Der Niedersächsische Weg wird von den Beteiligten auf einem Blühstreifen unterzeichnet
Christel Grommel | am

Niedersächsischer Weg unterzeichnet

Der "Niedersächsische Weg" wurde heute in Wunstorf bei Hannover vom Land Niedersachsen, Naturschutzverbänden und der Landwirtschaft unterzeichnet.

Erstmals einigen sich das Land Niedersachsen, die Naturschutzverbände und die Landwirtschaft auf eine verbindliche Agenda für mehr Naturschutz, Arten- und Gewässerschutz. Heute wurde die Rahmenvereinbarung gemeinsam von allen Akteuren unterzeichnet. Ministerpräsident Weil erläuterte zusammen mit allen Beteiligten die Bedeutung des "Niedersächsischen Wegs".

Im Podcast (siehe oben in diesem Artikel) erläutert Ministerin Otte-Kinast Fragen zum Niedersächsischen Weg. 

Was ist der Niedersächsische Weg?

Interview mit Ministerin Barbara Otte-Kinast

Ein exklusives Interview zum Niedersächsischen Weg sehen Sie als Video in der aktuellen digitalen Ausgabe der LAND & FORST:

Eine in dieser Form bundesweit einmalige Vereinbarung zwischen Landwirtschaft, Naturschutz und Politik. Das Papier verpflichtet die Akteure, konkrete Maßnahmen für einen verbesserten Natur-, Arten- und Gewässerschutz umzusetzen. 

Der Inhalt wurde monatelang auf Augenhöhe zwischen allen Akteuren verhandelt und wird nun auf breiter Basis getragen.

Unterzeichner der Vereinbarung sind Ministerpräsident Stephan Weil, Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, Umweltminister Olaf Lies, Albert Schulte to Brinke, Präsident des Landvolk Niedersachsen, Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des NABU Niedersachsen und Heiner Baumgarten, Vorsitzender des BUND Niedersachsen

Der Niedersächsische Weg soll dabei helfen, dem Verlust von Nahrung und Lebensräumen für Insekten entgegenzuwirken. Die konkrete Umsetzung dieses Plans wird in den kommenden Monaten und Jahren laufen. 

Eckpunkte der Vereinbarung

Zum Niedersächsischen Weg gehören unter anderem: 

  • Breitere Gewässerrandstreifen – also Uferbereich von Gräben und Flüssen – nicht düngen oder Pflanzenschutz aufbringen.
  • Reduktion chemischer Pflanzenschutz – neue Spritztechnik einsetzen
  • Biotopverbund auf 15 Prozent der Landesfläche bzw. 10 Prozent der Offenfläche 
  • Mehr Landschaftselemente wie Hecken, Baumreihen, Alleen
  • Vertragsnaturschutz: Wiesenvögel (Birkhuhn, Fasan), Insektenschutz, Lerchenfenster
  • Mehr Beratung für Landwirte
  • Bis Ende 2020 Aktionsprogramm Insektenvielfalt
  • Biodiversität in den Wäldern der Nds. Landesforsten (NLF): Mehr Bäume die über 100 Jahre alt werden; bei der Holzentnahme auf Säugetiere und Vögel achten
  • Im Solling entstehen 1.000 ha Wildnisgebiet bis 2028
  • Bis 2025 wird der Anteil des Ökolandbaus auf zehn Prozent wachsen
  • Klimaschonende Bewirtschaftung (Moorgebiete) 

 

Mit dem Niedersächsischen Weg sichert die Politik den Landwirten zu, dass diese geforderten Leistungen auch honoriert werden. Zunächst hat die Niedersächsische Landesregierung kurzfristig 120 Millionen Euro zur Erhöhung der Biodiversität auf landwirtschaftlichen Flächen im Haushalt bereitgestellt. Das wird aber noch nicht alles sein: Über die konkreten Finanzmittel wird in den kommenden Monaten im Landtag gemeinsam diskutiert und entschieden.

Es ist vorgesehen für die Finanzierung nicht nur den Landeshaushalt, sondern auch Mittel aus Töpfen des Bundes (GAK-Mittel) und der EU (neue GAP) für die Umsetzung einzusetzen.

Meinungen der Unterzeichner

Umweltminister Olaf Lies zeigte sich zuversichtlich, dass der Niedersächsische Weg Gräben überdrücken könne. "Umwelt, Natur- und Artenschutz geht uns alle an und ist vor allem auch eine Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen. Die letzten Jahre waren häufig geprägt von Forderungen vor allem an die Landwirtschaft, aber es mangelte oft an konsequenten und langfristigen Lösungen die eine breite Akzeptanz hatten. Erfolgreich werden wir nur sein, wenn alle Beteiligten ihren Beitrag leisten. Sich gegenseitig als Partner zu betrachten, ist er richtige Weg. Das setzt aber auch voraus, dass man Verständnis füreinander hat."

"Die Vereinbarung zeigt, dass die Landwirte Teil der Lösung sind", fügte Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast hinzu. "Sie wirtschaften mit und in der Natur, haben das Wissen und den Willen sich für den Artenschutz einzusetzen."

Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke betonte in einer Stellungnahme: „Wir wissen um die Bedeutung umweltpolitischer Themen und wollen uns aktiv dafür einsetzen, mehr Artenschutz mit der Ernährungssicherheit vereinbar zu machen. Hier werden wir uns als leistungsfähige Landwirtschaft aktiv mit einbringen und gestalten. Deshalb haben wir den Niedersächsischen Weg gewählt. Er mag bei den Landwirten zu Anfang durchaus Bedenken hervorrufen und mit Ängsten verbunden sein. Ich bin mir aber sehr sicher dass wir mit diesem ganz neuen Ansatz für unsere Betriebe zweifelsfrei den besseren Weg gewählt haben, um mehr Qualität im Natur- und Artenschutz mit der Landwirtschaft zu erreichen. Zum einen, weil wir den weiteren Prozess jetzt aktiv mitgestalten können und nicht in der Zuschauerrolle verharren müssen, zum anderen, weil die Politik uns zugesagt hat, dass zusätzliche Leistungen unserer Landwirte auch entsprechend bezahlt werden."

Das Miteinander treibt auch Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, an. "Wir arbeiten zusammen, das ist wichtig, denn Landwirtschaft braucht Akzeptanz in der Gesellschaft." Für ihn hat die Vereinbarung für die Betriebe aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Gartenbau und Fischerei "den großen Vorteil, dass sie dadurch genau wissen, was in den nächsten Jahren an Aufgaben, Veränderungen und Ausgleichszahlungen auf sie zukommt – das macht die Anpassung an eine noch mehr auf Artenvielfalt ausgerichtete Wirtschaftsweise viel besser planbar".

Mit Material von ML

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