlung heute (28. November) hat die LWK Niedersachsen die Wirtschaftsergebnisse 2018/2019 bekannt gegeben. Die extreme Dürre im vergangenen Jahr ist die Hauptursache, dass die niedersächsischen Lanwirte auch in diesem Jahr mit deutlichen finanziellen Einbußen leben müssen.

Immerhin stehe Niedersachsen für fast ein Viertel des gesamten bundesweiten Produktionswertes in der Landwirtschaft von 56 Milliarden Euro pro Jahr. Aber diejenigen, die diese Pole-Position erarbeiten, haben immer weniger davon, sagte Kammerpräsident Gerhard Schwetje.

„Im Durchschnitt aller untersuchten Betriebe fielen die Betriebsergebnisse auf rund 60.200 Euro“, zog er eine wenig erfreuliche Bilanz. Das sei ein dickes Minus von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Fünf-Jahres-Mittel werde klar verfehlt. Das Fazit des Präsidenten: Bei mehr als 2.200 Arbeitsstunden pro Jahr bleibe vielen landwirtschaftlichen Unternehmen nur das Existenz-Minimum übrig.

Milchvieh- und Futterbaubetriebe

Besonders hart traf es im abgelaufenen Wirtschaftsjahr die Milchvieh- bzw. Futterbaubetriebe. Die Betriebe gerieten wirtschaftlich unter Druck durch

  • zum Teil katastrophale Futterernten, die teure Zukäufe notwendig machten, und
  • rückläufige Preise für Milch und Rindfleisch.

Gegenüber dem sehr guten Vorjahr brachen die Unternehmensergebnisse um 40 Prozent ein und erreichten eine Größenordnung von 64.200 Euro.

Anders als zum Beispiel Kartoffelanbauer konnten Milchviehhalter ihre schlechten Gras- und Maiserträge, die innerbetrieblich als Silage verfüttert werden, nicht durch höhere Verkaufserlöse kompensieren. Das habe viele Betriebe in wirtschaftliche Bedrängnis gebracht.

„Die Dürrehilfe wurde deshalb auch vorwiegend von Milchviehbetrieben in Anspruch genommen“, so Schwetje. Rund zwei Drittel der 3.500 positiv beschiedenen Anträge kamen von Futterbaubetrieben.

Schweinehalter

Schweinehalter fuhren wegen sehr niedriger Schlacht- und Ferkelpreise das schlechteste Ergebnis der vier untersuchten Betriebsformen ein:

  • Die Veredlungsbetriebe erzielten nur noch ein Unternehmensergebnis von 39.000 Euro.
  • Sie liegen damit weit unter dem Fünf-Jahres-Durchschnitt.
  • Wegen eines langanhaltenden Preistiefs hat es die Ferkelerzeugung am stärksten getroffen.
  • Der boomende Fleischexport als Folge des Ausbruchs der Schweinepest in Asien kam zu spät, um die Jahresabschlüsse der Veredlungsbetriebe noch positiv zu beeinflussen.

Ackerbaubetriebe

    Etwas freundlichere Zahlen nannte Schwetje für die Ackerbaubetriebe:

    • Dürrebedingt haben die Erträge deutlich abgenommen, was auch bessere Preise kaum kompensieren konnten.
    • Nur Kartoffelanbauer konnten die geringere Ernte dank sehr guter Kartoffelpreise mehr als ausgleichen. Die Ergebnisse lagen insgesamt bei 82.000 Euro.
    • Das Ergebnis der Gemischt- bzw. Verbundbetriebe folgte der allgemeinen Entwicklung und ging um rund ein Drittel auf etwa 40.460 Euro zurück. Auch sie verfehlten das fünfjährige Mittel weit.

    Der Kammerpräsident sprach von „einem Ausnahmejahr mit versöhnlichem Ausgang, wenn Kartoffeln angebaut wurden“. Betriebe auf leichten Standorten ohne Kartoffeln und ohne Beregnung müssten mit sehr viel schlechteren Ergebnissen klarkommen.

    Kein rentables Arbeiten

    Angesichts der genannten Zahlen war es vielen Betrieben erneut kaum möglich, rentabel zu wirtschaften. In den meisten Fällen wurde das eingesetzte Kapital nicht angemessen verzinst und die Arbeit der Betriebsleiterfamilien nicht adäquat entlohnt. „Das war nur dem oberen Viertel der Betriebe vergönnt“, sagte der Kammerpräsident.

    Das untere Viertel habe im vergangenen Jahr wieder einmal Verluste geschrieben. Hier sei die Sorge um das Familienauskommen und den Fortbestand des eigenen Betriebes besonders groß. Schwetje erinnerte daran, dass von den Betriebsergebnissen noch Steuern, Alters- und Krankenversicherungen, die Leistungen für die Altenteiler und Neuinvestitionen zu bezahlen seien.

    „Viele Unternehmer können derzeit vom gesetzlichen Mindestlohn nur träumen“, folgerte der Kammerpräsident.

    Auch laufendes Wirtschaftsjahr schwierig

    Auch das laufende Wirtschaftsjahr 2019/2020 stehe erneut unter dem Eindruck der Dürre des zurückliegenden Sommers. Für Ackerbau- und Grünlandbetriebe prognostizierte Schwetje „ein ganz schwieriges Jahr“. Angesichts der zweiten miserablen Futterernte in Folge und stagnierender Milch- und Rindfleischpreise rechnet er für die Milchviehbetriebe kaum mit besseren Ergebnissen.

    Die diesjährige Getreideernte sei im Vergleich zum katastrophalen Vorjahr besser ausgefallen. Allerdings lägen die bislang erzielten Preise rund zehn Prozent unter Vorjahresniveau. Hoffnung mache eine aktuell beobachtete leichte Belebung des Marktes.

    Allein die Veredlungsbetriebe könnten bei fortgesetzt hohen Schweinefleisch-Exporte auf bessere Ergebnisse hoffen.

    Otte-Kinast: Landwirte müssen von ihrer Arbeit leben können

    Zu Gast in Oldenburg war auch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). "Die Landwirtschaft ist überlebenswichtig für uns Menschen. Die Landwirte müssen von ihrer Arbeit leben können", betonte die Milchviehhalterin. Sie forderte auch von der Politik in Berlin mehr Mut. Sie sei seit zwei Jahren im Amt, sei aber beim Thema Schweinehaltung keinen Schritt weiter gekommen.

    Die Landwirte seien zur Erneuerung bereit, wüssten aber oft gar nicht, in welche Richtung es gehen solle. Sie bräuchten dringend Klarheit. Da gehe es auch um Bundesgesetzgebung.

    Am kommenden Montag gibt es im Bundeskanzleramt einen sogenannten Agrargipfel mit Vertretern der Bauern und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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