Milchkühe mit Landwirt
Ellen Hartmann | am

Niedersachsens Milchbauern stehen vor großen Problemen

Futter, Kraftstoff, Gas und Strom: Milchbäuerinnen und -bauern stehen derzeit vor großen Herausforderungen und Kosten. Das Landvolk Niedersachsen fordert deshalb bessere und nachhaltigere Rahmenbedingungen.

"Wir stehen exorbitanten Kostensteigerungen gegenüber, aber der Milchpreis hat sich bisher nicht in dem nötigen Maße verbessert", weiß Manfred Tannen, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen. Er kann die Sorgen der Landwirte verstehen, da er selbst Milchviehalter in Ostfriesland ist.

"Es geht jetzt ans Eingemachte"

"Es geht jetzt ans Eingemachte", sagt Tannen. Denn gerade jetzt im Frühling beziehungsweise Frühsommer sei es für seine Berufskollegen wichtig, finanziell gut dazustehen, da die Flächen gepflegt, gedüngt und die Grünlandernte eingefahren werden müsse. Dass die Preise für Milchleistungs- und Ergänzungsfutter so hoch seien, liege vor allem an den gestiegenen Preisen für Getreide sowie Soja- und Rapsschrot. "Beide sind nur knapp verfügbar und so teuer wie noch nie in diesem Jahrtausend", so Frank Feuerriegel, Geschäftsführer der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Niedersachsen.

Milchauszahlungspreis unter Vorjahresniveau

Laut dem Experten sei die Grundfuttersituation ungleichmäßig: "Während der Niederschlag der vergangenen Monate den Flächen sichtlich gutgetan hat, sorgen die zuletzt niedrigen Temperaturen in einigen Regionen für gebremstes Wachstum. Vielfach konnte durch die anhaltenden Niederschläge verspätet gemäht werden. Die dadurch verlängerte Saison führt regional zu Versorgungslücken bei Silage, Heu und Stroh." Zusätzlich würden die Molkereien zwar höhere Einnahmen für den Export von Pulver, Butter und Käse bekommen, doch diese seien durch Fracht- und Logistikkosten verzehrt. Übrigens: Im Durschnitt lag der Milchauszahlungspreis in Niedersachsen im ersten Quartal 2021 nur rund 3 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Unklare Zeiten bei Tierwohl und Grünlandförderung

"Auch schon kurzfristig ist eine deutliche Anhebung des Auszahlungsniveaus der Molkereien je Liter nötig, um alle Kosten zu decken und wirtschaftlich arbeiten zu können", erklärt Tannen. "Hier müssen Erzeuger besser an künftigen Wertschöpfungsmodellen beteiligt werden. Zudem sollten die Molkereien ihre Maßnahmen zur Preisabsicherung im Sinne der Erzeuger ausbauen." Denn die steigenden Kosten seien nicht das einzige Problem, das bewältigt werden müsse: "Hinzu kommen Unwägbarkeiten bei Fragen der künftigen Grünlandförderung und neue Auflagen für das Tierwohl." Die Milchbauern seien mit viel Herzblut bei der Arbeit, "aber jetzt müssen unsere Rahmenbedingungen nachhaltig verbessert werden, um den Strukturwandel nicht noch weiter zu beschleunigen", sagt Tannen.

Das fordert Landvolkpräsident Hennies:

Landvolkpräsident Dr. Holger Hennies weist daher in einem Schreiben an die niedersächsischen Bundestagsabgeordneten darauf hin, dass bei den Gesetzentwürfen zur Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Deutschland ab 2023 die Anerkennung und faire Honorierung der Leistungen der Betriebe für Klima- und Naturschutz fehlen würden. Weiter fordert Hennies, dass die GAP nicht auf dem "Rücken der Milchviehalter" ausgetragen werden dürfe.

Mit Material von LPD
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