Nährstoffbericht für Niedersachsen

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Christel Grommel | am

Nährstoffbericht: Die Nährstoffüberschüsse schrumpfen

"Niedersachsen ist auf dem richtigen Weg, um eine ausgeglichene Nährstoffbilanz zu erreichen", kommentierte Barbara Otte-Kinast die Ergebnisse des 8. Nährstoffberichtes 2019/20.

Der Nährstoffbericht wurde heute von Barbara Otte-Kinast und Kammerpräsident Gerhard Schwetje präsentiert. Es ist zugleich der erste Nährstoffbericht auf Grundlage der novellierten Düngeverordnung vom April 2020.

"Die Nährstoffüberschüsse schrumpfen deutlich und zeigen eine sehr positive Entwicklung", betonte Otte-Kinast erfreut. Erstmals erreicht Niedersachsen auf Landesebene eine nahezu ausgeglichene Stickstoffdüngebilanz.

Rückläufige Stickstoffausbringung

Die Düngebehörde der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) hat die Wirtschaftsdüngerbilanz erstellt. Das Ergebnis: Die Verbringung von Wirtschaftsdüngern und Gärresten stieg im Meldejahr 2019/2020 auf einen neuen Rekordwert von 37,9 Millionen Tonnen Frischmasse (Vorjahr: 35,7 Mio. Tonnen).

Hinzu kam ein weiterhin rückläufiges Nährstoffaufkommen aus der Tierhaltung. Insbesondere durch einen historischen Tiefstand des Mineraldüngerabsatzes (rund 200.000 Tonnen) sowie eine weiter rückläufige Stickstoffausbringung aus organischen Düngemitteln hat sich das Stickstoff-Düngesaldo (berechneter Bedarf vs. Düngung) von rund 31.000 Tonnen auf nur noch rund 692 Tonnen verringert.

Der Nährstoffüberschuss wurde von 80.000 Tonnen Stickstoff im Berichtszeitraum 2014/15 kontinuierlich auf nunmehr lediglich 692 Tonnen auf Landesebene reduziert.

Es überschreitet nur noch ein Landkreis (Cloppenburg) die gesetzliche Stickstoff-Obergrenze aus Wirtschaftsdünger von 170 kg N pro Hektar. Im vorherigen Berichtszeitraum lagen landesweit noch fünf Landkreise über dieser Grenze.

Weiter Handlungsbedarf bei Phosphor

In Bezug auf Phosphor besteht mit rund 28.000 Tonnen Phosphat weiterhin ein großes Einsparpotential und somit hoher Handlungsbedarf.

"Das Ziel, einen günstigen Zustand des Grund- und Oberflächenwassers zu erreichen, bedarf in Niedersachsen weiterhin starker Anstrengungen", stellte die Landwirtschaftsministerin fest.

Das laufende Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Umsetzung der EG-Nitratrichtlinie wurde nach Inkraftsetzung der novellierten Düngeverordnung zwar vorübergehend ruhend, jedoch noch nicht abschließend eingestellt.

Mehr Gülle und Mist in Biogasanlagen

Aus dem Bericht geht auch hervor, dass noch nie zuvor so viel Gülle und Mist als Substratinput in Biogasanlagen eingesetzt wurden.

"Statt Mais geht eine wachsende Menge Wirtschaftsdünger in die Biogasanlagen, die Menge separierten Wirtschaftsdüngers nimmt zu, Schweine und Geflügel werden immer häufiger mit nährstoffreduziertem Futter versorgt", zählte der Kammerpräsident weitere positive Entwicklungen auf.

"Damit sind die Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen offensichtlich unseren Empfehlungen gefolgt. Dies ist eine große Auszeichnung für die Arbeit unserer Beraterinnen und Berater", betonte Schwetje.

"Maßnahmen der LWK erfolgreich"

"Dieser achte Nährstoffbericht dokumentiert, dass die Betriebe das Nährstoffmanagement ernsthaft verändert haben und die Maßnahmen unserer Landwirtschaftskammer zur Reduzierung der Nährstoffüberschüsse erfolgreich sind", lobte Schwetje. "Die große Mehrheit der Landwirte hat verstanden, worauf es ankommt."

Otte-Kinast wies auf die Leistung der Landwirtinnen und Landwirte hin: "Ohne das entschlossene und engagierte Handeln unserer Landwirtinnen und Landwirte wäre diese positive Entwicklung auf Landesebene nicht möglich gewesen", betonte sie.

"Mit unserem Vorgehen erreichen wir die geforderten Ziele. Eine stringente Umsetzung des Düngerechts sowie eine effektive risikoorientierte Überwachung, unterstützt durch elektronisch erfasste Meldedaten führen zum Erfolg", so Otte-Kinast weiter. 

Trotzdem Verbesserungspotenzial

Gleichwohl bleibe auf dem Gebiet der Düngung noch eine Menge zu verbessern, stellte Schwetje fest: "Auf regionaler Ebene bestehen in einigen Landkreisen noch Nährstoffüberschüsse, während andernorts bereits unterhalb des Bedarfs der Pflanzen gedüngt wird."

Daher seien weiterhin eine fundierte Beratung sowie betriebliche Anstrengungen nötig, um auch flächendeckend eine Düngung nach den Vorgaben des Düngerechts zu etablieren.

Aus Sicht der LWK hätten sich laut Schwetje regionale und überregionale "Runde Tische" zum Nähstoffmanagement sehr bewährt. Diese würden die Bedürfnisse der betroffenen Betriebe und die Anforderungen gesetzlicher Änderungen möglichst praxisnah in Einklang bringen.

Den kompletten Nährstoffbericht für Niedersachsen und weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite des Landwirtschaftsministeriums.

Löhr: Landwirte haben geliefert

Landvolk-Vizepräsident Ulrich Löhr lobt das Verhalten der Landwirte.

Der Nährstoffbericht habe deutlich aufgezeigt, dass die Landwirte auch schon unter der Düngeverordnung von 2017 geliefert hätten, so Löhr in einem Statement. An allen Hebeln sei gestellt worden, angefangen von nährstoffreduzierter Fütterung über Nährstoffpartnerschaften bis hin zu verknappter Düngung. Der vom damaligen Landwirtschaftsminister Christian Meyer 2014 plastisch dargestellte "Nährstoffüberschusszug von Hannover bis Rom" sei auf die Länge eines Regionalexpress geschrumpft.

Die niedrigen Proteinwerte, insbesondere beim Weizen, zeigten aber auf, dass das Ende der Fahnenstange bei der Nährstoffreduktion erreicht sei: 20 Prozent unter Bedarf in den roten Gebieten zu düngen, sei selbst laut dem Nitratbericht des BMEL eine teure und für die Wasserqualität ineffektive Maßnahme. 

Was die Landwirte aber "auf die Palme bringe" sei, dass viele rote Gebiete auf Messergebnissen basieren, die einer fachlichen Überprüfung nicht standhalten. Hier sei die Landesregierung gefordert, die Ausweisung roter Gebiete wirklich verursachergerecht zu gestalten.

Hubertus Berges, 1. Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg, kommentierte, dass man der Landwirtschaft Zeit geben müsse, um sich moderat anpassen zu können. Um den Landkreis Cloppenburg unter die 170 kg N/ha Grenze zu bringen, seien noch weitere Bemühungen erforderlich, unter anderem solle anfallender Wirtschaftsdünger aus der Tierhaltung besser genutzt und technische Lösungen zur Verwertung weiter verstärkt werden.

Mit Material von ML, Landvolk Niedersachsen

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